Von Richard Hörnicke
IDSTEINER KANTOREI Vollbesetzte Unionskirche feiert Chor und Orchester mit Bravorufen
„Von der Finsternis zum Licht“ - dieses Thema bestimmte im Wesentlichen die Auswahl der Bibeltexte, die Felix Mendelssohn-Bartholdy zur Grundlage seiner zweiten Sinfonie in B-Dur op. 52 auswählte. Er schrieb sie 1840 als Auftragswerk des Leipziger Stadtrates für Chor und Orchester zum 400-jährigen Jubiläum der Erfindung der Buchdruckerkunst und nannte sie „Lobgesang“ zur Ehre Gottes und als Lob „der Erleuchtung, die Gutenbergs Bibel der europäischen Kultur gebracht hatte“. In der voll besetzten Idsteiner Unionskirche nahm sich Kantor Carsten Koch zum zweiten Mal des leider oft als Gelegenheitsarbeit eingeschätzten Werks in einer mustergültigen Aufführung an. Das einleitende Adagio der dreiteiligen Sinfonie gibt die thematische Grundlage, die die folgenden Chor- und Solosätze unter dem Aspekt „Alles was Odem hat, lobe den Herrn“ miteinander verknüpft. Koch leitete die Idsteiner Kantorei und die Instrumentalisten der Nassauischen Kammerphilharmonie hoch konzentriert in sorgsam austarierter Zeichensprache, entwickelte profunden, weichen Streicherklang, konnte sich auf sattelfeste Blech- und nobel aufspielende Holzbläser verlassen, das Orchester hat erneut deutlich an Format gewonnen.
Die Choristen sangen in einwandfreier Diktion mit voluminöser Strahlkraft, fanden aber auch zu verinnerlichter, fein abgestimmter Tongebung, sicher in den polyphonen Passagen, der Sieg des Lichtes im Chorsatz „Die Nacht ist vergangen“ wurde als Kulminationspunkt des Werks zum machtvollen Glaubensbekenntnis, sehr schön und berührend der A-capella-Satz „Nun danket alle Gott“. Die Gesangssolisten fügten sich in diese gut aufeinander abgestimmte musikalische Szenerie ansprechend ein, allen voran Christian Dietz, ein Tenor mit sehr schönem, weichem Timbre, vorzüglicher Vokalausformung und geschmeidig geführter Stimme. Ihm zur Seite standen die klar aufstrahlenden Sopranstimmen Christiane Kohls und Anja Fidelia Ulrichs.
Begeisterter Beifall und Bravorufe nach dem prächtig gesungenen Finalsatz für Chor, Orchester und Solisten, sicher aber besonders für Carsten Koch - Ausdruck der Freude, dass der passionierte Dirigent und Chorleiter den Idsteinern nun doch erhalten bleibt.


