Zug war „absoluter Höhepunkt“
23.02.2012 - WIESBADEN
Von Ingeborg Toth
ASCHERMITTWOCH Dacho gibt Rathausschlüssel zurück / Mühling will noch zweieinhalb Jahre weitermachen
Er habe sich überlegt, ob er den Schlüssel zum Rathaus wirklich zurückhaben wolle, scherzt Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller: „Drei Tage die Oberhoheit abzugeben, das war eine schöne Zeit.“ Am Aschermittwoch nahm er den überdimensionierten Rathausschlüssel aber dann doch wieder entgegen. Beim Heringsessen, aus der Hand von Dacho-Präsident Werner Mühling, dessen Dachorganisation Wiesbadener Karneval 39 Vereine mit etwa 10 000 Mitgliedern hinter sich weiß.
Außergewöhnliche Kampagne
Mühling dankte allen fastnachtlichen Mitstreitern. Mit dem OB war er sich einig: „Eine außergewöhnliche Kampagne liegt hinter uns, eine mit zwei Prinzenpaaren.“ Mit Prinz Joshua I. und ihrer Lieblichkeit Prinzessin Janina I. - beide im schulpflichtigen Alter - habe man eine gute Wahl getroffen. Die beiden eroberten sehr selbstbewusst viele Herzen. Den Festnachtsonntagszug sahen sowohl Müller als auch Mühling als „absoluten Höhepunkt“ der tollen Tage. Trotz kühler Temperaturen.
Der Dacho-Präsident erinnerte sich an eine Diskussion im Jahr 1992. Damals wurden die tollen Tage wegen des Golfkriegs gestrichen. Es gab Stimmen, die den Zug im Sommer danach stattfinden lassen wollten. Aber das machte man dann doch nicht. Mühling: „Alles hat seine Zeit.“
Nach wie vor kämpft der Dacho-Präsident leidenschaftlich für das Ansehen des Kulturguts Fastnacht. Er ging auf die Kritik einzelner ein: „Die nächsten zweieinhalb Jahre müssen die Leute noch mit mir leben“, erklärte der Mann, der im vergangenen Sommer 70 Jahre alt wurde. So lange werde er die Fassenacht fortführen wie bisher: „Oberste Priorität hat der Fastnachtssonntagszug.“ Der könne eben nur stattfinden, wenn es weiterhin gelinge, Sponsoren zu finden. „Ohne deren Geld läuft nix“, so schrieb Mühling allen Kritikern ins Stammbuch.
Nicht „dicke machen“: „Ich bin der Dicke“
Der Mann an Mühlings Seite, Sitzungspräsident Ernst H. Bodden, sieht das nicht anders. Nur wenn alle Verantwortlichen innerhalb der Dachorganisation ihrer „Sammelleidenschaft“ frönten, sei der Zug möglich. Humorvoll wies er alle Vorwürfe zurück, wonach er sich auf der von manchem kritisch gesehenen Dacho-Prunksitzung im Kurhaus „nur dicke machen“ wolle: „Ich bin der Dicke.“
Auch der Oberbürgermeister sieht den Fastnachtssonntagszug als „absolutes Highlight der Wiesbadener Fassenacht“. Keine Stadt habe bessere Organisatoren. Müller ist sicher: „Wenn Mühling nicht wäre, bräuchten wir uns über einen solchen Fastnachtssonntagszug nicht zu unterhalten.“

