Spatenstich in Wiesbaden: Am Platz der deutschen Einheit entsteht Sporthalle samt Geschäftskomplex
22.06.2012 - WIESBADEN
Von Wolfgang Degen
Die Szenerie am denkwürdigen Freitagmorgen ist so typisch für das Projekt: Die einen feiern am Platz der deutschen Einheit mit dem symbolischen Spatenstich das Projekt, das andere dezent protestierend ablehnen. Die Feiernden preisen den Bau von Sporthalle und Gewerbekomplex samt Tiefgarage als städtebaulichen Gewinn. Allen voran hebt das Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) in seiner kurzen Rede hervor.
Selbst eine unzumutbar lange Rede hätte nicht gereicht, die Historie und die Debatten angemessen zusammenzufassen. Eine Rathaus-Koalition zerbrach darüber, ein Bürgerbegehren gegen die Bebauung fand nicht den notwendigen Rückhalt, eine Kommunalaufsichtsbeschwerde scheiterte.
Müller blickt nicht groß zurück. Er lobt vielmehr auch die kritischen Stimmen, denn die hätten auch dazu beigetragen, das Ganze noch besser zu machen. Die Sporthalle und der Gewerbekomplex seien eine Aufwertung des Viertels, eine Aufwertung der Stadt insgesamt. „Davon bin ich überzeugt“, meint Müller. Er unterstellt dem Bau aus Beton,Stein und Glas gar eine gewisse Strahlkraft, das ganze Umfeld werde in ein besseres Licht gerückt. Und endlich, nach vielen Anläufen und noch mehr Ideen, die nie zum Tragen kamen, werde die Bebauung umgesetzt. Nach Jahrzehnten, in denen die Fläche im Herzen der Stadt ein Schandfleck war.
"Von immenser Bedeutung“
„Das Projekt ist für unsere Stadt und ihre Einwohner von immenser Bedeutung“, ordnet Andreas Guntrum, einer der beiden Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG), das Vorhaben ein. Die SEG fungiert als Projektsteuerer, 2007 wurde die SEG mit der Durchführung eines Architektur- und Städtebauwettbewerbs beauftragt. Erster Preisträger war das Berliner Büro Georg-Scheel-Wetzel. Den Zuschlag, die Planung umzusetzen, erhielt die Max Bögl Unternehmensgruppe.
Die Feiernden malen die Zukunft in rosigen Farben. „Heute ist ein schöner Tag“, findet der Oberbürgermeister und dankt allen, die den„Mut nicht verloren hatten“, das Bauvorhaben voranzubringen. Es sei ein Beispiel für das Bohren dicker Bretter. In Feierlaune lässt sich leicht großzügig und gönnerhaft sein, die Protestierenden dürfen mit aufs Gelände.Sie werden nicht einmal als Störung empfunden. Die fundamentalen Gegner der Bebauung malen am Rande des Spatenstichs in düsteren Farben, weil nach ihrer Auffassung etwas Ruinöses inmitten der Stadt Gestalt annehme. Eine „Bürobastion“ und ein weiterer „Konsumtempel“ statt einer Erholungsfläche.
Die Feiernden sind klar in der Überzahl, der Protest dagegen auf einigen wenigen Plakaten ist sehr überschaubar. Vom „Millionengrab“ ist da die Rede, dass Geld „verschwendet“ werde, das etwa für die Sanierung von Schulen dringend gebraucht werde. Dabei ist es eine Schule, das angrenzende Elly-Heuss-Gymnasium, das endlich eine moderne Sporthalle erhält, die zudem dem Vereinssport Möglichkeiten eröffnet. Profitieren werden allen voran die Volleyballerinnen des VC Wiesbaden, die seit geraumer Zeit nur mit Ausnahmegenehmigung in einer bundesligauntauglichen Halle spielen. Rund 2.200 Zuschauern bietet die neue Halle Platz, eine Verdoppelung der Kapazitäten gegenüber der Halle am Ersten Ring.


