Gespanntes Warten auf die Gipsfüße
28.03.2011 - WIESBADEN
INKLUSION Kinder entwickeln bei der Malwerkstatt „Eigenart“ Mut zum Ausdruck
(MaK). Aus der Malwerkstatt „EigenArt“, in der sich 2009 und 2010 einmal monatlich zehn bis zwölf Kinder mit und ohne Behinderung zum kreativen Arbeiten trafen, ist in diesem Jahr eine Werkstatt für plastisches Gestalten entstanden. Die Hälfte der Kinder hat eine Behinderung. „Wir praktizieren die Inklusion schon eine ganze Weile“, sagt Annette Caumanns-Loos von der Lebenshilfe Wiesbaden. Sie ist Initiatorin und Leiterin der Workshops. Finanziert wird das Projekt vom Amt für Soziale Arbeit, die Lebenshilfe beteiligt sich mit einem Zuschuss.
Auch für die neue „EigenArt“-Werkstatt habe es wieder mehr Anmeldungen als Plätze gegeben, berichtet Annette Caumanns-Loos. Viele mussten auf die Warteliste. Deshalb war die Freude groß, als das Junge Staatstheater Wiesbaden mit einer Spende in Höhe von 2000 Euro die Einrichtung einer zweiten Werkstatt ermöglichte. Die Mittel stammen aus dem Verkaufserlös von Hörspiel-CDs, Plakaten und Buttons rund um die Weihnachtsmärchen-Aufführungen der „Schneekönigin“ im vergangenen Jahr. Trotz der moderaten Preise seien da bei 50 000 Zuschauern immerhin 16 000 Euro zusammengekommen, erzählt Stefan Schletter, einer der beiden Leiter des Jungen Staatstheaters. Das Geld fließe in einen Fonds, der sozialen Zwecken diene, so ermögliche man beispielsweise Kindern aus finanziell schwachen Familien den Theaterbesuch. „Unser Publikum soll wissen, wofür wir das Geld einsetzen.“ Am vergangenen Samstag besuchte Schletter die Kinder der ersten, bereits seit Januar bestehenden Vormittags-Werkstatt.
Im Januar und Februar haben sich die Kinder mit den Materialien Ton und Gips angefreundet. Jeder sucht und findet beim Arbeiten seinen eigenen Weg durch die Welt der Formen. Auch wenn Freunde wie Marius und Lars oder Freundinnen wie Nele und Leonie schon in der Malwerkstatt gern zusammengearbeitet haben. Was ist schöner - malen oder Ton kneten? „Mir macht beides Spaß“, antwortet Leonie und rollt dabei mit der Handfläche an einen Stück Ton. Nele nickt. „Mir auch.“ Thomas knetet an seinem dritten liegenden Osterhasen. Voriges Mal hat er eine Schildkröte mit abnehmbarem Panzer geformt, innen lag ein Schildkrötenbaby.
Johanna bemalt ihr Herz aus Ton blutrot und wählt dann für die Tonkugel mit eingeschnittenem Kreuz ein Kornblumenblau, das ihrer Mutter so gut gefällt. Gebrannt wird der Ton nicht, nur getrocknet.
Wie fühlen sich Gips und Ton an, und was kann man daraus machen? Welche Werkzeuge braucht man? „Wir gehen langsam und Schritt für Schritt vor“, erklärt Annette Caumans-Loos. Unterstützt wird sie von Kunstwerkerin Julia Isterling sowie Magdalena Görnert, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr beim Amt für Soziale Arbeit absolviert, und Helferin Laura Ciccanti. Manchmal gehe es turbulent in der Werkstatt zu, da sei es gut, wenn sich mehrere die Betreuung der Kinder teilten. „Wer hat noch keinen Gipsfuß?“, fragt Julia Isterling in die Runde. Die Gipsfüße von Chantal, Johanna und Marius stehen schon auf der Bank. Lina wartet darauf, dass ihre Gipshand trocknet. Sie und ihre Schwester sind neu in der Werkstatt. Vorsichtig wird Linas Gipshand aufgeschnitten. Was fängt man damit an? Mal sehen. Vielleicht bemalen. Das Arbeiten mit Pappmaché, Holz, Speck- und Alabasterstein soll folgen. Wie zuvor schon in der Malwerkstatt gilt es für die Kinder auch diesmal wieder, Mut zum unverwechselbar eigenen Ausdruck zu entwickeln, etwas Neues auszuprobieren und Spaß am Werkeln zu haben.

