Vom Taxifahrer zum Boogiebaron
11.01.2012 - WIESBADEN
Von Daniel Duben
PORTRÄT Alexander von Wangenheim ist stets flexibel / Auftritt mit Ex-Dezernent Joachim Pös
Mittlerweile braucht er sich über mangelnde Aufträge jedoch kaum Gedanken zu machen. „Ich lebe von Überzeugungstätern“, sagt der Musiker. Mundpropaganda von erfreuten Auftraggebern sowie wiederholte Buchungen von begeisterten Firmen, Clubs oder Privatpersonen bilden das Rückgrat seines künstlerischen Daseins. „Mittlerweile gönne ich mir auch den Luxus, Angebote abzulehnen, wenn es musikalisch gar nicht passt“, sagt er. Denn eines möchte der Wiesbadener nicht: „Mich prostituieren. Ich bin kein reiner Barpianist, der sich dezent im Hintergrund hält“, unterstreicht er. All seinen Auftraggebern müsse bewusst sein, dass er auch singen würde. Nicht nur Boogie Woogie, sondern auch Blues und rauchige Pop-Balladen.
Es komme zwar inzwischen selten vor, aber früher hätten die Vorstellungen des Musikers und des Veranstalters auch schon mal meilenweit auseinandergelegen. „Ich erinnere mich an einen Auftritt vor gut fünf Jahren, bei dem sich die Leute ihre Ohren zugehalten haben“, verrät von Wangenheim. Das Auditorium hatte Stücke wie „Tulpen aus Amsterdam“ erwartet, bekam aber stattdessen handfesten Boogie Woogie geboten.
Die richtige Nische als Musiker finden
Generell bemühe er sich aber stets darum, auf das jeweilige Publikum einzugehen. „Das ist neben dem Finden der richtigen Nische für freischaffende Musiker wie mich das Erfolgsgeheimnis“, findet der Wiesbadener. „Ich höre öfter von Kollegen, dass ja alles viel schlechter und schwieriger geworden sei, aber ehrlich gesagt, kann ich das so nicht bestätigen“, betont von Wangenheim.
Neben Soloauftritten in Bars, bei Festivals, auf Firmenfeiern, zum Dinner oder auf Hochzeiten baut er momentan mit der Sängerin Caroline Mhlanga ein weiteres Projekt namens „Blanc de Noir“ auf. „Ich habe diese unheimlich talentierte Sängerin auf der Riverboat-Shuffle kennengelernt“, erzählt von Wangenheim. Spontan hätten sie einen gemeinsamen Auftritt hingelegt und nun wollen sie ihre Zusammenarbeit im Bereich des Pop, Soul, Blues und Jazz intensivieren.
Außerdem hat der Musiker vor Kurzem auch mit einer Wiesbadener Allstar-Band der nicht ganz alltäglichen Art seinen ersten Auftritt absolviert. Gemeinsam mit Johannes Scholz von Wiesbaden.eins.de am Schlagzeug und dem ehemaligen Stadtentwicklungsdezernenten Joachim Pös an der Gitarre trat er im Nassauer Hof auf. Einer Wiederholung des Konzerts stehe laut Alexander von Wangenheim nichts im Wege. „Ich brauche nur Ohrstöpsel, da es sonst neben dem Schlagzeug doch sehr laut ist“, gesteht er.
Taxi fährt der Musiker heute übrigens nicht mehr. Aber vielleicht wird er ja doch noch irgendwann zum ersten singenden Taxifahrer Wiesbadens. Flexibel genug ist er ja...
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