Ein Idsteiner Hotel für Insekten
15.07.2010 - IDSTEIN
Von Volker Stavenow
PROJEKT Unter Betreuung der Volkshochschule entwerfen Jugendliche ein Quartier für Kleinstlebewesen
Die Zimmer sind gerichtet, die Gäste können einziehen: Der Imkerverein Idsteiner Land betreibt seit gestern ein Hotel, genauer ein Insektenhotel, auf dem Gelände des Lehrbienenstandes.
Dass Schreiner Georg Entstrasser zusammen mit Annika die Holzkonstruktion in harter Arbeit aufstellen konnte, ist dem „Xenos“-Projekt für Integration und Vielfalt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und des Europäischen Sozialfonds für Deutschland zu verdanken. Partner vor Ort dieser Initiatoren ist die Volkshochschule Rheingau-Taunus (VHS), die sich als Projektträger des Bundesprogramms für Integration und Toleranz in der heimischen Region starkt macht.
Ziel ist es, junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu stärken, ihnen Zukunftsperspektiven zu geben, interkulturelle Kompetenz vermitteln, gegenüber Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sensibilieren und bürgerschaftliches Engagement zu stären.
„Im Projekt „Xenox-equip“ arbeitet die VHS mit benachteiligten Jugendlichen und legt einen der Schwerpunkte auf produktorientierte Lernansätze. Dabei entwickeln und fertigen die Jugendlichen unter fachkundiger Anleitung Produkte, die später im öffentlichen Raum wirksam werden“, erklärt Stefanie Kruse (VHS).
„Bei einem unserer jüngsten Projekte haben Jugendliche gemeinsam ein Insektenhotel entworfen und gebaut. Es dient nützlichen Insekten als Quartier und wird hier am Lehrbienenstand in Idstein aufgestellt. Dort kann es - neben dem primären Zweck des Artenschutzes - nicht nur Imkern bei ihren Schulungen als Anschauungsobjekt dienen, sondern auch Schulklassen und anderen Interessierten, die den Lehrbienenstand besuchen. Besonders freue ich mich, dass eine der jugendlichen Architektinnen beim Aufstellen hilft, obwohl sie ihren Berufsvorbereitungslehrgang bei uns schon beendet hat.“
Die engagierte junge Architektin, die Stefanie Kruse meint, heißt Annika und geht Georg Entstrasser bei der Montage des Insektenhotels tatkräftig zur Hand. Und genau dieses Engagement wollen die Projektbetreuer bei den jungen Menschen auslösen. „Die Jugendlichen entwickeln ein Produkt, dass später konkrete Abnehmer, hier den Imkerverein, findet. Die jungen Leute sehen, dass ihr Einsatz positive Auswirkungen hat. Sie erhalten dafür Lob und Anerkennung“, erklärt Stefanie Kruse. Das Idsteiner Insektenhotel haben unter fachlicher Anleitung drei Jugendliche entworfen.
Viel Lob gibt es es für diesen Einsatz auch von der Idsteiner Umweltbeauftragten Birgit Schiller-Wegener und von Karl Horn, dem Vorsitzender des Imkervereins Idsteiner Land. „Ich habe gerne den Kontakt zwischen Imkerverein und VHS hergestellt, denn dieses Insektenhotel ist eine positive Sache im Hinblick auf Natur- und Artenschutz“, so die Idsteiner Rathaus-Mitarbeiterin. Sie kann sich durchaus vorstellen, ein weiteres Insektenhotel an anderer Stelle in Idstein aufstellen zu lassen.
„Die Imker sprechen bei einem Insektenhotel meist von einem Wildbienenstock. Während Honigbienen Völker bilden, ist dies bei Wildbienen nicht der Fall. Dieses Insektenhotel ist aber ein Angebot für alle Insekten. Auch wir vom Imkerverein hatten überlegt, eine solche Möglichkeit für die Insekten am Lehrbienenstand einzurichten. Deshalb kommt dieses VHS-Projekt jetzt zur richtigen Zeit“, sagt Karl Horn.
Der Vorsitzende der Imker weiß, dass auch der Naturschutzbund Waldems Insektenhotels zum Nachbau anbietet. Wer sich gerne über den Idsteiner Imkerverein (64 Mitglieder, davon viele Frauen) infomieren möchte, wendet sich an den Vorsitzenden, Telefonnummer 0 61 26 / 65 00.

