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Schlangenbad 

Angst vor Austrittswelle

02.10.2010 - SCHLANGENBAD

FINANZEN Schlangenbader Vereine wollen gerechte Lösung bei Gebäudegebühren

(sus). Die Schlangenbader Vereine reagieren durchaus unterschiedlich auf die Ankündigung der finanzklammen Gemeinde, künftig einen größeren Beitrag zur Unterhaltung der von ihnen genutzten Gebäude einzufordern. Falls Hallengebühren erhoben würden, stünden alle vor dem Problem, diese auf ihre Mitglieder umlegen zu müssen. Noch ist das nicht Beschlusslage, aber Bürgermeister Michael Schlepper hat, wie berichtet, bei einem Gespräch mit den Vereinen signalisiert, dass es nicht wie bisher weitergehen könne. Kostendeckende Nutzungsgebühren hält auch Schlepper nicht für umsetzbar.

Die Situation der einzelnen Vereine und der verschiedenen Ortsteile ist allerdings nur sehr schwer vergleichbar. Manche Vereine haben Eigenleistungen in die genutzten Gebäude gesteckt, manche tragen schon zur Unterhaltung bei, manche nutzen gar keine öffentlichen Gebäude. Sportvereine sind theoretisch gegenüber kulturtreibenden Vereinen im Vorteil, weil das Land den Sport in Verfassungsrang erhoben hat und bei der Duldung freiwilliger Leistungen an Sportvereine großzügiger ist. Auch bei den Hallen, Bürgerhäusern, früheren Rathäusern und Schulen ist der Status quo sehr unterschiedlich. So wurde an der Georgenborner Turnhalle das Notwendigste energetisch erneuert, während das Bürgerhaus Wambach dringend sanierungsbedürftig ist. Ein Angebot für Brandschutz-, energetische Sanierung und neuen Boden über 230 000 Euro ist laut Schlepper schon älter, weil das Projekt wegen Geldmangels mehrfach geschoben wurde.

„Das Problem ist, dass das Bürgerhaus eine Energieschleuder ist“, sagt dazu Dieter Thalheim, Wambacher Ortsvorsteher und Kassierer des Gesangvereins „Concordia“. „Da entstehen wahnsinnig viel Unterhaltungskosten“. Die Wambacher seien gegenüber anderen, die besser isolierte Treffpunkte nutzen, benachteiligt. Je nachdem, was auf die Vereine zukomme, müsse man das in jedem Fall umlegen. Derzeit zahlen die 130 Mitglieder der Concordia, darunter viele ältere und passive, drei Euro pro Monat. „Wir haben auch Mitglieder, denen fallen schon die 36 Euro im Jahr schwer“, weiß Thalheim. Bei einer Beitragserhöhung befürchtet er eine Austrittswelle.

Auch für Rüdiger Amelung, Vorsitzender der 312 Mitglieder starken Sportgemeinschaft Wambach, ist es eine Horrorvorstellung, den Mitgliedsbeitrag zu erhöhen: „Das können wir uns nicht leisten, da wandern unsere Mitglieder in die Fitnessstudios ab.“ Wenn die Gemeinde wie angekündigt ernst mache und Saalmiete erhebe, sieht Amelung auch Veranstaltungen gefährdet. „140 oder 160 Euro Miete, das kriegen wir doch beim Verzehr gar nicht raus“, meint er. „Wenn wir feiern, legen wir schon jetzt immer drauf“.

Eine Beitragserhöhung gehe aus wie das „Hornberger Schießen“, sagt auch Karl-Heinz Laufer, Vorsitzender des 300 Mitglieder starken FC Gladbach. In den „hinteren Ortsteilen“, wo sich die Sportler mangels Umkleide in der Halle umziehen und wo es nicht mal DSL gibt, seien die Sportvereine „ein ganz wichtiger Faktor“, um die Leute am Ort zu halten, glaubt Laufer. Ihn ärgert, dass die Vereine nicht von der Politik gefragt wurden, als es darum ging, die Schulden anzuhäufen, die nun auf Schlangenbad lasten. Und er ärgert sich, dass Vertreter fast aller Vereine an der Gesprächsrunde teilgenommen hätten, aber von den ebenfalls geladenen Fraktionsvorsitzenden lediglich die CDU vertreten gewesen sei.

Jürgen Hartje, Vorsitzender des TSV Schlangenbad-Georgenborn, hat persönlich durchaus Verständnis für die Lage der Gemeinde. Ihm ist wichtig, dass eine gerechte Lösung gefunden wird, die alle gleichmäßig belastet. „Das würde uns erleichtern, die Situation unseren 580 Mitgliedern plausibel zu machen“, schätzt er. Letztendlich gehe es auch darum, den Bürgern zu vermitteln, „dass sie eine ganze Menge von den Vereinen haben“. Mit einem habe Schlepper jedenfalls recht, meint Thalheim: Dass die Gemeinde auf die Bürger zugehen und ihnen klar machen müsse, dass sich alle mehr engagieren müssten.

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