Europaweit im Einsatz
28.01.2012 - HÜNSTETTEN
Von Jonas Hentschel
AUSZEICHNUNG Hünstetter Helmut Neuroth erhält die Baruch-de-Spinoza-Medaille für langjährige Kriegsgräberpflege
Helmut Neuroth aus Görsroth erhält für seinen engagierten Einsatz im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Baruch-de-Spinoza-Medaille. Diese hohe Ehrung des Vereins wurde dem 80 Jahre alten Hünstetter im Rahmen des Neujahrsempfangs der Reservistenkameradschaft Limburg in Elz verliehen. Der Oberst der Bundeswehr a.D. Joachim Unruh, der die Zusammenarbeit von Bundeswehr und Kriegsgräberfürsorge koordiniert, verlieh die Auszeichnung.
Neun Mal war der gelernte Werkzeugmacher Neuroth, der aus dem Odenwald stammt, bereits im In- und Ausland für die Kriegsgräberfürsorge unterwegs. „Ich habe selbst zwei Brüder im Weltkrieg verloren, da ist das ein ganz natürlicher Schritt”, erklärt der drahtige Senior.
So hat ihn seine Arbeit bereits zu Soldatenfriedhöfen in Meißen, Neustrelitz, Halberstadt, aber auch nach Bastogne, Reims und bis nach Tauroggen in Litauen geführt. Dabei werden stets auch Kriegsgräber anderer Nationen gepflegt, oft in Zusammenarbeit mit den dortigen Verbänden. „Diese Einsätze dauern acht Tage bis drei Wochen“, so Neuroth. Und sie sind oft nicht so beschaulich, wie es der Begriff Grabpflege vermuten läßt: „In Litauen mussten wir drei Bäume fällen, um überhaupt Zutritt zu dem völlig verwahrlosten Friedhofsgelände zu bekommen. Viele Grabsteine waren zerstört und mussten erneuert werden”, erzählt der rüstige Besitzer des Kettensägenscheins, der sein Brennholz selbstverständlich immer noch selbst macht. Auch bei einem anderen Einsatz konnte er von seiner vielseitigen handwerklichen Begabung profitieren. „In Reims war die Friedhofsmauer zu einem großen Teil verfallen. Wir haben sie zusammen mit unseren französischen Kameraden komplett neu aufgebaut. Dafür mussten 70 Schubkarren Mörtel herangeschafft werden”, erinnert er sich.
Veranstaltungen wie Grillfeste und gemeinsame Abende mit den französischen, belgischen und litauischen Grabpflegern sind Höhepunkte der Einsätze, die Helmut Neuroth nicht mehr missen möchte: „Die Menschen im Ausland begegnen uns und unserer Arbeit immer mit viel Herzlichkeit und Interesse”. In Litauen führten so Hinweise von älteren Ortsansässigen zur Entdeckung noch ungeborgener Überreste Gefallener, die nun über die Hauptstelle des Volksbundes in Kassel identifiziert und auf Soldatenfriedhöfe umgebettet werden können.
Deutsche und alliierte Soldatenfriedhöfe mit Opfern des verheerenden ersten und zweiten Weltkrieges sind die häufigsten Einsatzorte der Kriegsgräberpflege. Aber auch die Instandhaltung der Gräber der Gefallenen des deutsch-französischen Krieges 1870/71 gehört zum Aufgabenbereich des Vereins. In Neuroths Einsatz in Metz 2010 ging es darum, 30 Ehrenmäler aus diesem Krieg im Umkreis von 80 Kilometern um die französische Stadt zu pflegen und einige Kränze niederzulegen. Dort hat er den persönlich wohl emotionalsten Moment seiner Arbeit erlebt:
„Wir waren in einer Kaserne der französischen Armee untergebracht. Da ich wußte, dass mein Bruder um Metz herum gefallen war, rief ich dessen Sohn an, um ihm so auch ein wenig zu gedenken. Während des Gesprächs kam dann heraus, dass mein Bruder beim Rückzug der Wehrmacht 1944 in genau der Kaserne, in der ich schlief, bei einem Partisanenangriff ums Leben kam.”
Doch auch in solchen Momenten, in denen der lange vergangene Krieg wieder nah ist, denkt der Hünstetter Reservist zuerst an Vergebung: „Hätte ich diesen Partisanen noch getroffen, da wäre kein Groll gewesen, ich hätte ihm die Hand geschüttelt.”
Der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge hatte bereits 1983 geholfen, das Schicksal von Helmut Neuroths anderem Bruder, der als in Rußland verschollen galt, aufzuklären und dessen Grab zu finden.
Der Verein bietet vielseitige Hilfe bei der Aufklärung von Kriegsschicksalen oder dem Auffinden von Kriegsgräbern. Kontakt: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Werner-Hilpert-Straße 2, 34112 Kassel. Internet: www.volksbund.de.

