Der Anfang vom Ende der Römer
16.03.2010 - IDSTEIN
Von Marion Diefenbach
DREHARBEITEN Das Doku-Drama "A.D. 235 - Fall des Limes" entsteht am Turm bei Dasbach
Als der strömende Regen am Sonntag etwas nachließ und es langsam dämmerte, ließ Aufnahmeleiter Dominik Hügler mit dem Drehen der Nachtszene beginnen. Erst jetzt waren authentische Bedingungen gegeben. "Letzte Woche mussten wir zum Teil bei minus zwölf Grad mit halbnackten Darstellern drehen, aber 235 nach Christus war zufällig auch so ein harter Winter wie dieser", so Stuart Marlow, Londoner Professor für Dokumentarfilmgestaltung und Drehbuchautor des Dokudramas über die Lage römischer Grenzsoldaten in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts, als das Imperium in Germanien unter Druck kam.
"Der Anfang vom Ende des Limes war die Ermordung von Julia Mamaea, der ersten Frau, die in Rom an die Macht kam, und ihres Kaisersohnes Severus Alexander", erläuterte der Professor. "Plötzlich trat Oberoffizier Maximinus Trax als neuer Kaiserkandidat auf. Er siegte gegen die Germanen, und damit begann die Phase der Soldatenkaiser. Das Attentat in Mogontiacum, wie Mainz damals hieß, destabilisierte das ganze Reich, und Germanien konnte letztlich nicht aufrechterhalten werden." Dass der Stoff um Mamaea und ihren Sohn nicht längst in Hollywood verfilmt wurde, wundert ihn ein wenig, denn "Trax war so eine Art Rumsfeld, und es gibt gewisse Parallelen zu Afghanistan..."
Nach zwei Jahren Recherche zusammen mit Dr. Markus Scholz vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz gab die Stadt Gmünd, in deren Umfeld sich Kastelle und Siedlungen häufen, im Rahmen der Vorstellung einer Kurzdokumentation ihre Finanzierungszusage, und damit wurde die Gemeinschaftsproduktion der Stuttgarter Hochschule für Medien und der Stadt Schwäbisch Gmünd möglich, die unter anderem zur Kulturförderung beitragen soll.
"Wir drehen nun seit Januar praktisch an jedem Wochenende, unter anderem auch in der italienischen Po-Ebene und am Römerkastelltor im nordenglischen Newcastle on Tyne sowie an vielen süddeutschen Originalschauplätzen", berichten Lennart Peters und Tommy Niessner, die beiden Regisseure, die wie die anderen Studenten aus Kostengründen in der Idsteiner TSG-Halle übernachtet hatten.
Darsteller sind 15 bis 25 Studenten, Laien, aber auch ausgebildete Schauspieler und Mitglieder sogenannter Re-enactment-Gruppen, die sich mit der Nachstellung authentischer historischer Ereignisse beschäftigen. Mit allein acht Hauptcharakteren und über 100 Komparsen ist dieses Pionierprojekt schon personell mit erheblichem Aufwand verbunden.
Der dokumentarische Spielfilm wird 60 bis 80 Minuten lang sein und ist zunächst für Museen und Römerfeste bestimmt; ab Sommer soll er als DVD erhältlich sein und der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit des Limes-Weltkulturerbes dienen.
Der Obergermanisch-Raetische Limes ist größtes Bodendenkmal Deutschlands und seit 2005 Weltkulturerbe der Unesco. Dass der Limesturm Idstein detailgenau rekonstruiert und das Idsteiner Stück des Welterbes mitverfilmt werden konnte, ist dem Idsteiner Bauingenieur und 2. Vorsitzenden des Vereins Freundeskreis Römerturm Idstein, Ottmar Weigel, zu verdanken, der mit großem Idealismus und mit Unterstützung vieler Idsteiner und Freunden aus Partnerstädten überwiegend in Eigenleistung für den Nachbau gesorgt hatte und auch heute noch als Gästebegleiter und Organisator viel Zeit und Arbeit investiert.

