In klassischem Ebenmaß
18.03.2011 - WIESBADEN
(rhe). Am 5. April 1805 erlebten Beethovens drittes Klavierkonzert in c-Moll und seine zweite Sinfonie in D-Dur im Theater an der Wien ihre Uraufführung. Dort hatte 1791 Mozarts „Zauberflöte“ ihren Siegeszug durch die Welt begonnen. Dieses Werk, das Beethoven sehr schätzte, hat in beiden Kompositionen, die Heribert Beissel in der Reihe „Wiener Klassik“ mit der Klassischen Philharmonie Bonn im Thiersch-Saal des Kurhauses aufführte, Spuren hinterlassen.
Die Programmauswahl bot die Möglichkeit, der „Mozartnähe“ der Partitur nachzuspüren. Die junge georgische, mit vielen Auszeichnungen bedachte Pianistin Dudana Mazmanishvili interpretierte das c-Moll-Konzert in klassischem Ebenmaß, weitab des Effektvollen, in feingliedriger Disposition gelangen die Ecksätze, wunderschön aufgelichtet und in bestem Einvernehmen mit dem Orchester erklang das Largo, die Kadenzen erhielten markante und sensible Statur in erstaunlicher Bandbreite des Anschlags. Eine makellose Gestaltung mit entsprechend begeistertem Beifall, für den sich die Künstlerin mit der bravourösen Interpretation der „Barcarolle“ op. 60 von Frédéric Chopin bedankte.
In Heribert Beissels Nachzeichnung der zweiten Sinfonie Beethovens klang viel von der Ideenwelt der „Zauberflöte“ an, da standen pathetische, weihevolle Töne aus dem Reich Sarastros den buffonesken des Vogelfängerpaars kontrastierend gegenüber, ungemein luzide und in warmem Schönklang wurde das Larghetto musiziert.
Der Dialogcharakter des Werks, der sich in dem plötzlichen, abrupten Wechsel von Tempo und Agogik ausdrückt, fand in dem nervigen Dirigat Beissels und der Wendigkeit seiner Instrumentalisten die exzellente Entsprechung. Überaus herzlicher Beifall nach dem mit Rondo-Finale. Begonnen hatte das Konzert mit dem von Beissel und dem Orchester plastisch konturierten Wellenspiel der „Fingalshöhle“ in Felix Mendelssohn-Bartholdys „Hebriden-Ouvertüre“. Der Abend endete mit einer Zugabe - einem samten gespielten Streichersatz Edward Elgars.

