Mittwoch, 08. September 2010 16:18 Uhr
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Wiesbadener Tagblatt

Idstein 

Auf einem Pferd zurück ins Leben

27.08.2009 - IDSTEIN

Von Mara Braun

FREUDENSCHIMMER Tiergestützte Therapie als Weg, Ängste und Traumata zu überwinden / Fördermitglieder gesucht

"Das Bewegendste ist der Freudenschimmer in den Augen der Menschen!" So beschreibt Reittherapeutin Petra Henke nicht nur den Ansporn für ihre Tätigkeit, sondern erklärt zugleich den Namen des Fördervereins für tiergestützte Therapien, den sie mitgegründet hat: "Freudenschimmer", seit April 2008 eingetragener Verein mit 15 aktiven Mitgliedern.

Zwei Maßgaben habe man sich für die Förderarbeit gesetzt, erklären Henke und Petra Henzner, Erste Vorsitzende des Vereins: die Therapie-Tiere müssen artgerecht gehalten werden, die kooperierenden Therapeuten bestens ausgebildet sein.

Henke selbst arbeitetet als Psychotherapeutin nach dem Heilpraktikergesetz und hat eine Ausbildung bei der Schweizer Gruppe Therapeutisches Reiten (SG-TR) gemacht. Ihre Arbeitszeit teilt sie heute etwa zur Hälfte zwischen ihrer Praxis und dem Therapiestall in Kröftel. Hier arbeitet Henke auf drei Hektar Land mit sechs ausgebildeten Islandpferden.

"Viele Menschen, denen diese Therapie guttun würde, sind Sozialfälle", schildert Henke ihre Beobachtungen. "Aber die Krankenkasse übernimmt nur in Einzelfällen Teile der Kosten." Aus ihrem Umgang mit Menschen, denen es "sehr, sehr schlecht geht" erwuchs so der Wunsch, durch eine Finanzierung von Therapiestunden aktive Hilfe zu leisten.

In Henzner fand Henke eine Gleichgesinnte, die auch ihre Überzeugung teilt, "dass Tiere unheimlich guttun und einem einfach helfen können". Auch die weiteren Gründungsmitglieder reiten meist, viele haben eigene Tiere. Und der Verein will, obgleich im Namenszug ein Hufeisen das "U" ersetzt, ausdrücklich nicht nur Pferdetherapien fördern, sondern "auch andere tiergestützte Therapien" - sofern die Tiere artgerecht gehalten werden.

Auf die Beine gestellt hat der Verein als erstes die Therapiefinanzierung für einen Elfjährigen. "Er war entwicklungsverzögert", beschreibt Henke und erzählt stolz, nach seiner Therapie habe der "vorher sozial völlig isolierte" Junge nun eine Freundschaft geschlossen. Zugleich bedauert die Therapeutin: "Bislang sind die Einheiten, die wir finanzieren können, oft nur ein Anfang."

Deshalb sucht der Verein weitere Mitglieder sowie Spender und Sponsoren. "Als aktive Mitglieder wollen wir unsere momentane Struktur beibehalten, nehmen aber gezielte Bewerbungen entgegen", erklärt Vereinsvorsitzende Henzner. Fördermitglied wird, wer den Jahresbeitrag von 25 Euro zahlt.

Die Vereinsarbeit bleibt so bei den Aktiven - die sich ihren Aufgaben jedoch mit Begeisterung stellen. "Wenn ich beispielsweise mit jemandem arbeite, der traumatisiert ist, der Angst hat Nähe zuzulassen", setzt Henke an, "und dann gelingt es, dass er sich einlässt auf sein Tier, sich sprichwörtlich `tragen lässt` - das ist gänsehautmäßig."

Das sei jede Minute wert, die man gemeinsam in die Arbeit des Vereins stecke, so betonen die Frauen - und genau solche Erfolgserlebnisse wollen sie mit "Freudenschimmer" weiter verbreiten.

"Dazu gehört auch, dass wir ein Netzwerk aus Therapeuten knüpfen", erklärt Henzner. So wird bereits die zweite vom Verein finanzierte Therapie nicht mit Petra Henkes Pferden durchgeführt, sondern von einer Therapeutin nahe dem Wohnort des geförderten Mädchens. "Da ist natürlich vorab ein intensiver Austausch nötig", sagt Henke. "Außerdem zahlen wir nicht vorab, sondern nur die tatsächlich geleisteten Therapiestunden."

Dass ihre Patienten die positiven Therapieerfahrungen mit den Tieren in den Alltag übertragen können, davon ist Henke überzeugt: "Für viele traumatisierte oder depressive Patienten ist allein die Erfahrung unglaublich wertvoll, dass es das Tier `mit ihnen aushält`, außerdem erfahren sie hier Halt und Sicherheit", erklärt sie. Ein zusätzlicher Aspekt sei die Bewegung auf dem Pferderücken, die der im Mutterleib gleiche: "Dabei erfahren die Patienten eine Form von Urvertrauen, das ihnen oft verloren gegangen war."

Als Vorteil im Umgang mit den Tieren sieht Henke, "dass sie keine doppeldeutigen Botschaften senden - sie zeigen ihre Gefühle ganz offen, da muss man sich hinterher nicht den Kopf drüber zerbrechen." Es sei deshalb zu Beginn der Therapie auch wichtig, "zu gucken, ob es passt mit Mensch und Tier, für den Patienten das richtige Pferd zu finden." Nach dem Erstgespräch stehen deswegen drei bis fünf Einheiten an, um Mensch und Tier zusammenzuführen. Der weitere Verlauf der Therapie ist dann vom Patienten abhängig: "Keine zwei Therapien sind gleich." Gemeinsam ist ihnen lediglich die Schlussphase, wenn eine "behutsame Lösung der Bindung " vom Tier erfolgt.

Halt und Sicherheit können die Patienten auf dem Rücken eines Pferdes erfahren. Foto: privat


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