Vom Taxifahrer zum Boogiebaron
11.01.2012 - WIESBADEN
Von Daniel Duben
PORTRÄT Alexander von Wangenheim ist stets flexibel / Auftritt mit Ex-Dezernent Joachim Pös
So ganz passt das Bild des singenden Taxifahrers dann doch nicht. Völlig abwegig ist es aber auch wieder nicht. Alexander von Wangenheims Biografie würde jedenfalls jeden Arbeitgeber entzücken. Denn diese legen ja bekanntlich besonders viel Wert auf Flexibilität. Und wenn der Musiker im Laufe seines Lebens eines immer wieder unter Beweis gestellt hat, dann war es Flexibilität.
Der gebürtige Wiesbadener ging in der hessischen Landeshauptstadt zur Grundschule und machte an der Diltheyschule sein Abitur. Anschließend schloss er eine Kaufmannslehre ab. Doch seine Bestimmung hatte von Wangenheim damit noch nicht gefunden. Statt ins Büro zog es ihn zur Musik. 1986 bestand er die Aufnahmeprüfung an der Wiener Musikhochschule und begann das Studium der Musiktherapie. Seiner Heimatstadt blieb er jedoch auch während dieser Zeit im Ausland treu.
„Um mein Studium zu finanzieren, bin ich während der Semesterferien in Wiesbaden Taxi gefahren“, sagt er. Nach seinem Studium kehrte von Wangenheim wieder voll und ganz nach Wiesbaden zurück. Er eröffnete eine Praxis für Musiktherapie, doch auch das sollte noch nicht die letzte berufliche Wendung in seinem Leben sein.
Damals war die Praxis de facto am Ende
„Ich mochte das Studium, und die Arbeit in der Praxis hat mir wirklich Freude bereitet. Aber jetzt kann ich mir mein Diplom eigentlich auch auf‘s Klo hängen“, sagt er mit bitterem Sarkasmus. 1998 hätten die Kassen aufgehört, die Kosten für Musiktherapie zu übernehmen. „Damit war die Praxis de facto am Ende“, betont er.
Dennoch möchte von Wangenheim die Zeit seines Wiener Studiums nicht missen. „Die Erfahrungen dort waren für meine persönliche Entwicklung unheimlich wichtig“, sagt der Wiesbadener. Musikalisch hätte er ebenfalls einiges mitgenommen. „Neben der Kunst der Improvisation habe ich dort vor allem das Hören gelernt. Es ist schade, aber Fakt, dass in unserer heutigen Gesellschaft das Hören eine zu geringe Rolle spielt“, sagt er. Bei vielen Anlässen würden Menschen leider eher quatschen als ordentlich zuhören. „Zum Glück ist das bei den meisten Konzerten noch anders“, sagt der Musiker.
1998, nach dem Aus seiner Praxis, war für Alexander von Wangenheim mal wieder Flexibilität gefragt. Also machte der passionierte Musiker aus der Not eine Tugend. Zwei Mal wöchentlich trat er in den Bars „I-Punkt“ und „Mr. B‘s“ am Piano auf. Über die Jahre erspielte er sich so einen Ruf als Wiesbadener Boogiebaron, der ihm auch abseits der regelmäßigen Gastspiele in den Bars Auftritte einbrachte.
Seinen „musikalischen Ritterschlag“, wie er es nennt, bekam von Wangenheim 2006 vom renommierten Konzertveranstalter Fritz Rau, dessen Lesungen er zwischen 2006 und 2009 musikalisch begleite. „Das war eine sehr intensive Zeit, in der wir ordentlich rumgekommen sind“, sagt der Musiker rückblickend. An über hundert Abenden gastierten die beiden in Musikclubs, bei Benefizgalas oder auf Festivals.
Mittlerweile hat sich von Wangenheim in der lokalen Musikszene etabliert. Doch bis dahin sei es ein harter Weg gewesen. „Gerade in den ersten fünf Jahren hat es knapp zum Leben gereicht, aber für viel mehr nicht“, erinnert er sich.

