Es darf ein bisschen weniger sein
22.02.2012 - TAUNUSSTEIN
Von Mathias Gubo
ASCHERMITTWOCH Wie es Taunussteiner mit dem Fasten halten
Norbert Müller ist Schulleiter an der Gesamtschule in Hahn. Er liebt Süßigkeiten, nascht gerne einmal am Abend und sogar in der Schule. Das will sich Müller von heute an verkneifen. Er habe vor, in der Fastenzeit auf Süßigkeiten möglichst zu verzichten, sagt er. In seiner Familie werde in dieser Zeit immer gefastet, „da muss ich mir auch etwas auferlegen“.
Marlies Senne, die Vorsitzende des Seniorenbeirates, will „langsam ein paar Pfund abnehmen, es mir sonst aber gut gehen lassen“. Sie habe „keine speziellen Kasteiungen“ geplant, sagt die 77-Jährige. Der Verzicht auf Süßes sei für sie kein Problem, „es liegt in der Natur des Alters, dass man genügsam wird“. Einen ganz anderen Fasten-Vorsatz hat die SPD-Vorsitzende Svenja Feth gefasst. Sie will sich „entschleunigen“. Dazu hat sie die E-Mail-Umleitung auf ihr Handy abgeschaltet, „damit ich da nicht den ganzen Tag draufschaue“. Etwas mehr Zeit erhofft sich Feth von dieser Aktion.
Bürgermeister Michael Hofnagel (CDU) wird, wie jedes Jahr, auf jeglichen Alkoholkonsum verzichten. Einzige Ausnahme: Ein Gläschen Sekt an seinem Geburtstag Ende März. Fällt dieser einmal nicht in die Fastenzeit, dann wird das Fasten sogar bis zum Geburtstag verlängert.
Ganz neue Erfahrungen sammelt der CDU-Fraktionsvorsitzende Sandro Zehner. Er praktiziert seit Januar Yoga und ist begeistert. „Langsam löst sich der Rost von den Gelenken, jetzt sollen die Pfunde noch etwas purzeln, und es stärkt die Nerven, wenn es in der Politik mal wieder länger dauert.“ Zudem hat sich Zehner fest vorgenommen, nach der Geburt seiner Tochter „dem ein oder anderen Abendtermin zu entsagen. Verzicht kann ja auch mal Freude bereiten“.
Keine Vorsätze für die Fastenzeit hat der neue SPD-Fraktionsvorsitzende und Niederlibbacher Ortsvorsteher Dieter Weiß. Aber eine gute Absicht hat er doch: Er will dazu beitragen, dass man in der Taunussteiner Kommunalpolitik wieder achtungsvoller miteinander umgeht. Keine Vorsätze kann auch der Fraktionssprecher der Grünen und Ortsvorsteher von Wehen, Günter Linke, vermelden. Er hat jedoch Ziele, die er das ganze Jahr über verfolge. Nämlich einen zurückhaltenden und angemessenen Lebensstil zu pflegen, „Extravaganzen nur in sehr bescheidenem Umfang zu nutzen“. Doch die Fastenzeit habe ihren Sinn, steht für Linke fest. Sie halte viele Menschen dazu an, Maß zu halten, mit den vorhandenen Ressourcen bewusster umzugehen.
Der „Alltagsdroge Alkohol“ hat die Hahner Pfarrerin Imke Goerlitz den Kampf angesagt. Alkohol werde viel zu oft und viel zu selbstverständlich bei jedem Besuch angeboten, sie will jetzt lieber um ein Glas Wasser bitten.
Noch nie gefastet hat Taunussteins Stadtverordnetenvorsteher Alexander Ahnelt (SPD). Er wird es auch in diesem Jahr nicht tun, vielmehr versuchen, schnell wieder gesund zu werden. Töchterchen Sophie hat den Papa mit einer bösen Erkältung angesteckt. Deshalb musste Ahnelt auf seine Teilnahme am Wiesbadener Fastnachtszug verzichten. Er war mit Sophie in der Notaufnahme der Klinik.
Er habe sein Gewicht schon reduziert, mache demnächst Urlaub in Asien, das sei angesichts der ganz anderen Küche fast so etwas wie eine Fastenkur, ist Michael Kullmann, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Hessen, überzeugt. Vier bis fünf Kilo nehme er dort in drei Wochen ab. Sein Hosengürtel sei sein „Messgürtel“, der signalisiere ihm zuverlässig, wenn er an Gewicht zulege, sagt Werner Kloryczak, Marktmanager im Toom-Markt. Dagegen will Bettina Schneider, Vorsitzende der Taunussteiner Aartallerchen, beim abendlichen Essen „etwas kürzer treten“.
Würde Brigitte Harder, die Leiterin der Volkshochschule Rheingau-Taunus, fasten, dann müsste sie auf ihr „Suchtpotenzial“ Kaffee verzichten. Doch Harder fastet nicht, „weil ich nicht gerne Regeln habe“. Doch die Fastenaktion „Sieben Wochen ohne falschen Ehrgeiz“ der Evangelischen Kirche findet sie einen wichtigen Denkanstoß. „Das könnte man sich das ganze Leben auf die Fahnen schreiben.“

