Sonntag, 12. Februar 2012 07:53 Uhr
URL: http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/untertaunus/niedernhausen/9199769.htm

Wiesbadener Tagblatt

Niedernhausen 

„So lernt man locker zu bleiben“

30.07.2010 - NIEDERNHAUSEN

Von Hendrik Jung

JUGEND Ferienspaß-Teilnehmer zu Gast auf der Reitanlage Niedernhausen / Ausflüge in Opelzoo und zur Grube Messel



Während der zweiten Hälfte der Sommerferien veranstaltet die pädagogische Schülerbetreuung des ASB ihr Ferien-Programm. Vom Basis-Lager in der Lenzenbergschule in Niederseelbach aus werden Ausflüge unternommen, zum Beispiel zur Reitanlage Am Hahnwald in Niedernhausen.

„Jetzt mach mal die Augen zu und streck die Hände zur Seite aus! Meinst Du, Du schaffst das eine Runde lang? Keine Angst, Du fällst nicht runter“, weist Carolin Hehner den neunjährigen Nils Wilhelm an. Erst zum zweiten Mal sitzt er auf einem Pferd und meistert die ihm gestellte Aufgabe auf Anhieb perfekt. Nach kurzem Zögern zu Beginn verlässt er sich schnell ganz auf Pony Merlin, das etwa doppelt so alt ist wie er selbst.

„Das machen wir auch mit den Kindern, die ganz neu anfangen zu reiten. So lernt man locker zu bleiben, die Angst zu verlieren und in welchem Takt ein Pferd geht“, erläutert Carolin Hehner Sinn und Zweck der Übung. Sie ist aktive Reiterin bei der Interessengemeinschaft Reiten und Fahren und hat den Verein deshalb bei der Organisation des Ferienbetreuungs-Programms, das unter dem Motto „Tiere dieser Welt“ steht, eingebunden. Zur großen Freude der meisten Kinder.

„Ich liebe Pferde und Hunde und will bald Reitstunden nehmen“, erläutert etwa Nils Wilhelm, der, wie die meisten anderen Kinder auch, einen Fahrradhelm trägt. Nur vereinzelt ist ein Reiter- oder gar Motorradhelm zu sehen. Das zweite Pony in der Reithalle, die siebenjährige Nancy, läuft bei der Vereinsvorsitzenden Christina Thumser an der Longe. „Schau nach vorne, dann sitzt Du gerade, und wenn Du gerade sitzt, dann ist es auch nicht so wackelig“, leitet sie die siebenjährige Leonie Josefine Georg an. Auch sie reitet heute erst zum zweiten Mal in ihrem Leben. Dennoch stimmt sie begeistert zu, als Thumser vorschlägt, das Pferd mal in Trab zu versetzen. „Halt Dich gut fest und wenn was ist, dann sag sofort Bescheid“, gibt diese der Reiterin noch mit auf den Weg, bevor sie das Pony die Gangart wechseln lässt. Augenblicklich steigt bei Leonie die Anspannung, aber gleichzeitig strahlt sie auch über das ganze Gesicht.

Unterdessen wird der zweite Teil der Gruppe in Ernährung und Pflege von Pferden eingewiesen. Nach einem Besuch an der Futterkiste steht nun Körperpflege auf dem Programm. „Ihr seht, die Eisen- und Plastikstriegel sind hart. Deshalb werden sie nur dort eingesetzt, wo die Tiere Muskeln haben. Also nicht an den Beinen striegeln“, erläutert Pferdewirtin Viola Grubert. Eifrig machen sich Johannes Hügel und Elias Hedrich an die Arbeit. Während sie die Fellpflege des Norwegers Boy übernehmen, fragt Viola Grubert den Wissensstand der Kinder über Pferde ab. „Warum können die im Stehen schlafen?“, will sie beispielsweise wissen. Der zehnjährige Johannes kennt sich aus: „Das sind Fluchttiere. Die haben keine Zeit, um sich erst vom Boden aufzurappeln, wenn Gefahr droht“, berichtet er. Auch als nach dem Bürsten die Fußpflege auf dem Programm steht, kann er sofort den Hufkratzer identifizieren und sorgt für eine professionelle Hufpflege. „Ich bin mal eine Zeit lang geritten. Da habe ich auch immer erst mal das Pferd sauber gemacht und nach dem Reiten auch noch mal nachgeputzt, bevor es wieder auf die Weide gekommen ist“, erklärt er.

Obwohl er keine Lust mehr hatte, regelmäßig weiter zu reiten, freut er sich jetzt dennoch darauf. Denn nachdem die fünf Kinder der ersten Gruppe auf beiden Pferden je einmal geritten sind, wird die Reithalle gegen den Stall getauscht und umgekehrt. Am Ende steht für alle zehn ein Wettkampf an, bei dem in Theorie und Praxis geprüft wird, ob sie die Ausführungen aufmerksam verfolgt haben. Da die gesamte Gruppe den Test erfolgreich besteht, kehren sie allesamt mit einem Hufeisen und einer Urkunde zum Mittagessen in die Lenzenbergschule zurück.

Dort treffen sie auf die übrigen neun Kinder, die am Programm der ersten Woche teilnehmen. Sie waren bereits zwei Tage vorher reiten gewesen und heute zu einer Schnitzeljagd im Wald unterwegs. Alle, die in der kommenden Woche noch dabei sind, lernen im Opelzoo Wissenswertes über weitere Tiere. In der letzten Woche dreht sich dann bei einem Besuch der Grube Messel alles um bereits ausgestorbene, ehemalige Bewohner der Erde.

Die Interessengemeinschaft Reiten und Fahren in Niedernhausen hat  durch das ASB-FErienprogramm eine Reihe junger Fans dazugewonnen. 	Foto: RMB/Wolfgang Kühner

Die Interessengemeinschaft Reiten und Fahren in Niedernhausen hat durch das ASB-FErienprogramm eine Reihe junger Fans dazugewonnen. Foto: RMB/Wolfgang Kühner


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