Mit ungewöhnlichem Rezept zur Mensa
16.02.2011 - WIESBADEN
Von Beke Heeren-Pradt
DILTHEYGYMNASIUM Eltern gründen Förderverein und setzen ehrgeiziges Projekt in die Tat um
„Eine wirklich gute Idee setzt sich auch durch“, fasste Michael Molz, Vorsitzender des neuen Fördervereins der Diltheyschule, „Culinarium Dilthey“, zusammen, was in den vergangenen drei Monaten an Wiesbadens ältestem Gymnasium dank dieser Elterninitiative erreicht worden ist. „Das Ziel war: Wir bekommen eine Mensa für die Diltheyschule“, erinnert Molz und fügt strahlend hinzu: „Und wir bekommen eine Mensa für die Diltheyschule.“
Zum Schuljahresbeginn Anfang August wird ein neues Gebäude auf dem hinteren Hof des Gymnasiums stehen. In den ersten zwei Jahren werden in dem Neubau zunächst sieben zusätzliche Klassenräume für Oberstufen-Unterricht bereitgestellt, die benötigt werden, weil der große Doppeljahrgang zwei Jahre lang zum Abitur gebracht werden muss. Der Doppeljahrgang besteht aus den Schülern, die als letzte nach neun Gymnasialjahren das Abitur machen und jenen, die als erste nach den G 8-Regeln zum Abitur gelangen. Wenn 2013 dieser Jahrgang sein Abitur gemacht hat, wird das neue Gebäude seiner eigentlichen Bestimmung übergeben und zur Mensa umgebaut.
Schulleiterin Rita Beek, die jetzt zu einer Informationsveranstaltung in Sachen Mensa eingeladen hatte, nannte es ihr „schönstes Weihnachtsgeschenk“, als kurz vor den Festtagen klar war, dass es eine Mensa für die Diltheyschule geben wird. Einem Husarenritt glich der Prozess von einer „guten Idee“ bis hin zum fertigen Projekt.
Das bestätigte auch Schuldezernentin Rose-Lore Scholz, die gemeinsam mit den Elternvertretern Birgit Rasel und Michael Molz sowie den Architekten Professor Dieter Müller und Andrea Münch auf dem Podium saß.
Noch vor einem halben Jahr schien es in weiter Ferne, dass die Schule, die derzeit lediglich über eine begrenzte Essensausgabe verfügt, eine eigene Mensa bekommen kann.
Das groß angelegte Projekt, für das es vor zwei Jahren einen Wettbewerb unter Studenten der heutigen Hochschule Rhein-Main im Fachbereich Architektur gegeben hatte, war angesichts der Finanzkrise „gestorben“. Architekt Dieter Müller, der auch Vater von Diltheyschülern ist, zog schließlich eine wesentlich kleinere Lösung in Betracht. Der Schulelternbeirat, dessen Vorsitzende Birgit Rasel von Anbeginn stark engagiert war beim Thema Mensa, schickte im Oktober schließlich eine Petition an Oberbürgermeister Helmut Müller - mit dem Erfolg, dass die Eltern mit ihrem Anliegen angehört wurden.
Denn es hatte sich eine neue Idee ergeben: 321 000 Euro waren im Haushalt eingestellt, um an der Diltheyschule Container als Klassenräume aufzustellen, wegen der drohenden Raumknappheit beim Doppeljahrgang. „Dieses Geld wäre doch wesentlich nachhaltiger investiert, wenn wir es als Grundstock für einen Mensabau nähmen, der zunächst als zusätzlicher Klassenraumbau genutzt wird“ - so argumentierten die Eltern, mit der neuen Planung von Dieter Müller im Hintergrund. Weitere 841000 Euro wären nötig, um das Gebäude hinzustellen und auch nach zwei Jahren in eine Mensa umzubauen - das hatte man bereits errechnet. Dieses Geld stand Schuldezernentin Scholz nicht zur Verfügung. Aber das Konzept konnte nur funktionieren, wenn es bis zum Beginn des neuen Schuljahres realisiert sein würde. Die Eltern gründeten einen Förderverein „Culinarium Dilthey“, erstellten mit der Naspa eine Überbrückungsfinanzierung und garantierten die Zahlung der Zinsen für zwei Jahre. Eine Bürgschaft der Stadt machte das Projekt schließlich möglich.

