Den Eintagshelden auf der Spur
18.08.2011 - WIESBADEN
Von Anja Baumgart-Pietsch
FREIWILLIGENTAG Organisatoren suchen selbst auf dem Weinfest nach Mitstreitern
Es geht in die heiße Phase: Die Organisatorinnen des Freiwilligentags am 10. September legen sich schwer ins Zeug, damit die angestrebte Anzahl von „Eintagshelden“ auch wirklich zusammenkommt. Eine Gruppe von Studentinnen der Hochschule Rhein-Main ist diese Woche auf dem Weinfest unterwegs, um dort Besucher anzusprechen und für einen Einsatz am 10. September zu werben. Denn es gibt noch zahlreiche Projekte, die „wackeln“. „Besonders diejenigen, bei denen etwas angestrichen werden soll, sind noch nicht so beliebt“, sagt Mitorganisatorin Kristina Kriegel.
Einsatzwillige haben die Wahl zwischen 80 Projekten unterschiedlichster Art, die auf der Homepage des Freiwilligentags genauer beschrieben sind. Ausgebucht sind bislang erst wenige: Die Pflege der Grünanlagen rund ums Tierheim gehört dazu, der Ausflug mit behinderten Bewohnern des Christian-Groh-Hauses zur Bundesgartenschau nach Koblenz, das Anlegen einer Kräuterspirale auf dem Schulhof der Fluxusschule oder die Mitarbeit an der Datenbank des Aktiven Museums Spiegelgasse.
Doch es gibt noch zahlreiche weitere Einsatzmöglichkeiten, so zum Beispiel die Reinigung und Bepflanzung bestimmter Stellen in der Bleichstraße, der Anstrich trister Betonwände in der Erbenheimer Hermann-Ehlers-Schule, die Mithilfe beim Kinderfest des Volksbildungswerks Klarenthal oder die farbliche Neugestaltung der AWO-Kindertagesstätte „Marie Juchacz“ - um nur einige wenige zu nennen. Auch Geld- und Sachspenden sind noch willkommen.
Bislang haben sich 76 „Eintagshelden“ angemeldet. „Wir brauchen mindestens 100, schön wäre natürlich das Doppelte“, so Kristina Kriegel. Die Studentinnen greifen zu kreativen Mitteln des „Direktmarketings“, um Mitstreiter anzuwerben. Auf dem Weinfest gehen sie direkt auf die Besucher zu. „Die meisten zeigen sich zwar ganz interessiert, aber natürlich sollten sie sich dann auch tatsächlich anmelden“, wünscht sich Kriegel.
Die Studentinnen haben sich nach anfänglichen Abendbesuchen an den Weinständen dafür entschieden, lieber tagsüber unterwegs zu sein. „Da ist die Aufmerksamkeit dann doch größer“, meint Kriegel. Am Stand der Forschungsanstalt Geisenheim, die den Tag als Sponsor begleitet, liegen die Flyer der Aktion - dazu noch an zwei weiteren Ständen, berichtet die Studentin. „Die meisten Winzer haben es leider abgelehnt, unsere Infomaterialien auszulegen“. Dafür habe man viele Aufkleber verteilt und plane in der nächsten Zeit noch weitere überraschende Aktionen, so zum Beispiel am Samstag um 14 Uhr beim „Café Extrablatt“ in der Langgasse oder auch auf den Parkplätzen der Biebricher Baumärkte. „Da sind ja sowieso Kunden, die handwerklich begabt sind“, schmunzelt Kriegel. „Die könnten wir doch vielleicht dann auch zum Mitmachen bei den handwerklichen Projekten bewegen, die momentan noch sehr schwach besetzt sind.“
Die Studentinnen haben sich im Sommer auf vielen Festen bewegt, um ihr Anliegen publik zu machen. Beim Theatrium drückten sie den Besuchern einen Stempel mit der Website zum Thema auf die Hände. „Der hat sich aber dann doch schnell abgewaschen, von dieser Idee sind wir wieder abgekommen“, sagt Kristina Kriegel, die mit ihrem Team wertvolle Marketing-Praxis-Erfahrungen sammelt, die im späteren Berufsleben sicher hilfreich sind.
Auch beim Improsommer und den Theaterveranstaltungen auf dem Neroberg war das Team vertreten und informierte die Besucher - trotz des parallelen Prüfungsstresses an der Hochschule. Nun begegnen sie den Wiesbadenern also auf der Weinwoche - auch, wenn man manchmal die Falschen anspricht, wie Kristina Kriegel lachend berichtet: „Zwei von uns haben ganz motiviert und schwungvoll ihre Rede gehalten - nur um zu merken, dass die Angesprochenen Touristen aus Holland waren, die nichts verstanden haben.“ Doch selbst die haben dann - nach Aufklärung und Information auf Englisch - der Aktion Respekt gezollt und Aufkleber in ihr Heimatland mitgenommen.

