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Idstein 

Für 60 Pfennig bronziert

06.04.2011 - IDSTEIN

Von Christel Lentz

ERINNERUNGEN Handwerker in der Synagoge / Gedenktafel für Gefallene 1921 eingeweiht

In den Jahren 1880, 1888, 1898 und 1902 sind durch die hier erstmals ausgewerteten Manuale des Idsteiner Maler- und Tüncherbetriebs Johann Winkler Innenarbeiten in der Synagoge nachweisbar, die einen detaillierten Überblick geben über Gestaltung und Farbgebung der verschiedenen Räume. Seither fehlte die archivalische Überlieferung für diesen Zeitraum.

Im Erdgeschoss lagen Vorplatz, Gemeindezimmer und Badezimmer mit Abort, im Obergeschoss der Betsaal.1880 wurden der Vorplatz, das Gemeindezimmer und das Badezimmer ausgebessert und an Decken und Wänden einzelne Stellen verputzt. Im Gemeindezimmer erhielten die Wände einen blauen Leimfarbanstrich, im Badezimmer wählte man gelbe und für den Vorplatz grünliche Leimfarbe. Sämtliche Decken wurden geweißt, Fenster mit Fensterfutter und Türen teils silbergrau, teils gelb mit Ölfarbe gestrichen. Weiter sind aufgeführt ein Kesseldeckel und eine Pumpe, die einen grünen Anstrich erhielt.

Im Juni 1888 wurde der Betsaal renoviert. Die Decke wurde mit Kalkfarbe, die Wände mit Leimfarbe angestrichen; insgesamt berechnet der Handwerker 188 Quadratmeter. Tür und sieben (!) Fenster mit Fensterfutter erhielten einen zweimaligen Ölfarbanstrich, dann hat er sie eichenholzartig „maserirt“ (gemasert) und einmal lackiert. Möglicherweise hat man im Zuge dieser Arbeiten eines der ursprünglich acht Fenster zugemauert. „Altar“ (Vorbeter- und Vorlesepult) und „Heiligenschrank“ (Thoraschrein) wurden „nußbaumholzartig maserirt“, zwei Säulen zweimal mit Ölfarbe gestrichen und marmoriert. Das Gesims wurde dekoriert; leider fehlt die Angabe, wie diese Dekoration ausgesehen hat. Im Erdgeschoss wurden Kessel, Sockel und der Abtritt von innen ausgebessert und neu angestrichen. Alle diese Arbeiten waren für 100 Mark „veraccordiert“ (vergeben) worden.

Eine weitere Zusammenstellung vom Juli 1888 gibt Details an, die außer Accord gefertigt wurden: der Handwerker hatte eine hebräische Schrift aufgemalt, eine Krone vergoldet und innen rot gestrichen, fünf Leuchterarme „protsirt“ (bronziert), jeden für 60 Pfg., und eine Tafel schwarz, deren Rahmen holzfarbig lackiert. Weiter hatte er sämtliche Bänke und einen Abschlag an der Treppe verkittet und einmal mit Ölfarbe angestrichen. Die Rechnung für die vorgenannten Arbeiten machte 37,50 Mark aus.

Im August 1898 unterzog man die Idsteiner Synagoge „einer gründlichen Renovierung“; man hoffte, bis zum israelitischen Neujahr (Mitte September) mit den Arbeiten fertig zu sein.

„Dabei wird auch der Gebetsaal durch Herrn Weierter mit entsprechenden Malereien versehen,“ schrieb die Tageszeitung. Karl (Carl) Weierter (*1868) war sowohl Tünchermeister als auch Kunstmaler. So ist es wahrscheinlich, dass mit „entsprechenden Malereien“ Dekorationsmalereien gemeint sind. An die Stelle der Petroleumlampen trat 1898 auch in der Synagoge elektrische Beleuchtung. In Idstein arbeitete seit Ende April 1898 im Veitenmühlweg ein eigenes Elektrizitätswerk.

Aus dem Jahr 1902 gibt es eine Zusammenstellung von weiteren Handwerksarbeiten in der Synagoge. Im Gang (frühere Bezeichnung: Vorplatz) hat man die Decke ausgebessert und geweißt, die Wände grundiert und im Gegensatz zu 1880 nunmehr tapeziert. Der Handwerker lieferte die Tapete und die dazugehörige Borte. Der Sockel wurde mit Leimfarbe gestrichen. Im Beratungszimmer (frühere Bezeichnung: Gemeindezimmer) hat man die Decke geweißt, die Wände gleichfalls grundiert und tapeziert. Türen, Fenster mit Futter, Bekleidungen, Lamperie und der Fußboden erhielten einen Ölfarbanstrich. Im Hof hat man kleine Ausbesserungen an der Hauswand vorgenommen.

Am Sonntag, 7. August 1921, konnte der zuständige Wiesbadener Rabbiner Dr. Paul Pinchas Lazarus (Duisburg 1888 - 1951 Haifa) in der Idsteiner Synagoge die schwarzmarmorne Gedenktafel mit den Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Angehörigen der israelitischen Kultusgemeinde Idstein in Anwesenheit der Kultusgemeinde, des Vorstehers, des Bürgermeisters und einiger christlicher Idsteiner Bürger weihen. Die Namen der Gefallenen: Aus Idstein Manfred Frank, Sally Grünebaum, Leo Lahnstein, Rudolf Lahnstein, Siegfried Strauß und Gustav Wolf; aus Esch: Julius Eschenheimer und Max Löwenstein. Stifter der Gedenktafel war die israelitische Kultusgemeinde Idstein. Die Tafel wurde an der Nordseite des Betsaales angebracht und war eine Arbeit des Idsteiner Steinmetzbetriebs Theodor Link.

Aufzeichnungen aus dem Manual der Idsteiner Tüncher- und Malerfirma Johann Winkler von 1880 über Arbeiten für die Israelitische Gemeinde.	Foto: privat

Aufzeichnungen aus dem Manual der Idsteiner Tüncher- und Malerfirma Johann Winkler von 1880 über Arbeiten für die Israelitische Gemeinde. Foto: privatVergrößern

SERIE
Bei ihren Recherchen für ein Buch der Historischen Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen ist Heimatforscherin Christel Lentz auf interessante Details im Zusammenhang mit der Idsteiner Synagoge gestoßen. In dieser Woche beschäftigt sich die Idsteiner Zeitung in einer Serie vorrangig mit diesem Gebäude, weiteren jüdischen Einrichtungen in Idstein sowie der „Judengasse“.

Zur weiterführenden Information seien zwei Bücher empfohlen: Gerhard Buck „Die jüdischen Idsteiner“ und Hartter/Roth/Strauß-Wilts „Die Reichspogromnacht 1938 in Idstein“. Beide erschienen 1988.
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