Helfen mit einem Tageslohn
02.03.2012 - BLEIDENSTADT/WIESBADEN
Von Hendrik Jung
AKTION TAGWERK Taunussteiner Schüler arbeiten einen Tag lang zugunsten von Hilfsprojekten in Afrika
Gut zweihundert Schüler des Gymnasiums Taunusstein haben an der Aktion „Dein Tag für Afrika“ teilgenommen. Das Geld, das sie dabei verdient haben, geht zur Hälfte an die Partnerschule des Gymnasiums in Tansania.
„Bekommt die Dame Handtücher?“, erkundigt sich die 16-jährige Dana Martin bei Stationshilfe Milka Mandir. „Ja“, ruft diese ihr über die Schulter zu, „aber die ist gerade am Waschen, da kannst Du jetzt nicht rein.“ Also versorgt die Schülerin erst mal das nächste Zimmer im Neubau des Alten- und Pflegeheims der Nassauischen Blindenfürsorge mit frischen Handtüchern und frischer Bettwäsche.
Es ist kurz vor neun Uhr morgens und bereits der zweite Arbeitsgang, bei dem sie behilflich ist. Zuvor hat sie gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Sirka bei den Vorbereitungen für das Frühstück geholfen. Da diese keine Vorerfahrungen im Stationsbereich dafür aber in der Buchhaltung hat, hilft Sirka anschließend in der Verwaltung aus.
Jeweils sieben Euro pro Stunde verdienen die beiden dabei. Geld, das ausnahmsweise nicht für den Führerschein gespart wird, sondern an die Aktion Tagwerk fließt. Eine Hälfte davon geht an die Baraka Primary School in Tansania, die Partnerschule des Taunussteiner Gymnasiums, mit dem zweiten Teil werden andere Projekte in Afrika unterstützt. „Ich war mit einer Klassenkameradin bei einem Informationsabend über das Projekt. Die Bilder waren ziemlich bewegend, aber ich fand es traurig, dass nur zehn Leute erschienen waren“, berichtet Sirka, warum sie an dem Tag für Afrika teilnimmt. Gemeinsam mit ihrer Klassenkameradin hat sie sogar extra noch einmal Werbung in ihrer Klasse dafür gemacht. Mit wenig Erfolg zwar, doch immerhin haben fast 350 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen sieben bis elf ihr Interesse an einer Teilnahme bekundet.
Fast der Hälfte von ihnen ist es aber nicht gelungen, einen Arbeitgeber für diesen Tag zu finden. „Ich habe die Gewerbevereine in Taunusstein und Bad Schwalbach angeschrieben, um die Schüler bei ihrer Suche zu unterstützen. Aber da hat es keine Reaktion gegeben“, erläutert Studienreferendar Daniel Hennig, der das Projekt am Gymnasium koordiniert.
Anders das Alten- und Pflegeheim, in dem Dana kürzlich bereits ein zweiwöchiges Schulpraktikum absolviert hat. „Das ist ein liebes Mädchen, sehr fleißig und immer freundlich. Die Bewohner merken das. Wenn die Mitarbeiter schlecht gelaunt sind, sind die genauso“, lobt Milka Mandir ihre Helferin. „Ich habe geweint, als sie weg ist“; fügt sie hinzu. Auch Dana hat sich richtig darauf gefreut zurückzukehren. „Das macht einfach Spaß hier“, sagt sie. Zumal sie die Abläufe jetzt bestens kennt.
Nach einer Pause hilft sie gemeinsam mit ihrer Schwester, die ihre administrative Aufgabe schneller als geplant abgeschlossen hat, bei den Vorbereitungen für das Mittagessen. „Hier im kleinen Speisesaal sitzen die Bewohner, die das Essen angereicht bekommen müssen“, erläutert Dana ihrer Schwester. Außer den Speisesälen gilt es auch noch mehrere Rollwagen mit Suppe, Fleischbällchen, Nudeln und Nachtisch zu bestücken. Denn nicht alle Bewohner können oder wollen zum Essen herunterkommen. „Das machen wir als erstes, damit es schnell hochkommt, weil die recht ungeduldig sind“, berichtet Dana von ihren Erfahrungen. Dann beginnen die drei mit dem Verteilen.
Wenn alle 68 Bewohner im Alter von 50 bis 105 Jahren mit dem Mittagessen versorgt sind, endet die Frühschicht mit den Vorbereitungen für den kommenden Tag. Dann haben die beiden Schülerinnen mit ihrer Arbeit für eine Spende in Höhe von 70 Euro gesorgt und können mit ihrem Tagwerk rechtschaffen zufrieden sein.


