Suche nach römischem Tempel
12.02.2011 - HEFTRICH
Von Christian Müller
LIMES Archäologen sind den Geheimnissen des Kastells Alteburg auf der Spur
Ein wunderbar blauer Himmel strahlt über Heftrich, als eine Gruppe Wissenschaftler in Gummistiefeln mit Messsonden den abgesteckten Acker im Süden des Dorfes abschreitet. Sie sucht mit geomagnetischen Messsonden nach archäologischen Spuren der Römer im Gebiet des ehemaligen Limes-Kastells Alteburg.
Der Boden ist aufgeweicht und Torsten Riese und sein archäologisch-geographisches Team sind bereits seit Stunden auf den Beinen. Jan Bosch achtet auf jeden seiner Schritte. Stets hat der Geograf den Leitfaden im Blick. „Das Gerät misst jeden Meter und erzeugt ein regelmäßiges Messbild“, erklärt er und zeigt auf sein geomagnetisches Messinstrument, das er sich über die Schulter geschnallt hat.
Die Wissenschaftler sind zum vierten Mal auf dem historischen Gelände der Alteburg. Bereits 2009 und im März und Oktober 2010 wurden dort Prospektionen durchgeführt. „Das ist die schonenste Art nach Resten von Mauern, Gräben und Ziegeln zu suchen“, erklärt Teamleiter Riese. „Zudem ist diese Methode vom Wetter unabhängig im Vergleich zur Luftbildarchäologie. Das Magnetfeld der Erde ist schließlich immer da.“
Auf der Suche nach Störungen im Boden
Die Wissenschaftler erkunden das zweite hölzerne Kleinkastell. Sie wollen herausfinden, in welchem historischen Verhältnis die drei Kastellbauten, von denen heute nichts mehr erhalten ist, zueinander stehen. „Wir sind auf der Suche nach Störungen im Boden“, erklärt Torsten Riese und zeigt auf ein kontrastreiches Auswertungsbild. Er deutet auf erkennbare Straßenverläufe und Strukturen, die auf ein römisches Dorf und die Kastelle schließen lassen.
Da Gräben feuchter sind und Mauern und ehemalige Kellerbauten aus Ziegeln hohen Temperaturen ausgesetzt waren, weisen diese andere visuelle Merkmale auf, als ebene Flächen. Auf diese Weise können die Wissenschaftler klären, wo einst Häuser oder öffentliche Gebäude der Römer standen. „Die Hypocaust-Anlage eines antiken Badehauses, quasi die römische Fußbodenheizung, wäre durch die Ziegel und das abgebrannte Material hochmagnetisch und sehr gut für uns Archäolgen auf dem Auswertungsbild sichtbar“, erläutert Torsten Riese. Allerdings sind die Wissenschaftler aber immer noch auf der Suche danach.
Noch keine Hinweise auf das Badehaus
Die Reichslimeskommission, die zuletzt im Jahr 1893 Ausgrabungen auf dem Hügel nahe Heftrich durchführte, vermutetet die Lage des Badehauses auf dem Gelände des heutigen Alteburger Marktes. Torsten Riese winkt aber ab: „Dort haben wir mit unserer Methode keine Strukturen gefunden, die auf ein Badehaus hinweisen.“ Die Wissenschaftler haben zudem das Problem, dass historische Perioden wie das Mittelalter sich im Boden genauso abzeichnen wie die römische Zeit. „Man braucht also ein großes Vorwissen“, erklärt Teamleiter Riese, „um zum Beispiel die jüngere Kilianskapelle vom Rest des alten Kastells zu unterscheiden“.
Im Zuge des Limesentwicklungsplans des Landes Hessen, der im Juli 2005 auf den Weg gebracht wurde, sollen noch weitere Untersuchungen auf dem Gelände erfolgen. Der Limes als Unesco-Weltkulturerbe hat noch nicht alle seine Geheimnisse den Wissenschaftlern preisgegeben. „Eine weitere Ausgrabung ist aber nicht geplant“ erklärt der Archäologe: „Ausgraben bedeutet immer auch Zerstörung. Außerdem fehlt uns dazu die nötige Finanzierung.“
Für die Erläuterung der historischen Substanz und deren touristische Erschließung soll ein Lehrpfad eingerichtet werden. Für die Zukunft soll auch der Verlauf des Limes genauer untersucht werden.
Torsten Riese ist optimistisch. „Diese Arbeit liegt aber noch vor uns. Genauso wie zum Beispiel die Entdeckung eines kleinen Tempelchens, das zu jedem Kastell dazugehörte. Dieser Fund wäre eine kleine Sensation.“

