Aus der Vogelperspektive
03.08.2011 - WALDEMS
Von Ingrid Nicolai
GESCHÄFTSIDEE Mit dem Mikro-Kopter übers Idsteiner Land
Ein Spielzeug für große Jungs … so sieht auf den ersten Blick der Mikro-Kopter aus, der in der Redaktion der Idsteiner Zeitung zur Landung ansetzt. Und wer in die glänzende Augen von Klaus Deusinger und Heinz Sadony schaut, der weiß: So eine Flugdrohne zu steuern, das kann richtig Spaß machen. Es geht aber (in erster Linie) nicht um Spaß, sondern ums Geschäft. Und die Geschäftsidee hatte eine Frau: Frauke Deusinger.
„Unsere Clique saß zusammen und hat über Technik philosophiert“, erinnert sich ihr Mann. Die Clique, das sind die Bergvolk-Riders, Motorrad-Fans, die sich locker zusammen geschlossen haben. „Meine Frau ist fasziniert von Luftaufnahmen, und da kam die Idee mit der Kamera auf, die an einem Helikopter befestigt sein könnte.“ Sadony, der aus dem Transportgewerbe kommt, und Deusinger, ein EDV-Fachmann, haben sich erst einmal schlau gemacht und sind auf „Heaven-Eye“ als Partner für professionelle Luftaufnahmen gestoßen. Wurden früher Fotos aus der Vogelperspektive aus einem „richtigen“ Helikopter geschossen, so sind mit dem sogenannten Himmels-Auge Luftbilder auch aus geringer Flughöhe möglich.
Mit gut zweieinhalb Kilogramm Gewicht und 80 Zentimetern im Durchmesser ist der Mikro-Kopter, der über sechs Rotoren verfügt, unkompliziert im Auto zu transportieren, wobei die Ausrüstung durch eine Bodenstation mit Laptop und Steuerung ergänzt wird. „GPS, Luftdruck- und Höhenmesser… das ist Hightech“, schwärmen die beiden.
Über den Bildschirm am Boden und mit Hilfe der GPS-Koordinaten kann die Flugdrohne „in der Luft festgenagelt werden“, wie es der Waldemser Deusinger formuliert. So kann der Kunde direkt eine Perspektive auswählen. Mit 20-Millionen-Pixel ist eine hohe Bildqualität garantiert und auch Video-Aufnahmen sind möglich.
„Selbstverständlich müssen wir uns an bestimmte Regeln halten“, erklärt Sadony. Gestartet werden darf nur 100 Meter von Menschenansammlungen entfernt, und der Mikro-Kopter soll nicht höher als 100 Meter fliegen. Auch dürfen Personen, die es nicht ausdrücklich wünschen, nicht erkennbar sein. „Durch Google Earth im Internet sind die Menschen sehr sensibel geworden“, hat Deusinger festgestellt.
Freilich liegt es den „Piloten“ fern, irgendwelche Fotos ins Internet zu stellen. Sie wollen gezielt auf mögliche Kunden zugehen. Das können Privatleute sein, die ein Bild von ihrem Zuhause oder ihrer Familienfeier aus ungewöhnlicher Perspektive möchten, Immobilienmakler, Gemeinden und Firmen jeder Art. „Je mehr wir uns mit dem Himmels-Auge beschäftigen, desto mehr Verwendungsmöglichkeiten fallen uns ein“, betonen Deusinger und Sadony. „Wir sehen die Welt jetzt mit anderen Augen.“

