Fassenacht live für 240 Patienten der Rheingau-Taunus-Klinik / Ärzte zeigen sich von ihrer närrischen Seite
(fwo). Krank auf Station zur Kappensitzung gehen? Patienten der Rheingau-Taunus-Klinik in Bad Schwalbach werden dazu sogar ermutigt - beim neunten närrischen Abendessen im eigenen Haus mit einem Programm der Spitzenklasse.
Der kaufmännische Leiter moderiert mit Narrenkappe, der Chef-Kardiologe ist Tontechniker, der Haupt-Gynäkolge stabführend in der Regie, der Leitende Psychiater Aktiven-Betreuer in Sträflingskleidung.
Keine Szene aus einer schrägen Krankenhaus-Satire, sondern fröhliche Fassenachts-Realität für einen bunten Abend, vorbereitet und auf die Bühne gebracht von einem guten Dutzend Mitarbeitern in ihrer Freizeit für rund 240 Patienten im vollbesetzten Saal.
Zumindest wirkt die Gymnastikhalle wie ein solcher, ist festlich dekoriert, finden die Gäste des eigenen Hauses lange Tisch- und Stuhlreihen vor, einen Vesperteller am Platz, neben sich Mitpatienten. Da möchten alle dabei sein, ob nun es am Heimatort "Helau", "Alaaf" oder "Narri narro" heißt - oder solche Schlachtrufe unbekannt sind. Jedenfalls kann man zuhause erzählen, die fünfte Jahreszeit närrisch miterlebt zu haben.
Über vier Stunden Non-stop-Programm präsentiert der kaufmännische Leiter der Klinik, Gösta Wernet, und man mag kaum glauben, dass er im Zivilberuf ein Mann der Zahlen, des Rechnens und Verwaltens ist. Auch die Ärzte Günter Seidel, Wolfgang Eirund und Martin Mengninghaus machen ohne weiße Kittel in ihrem fantasievollen Outfit eine gute Figur, sind präsent und werden wie alle anderen, die zum Gelingen dieses Abends beitragen, für ein umfassendes Dankeschön nach vorn geholt. "Ich bin stolz auf diese Mannschaft, die mich so umfassend unterstützt, und auf deren Ehepartner, die dabei mitziehen", freute sich Moderator Wernet.
Die Bühne gehört vorzugsweise den Wortakrobaten, Solisten und solchen im Zweierpack, während Garden und Balletts sich hautnah ans Publikum herantanzen, man den Mädels von den vorderen Plätzen aus glatt die Hand rechen könnte. Zum Beispiel der Kinder-Garde des Bad Schwalbacher Carneval Clubs, die zeigen, wie beim SCC die sprichwörtliche Post abgeht.
Kurzer Auftritt dann für ein regionales Urgestein, mit dem sich ganze Abende füllen lassen: Begge Peder, dem "hesslichsten Hausmeister Hessens", mit Pferdegebiss, Glubschaugen, Sandalen und schlichtem Gemüt.
Dessen Biotop der Baumarkt ist, der sich zum Nägelkauf schon mal ins Nagelstudio verirrt. Für Muskelkater im Zwerchfell war an diesem Abend reichlich gesorgt.
Mit dabei auch das Bad Schwalbacher "Urgestein" Ulrike Neugebauer sowie Darbieter von der rheinland-pfälzischen Seite des Rheins, die durch die Meenzer Fassenacht auch im Untertaunus Rang und Namen haben. Zu nennen sind Heinz und Sabine Eisinger, als "eiskalte Brüder" seit viermal elf Jahren Bestandteil der Kampagne in Mainz, Thomas Kaiser, unter anderem Sitzungspräsident der "Mainzer Altstadtbauern" und der "Meenzer Hutsimpel", Couplet-Sänger Bernd Peter Köhler, mehreren Mainzer Karnevalsvereinen zugehörig.
Dazu die Nachwuchsfassenachter und zum zweiten Mal im Programm der Rheingau-Taunus-Klinik, "Die Fleischworschtathleten" mit Gitarre und Sousaphon. Kata Eisinger hat nicht nur auf der anderen Rheinseite einen guten Namen als Mainzer Urgestein, ist 75 Jahre jung geworden, seit Jahrzehnten aktiv, war unter anderem lange Jahre sportliche Übungsleiterin.
Stimmung mit Ohrwürmern, wie "Gell´, du host misch gelle gern" verbreiteten Jutta Wernet und Markus Henkes, gefolgt von der Jugendgruppe "No Name", der Ballettgruppe "New Maskarade" mit ihrem blitzschnellen Kostümwechsel auf offener Bühne.
Viel Applaus gab es für die "Men Show" der Taunussteiner "Gockel" und schließlich den abschließenden Höhepunkt des Abends, "Die Nodequetscher", Mainzer Guggenmusik, in Szene gesetzt von einer 50 Personen starke Truppe.

