Von Martin Kolbus
Anonyme Vorwürfe gegen die Freiwillige Feuerwehr Idstein: Bei mehreren Ämtern in der Stadtverwaltung und bei der Feuerwehr ging ein Schreiben ein, in dem auf einen erheblichen Konsum alkoholischer Getränke im Stützpunkt hingewiesen wird. Täglich gehe es in geselliger Runde dort zu „wie in einer Kneipe“, so die Worte in der E-Mail des unbekannten Absenders. Die Mail hat bei der Feuerwehr für Empörung gesorgt, zumal davon ausgegangen werden kann, dass der Absender jemand aus den eigenen Reihen ist.
Der Unbekannte hatte unter der Mail-Absenderadresse „feuerwehr-idstein@web.de“ seine Botschaft auch an die IZ-Redaktion geschickt und darüber informiert, dass der Verbrauch von alkoholischen Getränken aus dem Automaten im Stützpunkt „gigantisch groß“ sei; anschließend werde mit dem Auto nach Hause gefahren. Aus dem Feuerwehrmann als Retter werde auf diese Weise eine Gefahr auf der Straße. Zugleich beschwert sich der Unbekannte darüber, dass ein Antrag an die Feuerwehr-Hauptversammlung, in dem es darum gehe, diese Situation zu beenden, „verweigert“ worden sei. Die Führung der Wehr tue nichts – ohne Regeln könne es so nicht weitergehen, so der Absender.
Die Spitze der Idsteiner Feuerwehr ist nicht nur verärgert, sondern auch enttäuscht über das Vorgehen. „Es ist erschreckend, dass jemand anonym solche Dinge in die Welt setzt und die Feuerwehr pauschal derart beschuldigt“, ärgert sich Jörn Staudt, Wehrführer und Vorsitzender des Feuerwehrvereins Idstein-Kern. Die Aktiven der Feuerwehr leisteten ehrenamtlich und freiwillig ihren Dienst im Interesse der Bevölkerung und müssten sich jetzt „mit solch einem Mist herumschlagen“, nimmt Staudt kein Blatt vor den Mund. „So etwas macht unsere Arbeit ganz sicher nicht leichter“, pflichtet Stadtbrandinspektor Werner Volkmar bei.
Kein Ausrücken unter Alkoholeinfluss
Wehrführer Staudt kann sich nicht erinnern, dass es in der letzten Zeit irgendwelche Alkoholprobleme bei der Feuerwehr gegeben hätte. Natürlich kehrten nach Einsätzen die Aktiven in den Stützpunkt zurück und da werde auch etwas getrunken; ebenso werde nach Übungsdiensten Wasser, Cola oder auch ein Bier zu sich genommen. „Hier unterscheiden wir uns nicht von anderen Vereinen“, sagt Staudt und ergänzt, dass die Pflege von Gemeinschaft und Kameradschaft gerade bei der Feuerwehr von besonderer Bedeutung sei: „Weil es auch immer wieder Momente im Einsatz gibt, in denen sich der Einzelne auf den Anderen verlassen muss!“
Dass die Feuerwehr etwa unter Alkoholeinfluss ausrücke, sei überhaupt nicht denkbar, versichern Volkmar und Staudt. Niemand fahre zum Einsatzgeschehen, der aus gesundheitlichen Gründen oder anderer Art von Belastung nicht fit sei. „Darauf wird peinlich genau geachtet“, so Staudt. Schließlich wäre so etwas für Atemschutzträger auch lebensgefährlich, erklärt Stadtbrandinspektor Werner Volkmar.
Antrag ohne Absendernamen
Der Vorwurf, dass die Feuerwehrspitze einen Antrag zur Jahreshauptversammlung verweigere, lässt Staudt nicht gelten. Anfang letzter Woche sei per Kontaktformular auf der Homepage der Feuerwehr von einer unbekannten Person die Frage gestellt worden, ob ein Antrag zur Hauptversammlung eingebracht werden könne. Bei der Wehrführung sei man zum Ergebnis gekommen, dass der Absender sich gegenüber der Feuerwehrführung zu erkennen geben sollte, dass aber der Antrag selbst ohne öffentliche Nennung des Absendernamens vorgetragen werden könnte. Der Versuch, dem Unbekannten zu antworten, habe die Fehlermeldung „E-Mail nicht zustellbar“ zur Folge gehabt. Kurz darauf seien dann an die unterschiedlichen Empfänger die anonymen Beschuldigungen ergangen.
Im Idsteiner Rathaus wolle man, so weiß Jörn Staudt aus Gesprächen zwischen Feuerwehr und Amtsleitern, auf anonyme Vorwürfe nicht reagieren.


Unverständliche Reaktionen
Die brüske Zurückweisung innerhalb der Feuerwehr, die Vorwürfe seien völlig haltlos und ohne jede Grundlage, macht auch denjenigen, der von den Zuständen vor Ort keine Ahnung hat, weil gar nicht in der Feuerwehr, etwas stutzig. Da wird etwas zu dick aufgetragen und ein doch eher suspekter Korpsgeist nach außen gekehrt. Könnte es sein, dass da einer nur durch Anonymität öffentlich Kritik üben konnte, weil man ihm anders das Leben in der Feuerwehr zur Hölle machen würde? Nach dem Einsatz könne man doch auch mal ein Bierchen trinken, das sei doch normal. Nur ist nach dem Einsatz immer auch vor dem Einsatz und offenbar werden da wohl häufiger noch andere Brände gelöscht. Und eine Frage sei erlaubt: Warum sollte jemand, der der Feuerwehr nahesteht, also einer aus den "eigenen Reihen", die Feuerwehr derart grundlos angreifen. Irgend etwas läuft da offenbar schief und die Verantwortlichen sollten vielleicht mal drüber nachdenken, warum da einer so Kritik übt.