Der Schnee kann kommen
06.12.2011 - WIESBADEN
Von Joachim Atzbach
ELW Adventskalenderteam informiert sich bei den Entsorgungsbetrieben über den Winterdienst
„Wiesbadener Begegnungen“ - Türen öffnen in der Adventszeit, um an interessanten Orten mit interessanten Menschen ins Gespräch zu kommen. Auf ihrer vierten Station in diesem Jahr stattete die gemeinsame Aktion der beiden großen christlichen Kirchen mit dem Wiesbadener Tagblatt dem Winterdienst der Entsorgungsbetriebe einen Besuch ab.
Gäbe es so etwas wie ein Stimmungsbarometer, es würde bei den Männern des Winterdienstes momentan irgendwo zwischen Gelassenheit und Optimismus hin- und herschwanken. Soll der Schnee doch kommen. Hier, am Unteren Zwerchweg, zwischen Biebrich und Amöneburg, wo die ELW-Räum- und Streufahrzeuge ihre Basis haben, gibt man sich bestens präpariert. 4700 Tonnen Streusalz sind eingelagert, dazu 62 000 Liter Magnesiumchlorid-Sole.
„Das sollte reichen“, zieht ELW-Sprecher Frank Fischer den vergangenen Winter zum Vergleich heran, in dem 4100 Tonnen Salz verbraucht wurden. „Die meisten Kollegen machen gern Winterdienst“, sagt Streufahrzeugfahrer Noureddin El Mahyaoui. Sein Kollege Rashid Berkia gibt ihm Recht. Obwohl das Familienleben unter dem Schichtbetrieb etwas zu leiden hat, besonders wenn, wie in den vergangenen schneereichen Wintern, rund um die Uhr Einsätze gefahren werden müssen. „Es ist einfach ein gutes Gefühl direkt zu sehen, wie unsere Hilfe ankommt und wie dankbar sie angenommen wird“, erklärt El Mahyaoui.
Jeweils fünf Tonnen Salz fassen die elf großen Streufahrzeuge. Dazu stehen acht kleinere Multicars zur Verfügung, an den Steilstrecken kommen Unimogs zum Einsatz.
Von den Fahrern wird Fingerspitzengefühl verlangt. Ist eine Kaltfront im Anmarsch, sollten bei den Vorstreuungen fünf bis zehn Gramm Feuchtsalz pro Quadratmeter über den Streuteller wandern. Feuchtsalz besteht aus Salz und Sole. Kommt es besonders heftig, sind dann bis zu 40 Gramm pro Quadratmeter fällig. 20 Tonnen ausgebrachtes Streumaterial pro Einsatz seien im vergangenen Winter keine Ausnahme gewesen, berichtete El Mahyaoui. „Eine never-ending-story“, nennt das Frank Fischer, wenn es gilt, die in 13 Streupläne eingeteilte Stadt unterbrechungslos verkehrssicher zu halten. Bis zu einhundert Tonnen Salz gehen dann locker pro Einsatzschicht weg.
Ein Irrtum ist es übrigens zu glauben, es müsse zu jeder Tages- und Nachtzeit gestreut werden. „Bis 22 Uhr und ab 7 Uhr morgens sind wir dazu verpflichtet“, informierte Fischer. Womit El Mahyaoui und sein Kollege Berkia am meisten zu kämpfen haben, sind nicht etwa die Witterungsumstände, sondern oft verunsicherte Autofahrer. „Fahrt an die Seite, macht uns Platz“, appellieren die beiden.


