FUNDSACHE Besitzer bezahlt Rechnung nicht
(chr). Es ist schon traurig, wie gefühllos sich manche Menschen gegenüber Tieren (und Menschen) verhalten. Einen besonders traurigen Fall mussten kürzlich Aktive und Helfer des Tierschutzvereins Bad Schwalbach und Umgebung erleben.
Die Geschichte begann am 1. Maifeiertag. Da war eine Wandergruppe im Waldgebiet zwischen Rückershausen und Dörsdorf unterwegs. Plötzlich entdeckten die Ausflügler einen kleinen Rauhaardackel, der sich mit letzter Kraft voran schleppte und offensichtlich nicht mehr laufen konnte. Die Wanderer hatten Mitleid mit dem armen Tier, zögerten nicht lange und trugen abwechselnd den Dackel bis zu ihrem nächsten Etappenziel, dem Verpflegungsstand der Rückershäuser Feuerwehr.
Zwischenzeitlich verständigten die freundlichen Wanderer Angelika und Ingo Rautenkranz vom Bad Schwalbacher Tierschutzverein. Das seit Jahrzehnten im Tierschutz engagierte Ehepaar zögerte nicht lange, setzte sich ins Auto und holte den armen Hund in Rückershausen ab. Mit kundigem Blick erkannten die Rautenkranz‘, dass bei der total erschöpften Dackelhündin eine Lähmung der Hinterläufe drohte und deshalb umgehend tierärztliche Hilfe vonnöten sei.
Eine bekannte Bad Schwalbacher Tierärztin ließ sich auch am dienstfreien Feiertag nicht lange bitten, verabreichte dem Dackel eine Kreislaufspritze und schon bald war das kleine saufarbene Kerlchen wieder recht munter auf seinen krummen Dackelbeinen und wurde zunächst einmal vom Ehepaar Rautenkranz mit nach Hause genommen.
Die Helfer vermuteten (zu recht, wie sich herausstellen sollte), dass der Dackel bei der Jagd abhanden gekommen war. Ein Halsband trug der Hund nicht, wohl um Strangulation beim Stöbern vorzubeugen. Nachfragen beim Teckelclub Eltville und der Polizeistation Bad Schwalbach: Fehlanzeige. Aber bei der Polizei in Diez hatte ein Jäger aus Rheinland-Pfalz just einen solchen Dackel als vermisst gemeldet. Der Mann freute sich über den Anruf der Bad Schwalbacher Tierfreunde, holte seine wieder putzmuntere „Helene“ ab und bedankte sich mit einer Spende von zehn Euro. Immerhin, aber mit Blick auf den Wert eines ausgebildeten Jagdhundes von mehreren tausend Euro auch nicht gerade üppig.
Nachdem nun der Hundebesitzer bekannt war, schickte die Tierärztin dem Mann eine Rechnung über 41,78 Euro für die Behandlung seines Tieres, Feiertagszuschlag war darin schon enthalten. Einige Tage später fand die Veterinärmedizinerin in ihrem Briefkasten einen Brief des Mannes - ohne Anrede und ohne freundlichen Gruß. Handschriftlich erklärte der Dackelbesitzer, er habe mit ihr keinen Behandlungsvertrag abgeschlossen und sehe daher keine Veranlassung, die Rechnung zu begleichen.
Die Tierärztin quittierte das Schreiben mit einem derben Kraftausdruck, der dem armseligen Hundebesitzer in den Ohren geklingelt haben müsste. „Mir geht es hier nicht um das Geld“, betonte die Tierärztin. „Der Hund war platt, er hätte auch innere Verletzungen haben können“, fügte sie hinzu. Deshalb sei sofortige Hilfe für das liebenswerte und für die menschliche Fürsorge dankbare Tier notwendig gewesen. Den Brief des Mannes samt Rechnung hat die Samariterin kurzerhand in den Papierkorb befördert. Wohl wissend, dass es sich bei diesem hundehaltenden Jäger um eine unrühmliche Ausnahme handelt.

