Neue Brücke für die Ländchesbahn
19.07.2010 - NIEDERNHAUSEN
Von Hendrik Jung
BAUARBEITEN Strecke Wiesbaden-Niedernhausen noch bis Donnerstagmorgen gesperrt
Voraussichtlich noch bis zum frühen Donnerstagmorgen ist die Strecke der Ländchesbahn zwischen Niedernhausen und Wiesbaden gesperrt. Tag und Nacht wird bis dahin daran gearbeitet, die neue Bahnbrücke in den alten Streckenverlauf einzuschieben.
Oberhalb des Niedernhausener Friedhofs ist schweres Gerät im Einsatz. Zwei hydraulische Löffelbagger lösen Steine und Erde aus dem Hang und verladen den Aushub parallel auf zwei Lastwagen. Innerhalb weniger Minuten sind diese mit annähernd 25 Tonnen Erdreich beladen und werden von einem in der Schlange wartenden Fahrzeug ersetzt. „Wir müssen innerhalb kürzester Zeit riesige Erdmassen bewegen“, erläutert Andreas Godehardt, Bauleiter des Generalunternehmers Max Bögl. 2 200 Kubikmeter Aushub fallen an, um Platz zu schaffen für die neue Bahnbrücke. Deshalb sind zu diesem Zeitpunkt nicht weniger als 16 Lastwagenfahrer im Einsatz, 25 weitere Arbeiter sind mit Tätigkeiten rund um den Verschub sowie die Erdbaumaßnahmen beschäftigt.
Alte Brücke in einer Nachtschicht abgerissen
Soeben ist in einer zwölfstündigen Nachtschicht die alte Brücke abgerissen worden. Bereits im März hatte man damit begonnen, die Fundamente für die neue Brücke zu legen. Direkt neben der Bahnstrecke ist sie innerhalb von vier Monaten Bauzeit entstanden. Nun soll sie, mittels hydraulischer Pressen auf Schienen geführt, Stück für Stück an ihren neuen Platz geschafft werden. „Wenn sie einmal in Bewegung ist, kann man sie theoretisch per Hand schieben“, beschreibt Hans-Martin Theis vom Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) den Vorgang.
Schon die Vorbereitungen dazu locken immer wieder Zaungäste an die Baustelle. Von der bis voraussichtlich Donnerstag stillgelegten Bahnstrecke aus verfolgen sie die Arbeiten. Manch einer hat eine Videokamera dabei. Mit konzentrierten Blicken verfolgen auch zwei Mitarbeiter der Firma Schollenberger aus Celle den Erdaushub. Sie sind beruflich hier und versuchen, rechtzeitig eventuell im Boden lauernde Blindgänger zu erspähen. Und da die Arbeiten rund um die Uhr vorangetrieben werden, müssen sie auch nachts die Augen offen halten.
„Die Baustelle ist aber nachts sehr gut ausgeleuchtet. Das ist fast wie bei Tageslicht“, versichert Manfred Kümpel vom fachtechnischen Aufsichtspersonal in der Kampfmittelbergung. Während er bislang noch nicht fündig geworden ist, habe man in der Vorbereitung des Projekts eine Brandbombe sowie eine 50-Kilogramm schwere Sprengbombe entdeckt, betont Hans Hölzer, der Projektingenieur beim ASV.
Hoffnung auf moderates Sommerwetter
Sollte es noch ein solches unliebsames Fundstück geben, wäre der eng gesteckte Zeitplan in Gefahr.
Dieser sieht vor, dass nach dem Einschub der Brücke am Sonntag die Widerlager verfüllt werden, die für die Verbindung zwischen der Brückenkonstruktion und dem Erddamm sorgen. Neben der Verlegung von Kabeln und der Schaffung des neuen Gleisbetts steht dann das Einsetzen der alten Gleise an.
Auch diese für die Nacht auf Donnerstag geplante Aktion birgt das Risiko einer zeitlichen Verzögerung. „Das Metall darf nicht wärmer als 26 Grad sein, damit wir mit dem Schweißen beginnen können. Wenn es sich tagsüber zu sehr aufheizt, kann es passieren, dass es auch in der Nacht nicht ausreichend abkühlt“, hofft Hans Hölzer auf moderates Sommerwetter.
Wenn der Bahnverkehr dann wieder rollt, wird unter der neuen Brücke die Fertigstellung der L 3028 weiter vorangetrieben, die der Auslöser für den Austausch der Bahnbrücke gewesen ist. Denn in ihrem Verlauf hatte es einen sogenannten schienengleichen Bahnübergang gegeben, an dem die Landstraße die Bahntrasse Limburg-Frankfurt auf gleicher Höhe gekreuzt hat.
Während die Straße diese Gleise zukünftig auf einer eigenen Brücke überquert, wird sie selbst wiederum unterhalb der Ländchesbahn hindurchgeführt. Wegen dieser komplizierten Stelle, die noch dazu am Hang liegt, ist der Ausbau der lediglich einen Kilometer langen Strecke derartig aufwendig. „Im Frühjahr kommenden Jahres, denke ich, sind wir dann mit allem durch“, macht Hans-Martin Theis den Niedernhausenern Hoffnung auf ein absehbares Ende der Bauzeit.

