Von Hendrik Jung
MITTERNACHTSMATINEE Taunusbühne zeigt Film zum Abschluss des Theaterprogramms
Nachdem der vorerste letzte Vorhang für die Lustigen Weiber von Windsor gefallen war, präsentierte die Taunusbühne in einer Mitternachtsmatinee zur Abwechslung mal einen Spielfilm. Das Äppelwoimonster heißt der Gruselheimatfilm, der unter der Regie von Uwe Hangen und Ulrich Eschenauer gedreht worden ist.
Film und Theater miteinander verbinden
Aus einer Bierlaune heraus entstanden, aber beileibe keine Schnapsidee: Das Äppelwoimonster ist der erste abendfüllende Schwarz-weiß-Film von Mitgliedern der Taunusbühne. „Ich hoffe, dass sich aus dem Projekt heraus eine Gruppe entwickelt, die Spaß am Medium Film hat“, betont Uwe Hangen, dass es sich dabei keineswegs um eine einmalige Angelegenheit handeln soll. „Vielleicht entsteht ja mal eine Aufführung wie bei 39 Stufen in der Wiesbadener Wartburg, bei der sowohl Theater als auch Film zum Einsatz kommen“, spinnt er den Gedanken weiter. Auf jeden Fall habe man seit der Entwicklung der Idee im Sommer 2008 bis zum Abschluss des Projekts im November 2009 jede Menge Erfahrungen gesammelt. Durchweg positive, wenn es darum ging Unterstützung für das Projekt zu erhalten.
Sei es der Bestattungsunternehmer, der den Sarg des in einer Gastrolle auftretenden Nosferatu zur Verfügung gestellt hat, sei es ein Mitglied des Segelclubs Laufenselden, dem die Luftaufnahmen zu verdanken sind oder sei es der Wirt der Waffenschmiede, der sich immer wieder um das leibliche Wohl des Filmteams verdient gemacht hat. Seine volle Unterstützung hatte leichtsinnigerweise auch Bürgermeister Hans Jürgen Finkler angekündigt. „Der hatte uns zugesagt: Ihr könnt alles haben, was Ihr braucht. Und dachte dabei natürlich an die Drehgenehmigungen und nicht daran, dass er selber würde vor die Kamera treten müssen“, erläutert Uwe Hangen wie es zum Auftritt des prominenten Gaststars kam. „Der hat sehr viel Spaß gehabt beim Dreh“, erinnert sich Gudrun Dauth.
Bürgermeister mit saarländischem Akzent
Fast wäre seine Teilnahme an dem Heimatfilm jedoch an fehlenden Hessischkenntnissen gescheitert. Am Ende bereichert jedoch sein saarländischer Zungenschlag den ansonsten stark von Apfelwein beeinflussten Film. Das Nationalgetränk sorgt auch für das erste große Gelächter beim Filmpublikum, als Frankensteins Diener Eigor unter Einfluss des Stöffchens mit seinem Dienstwagen Nosferatu überfährt.
Dessen Missgeschicke sind die Running Gags des Films, wenn er etwa von einer achtlos weggeworfenen Äpplerflasche getroffen wird oder seine Beißzähne einbüßt. „Eigentlich hatten wir für die Dreharbeiten zwei Wochenenden, eingeplant, um einen etwa zehnminütigen Film zu produzieren. Am Ende sind 28 Drehtage und mehr als eine Stunde dabei heraus gekommen“, erläutert Uwe Hangen. Dazu kommen etwa 600 Arbeitsstunden, die Ulrich Eschenauer für Vertonung und Schnitt aufgewendet hat, sowie die Zeit, die es gebraucht hat, um die Scheune der Familie Hangen in das Laboratorium des Dr. Frankenstein zu verwandeln. Dort entsteht das Monster, in dessen Kopf sich die Leber von Adolphus Busch befindet und in dessen Adern reiner Apfelwein fließt. Das originalgetreue Erscheinungsbild von Nosferatu und dem Äppelwoimonster ist den Make-up Artists Sabrina Schlereth und Andrea Just zu verdanken, die auch auf Burg Frankenstein bei Darmstadt zum Visagisten-Team gehören. Nicht weniger als anderthalb Stunden waren pro Drehtag notwendig, um die Maske des Nosferatu entstehen zu lassen. Ansonsten konnte auf die Requisiten der Taunusbühne zurückgegriffen werden. Für die Beleuchtung sorgte schon mal die Feuerwehr, wenn die beiden sonst eingesetzten Baustrahler nicht mehr ausreichten. Und weil das damit erzielte Ergebnis das Publikum erheitert hat und die Beteiligten sozusagen Blut geleckt haben, soll es im Herbst vielleicht eine Fortsetzung geben. „Diesmal soll es aber etwas Kleineres werden“, behauptet Uwe Hangen in vollem Ernst. Dass es dabei am Ende vermutlich nicht bleiben wird, ist angesichts der Entwicklung des Äppelwoimonsters wohl jetzt schon abzusehen.

