Den Fehlern auf der Spur
29.04.2010 - BAD SCHWALBACH
Von Hendrik Jung
GESUNDHEITSWESEN Helios-Kliniken in Idstein und Bad Schwalbach nehmen an Initiative Qualitätsmedizin teil
Seit zwei Jahren existiert die Initiative Qualitätsmedizin (IQM), der sich derzeit 122 Kliniken in Deutschland angeschlossen haben. Darunter befinden sich auch die Helios-Kliniken in Idstein und Bad Schwalbach. Nun wurden die Qualitätsergebnisse erstmals offen gelegt.
"Wir sind mit beiden Kliniken, das kann man mit Stolz sagen, Spitzenreiter innerhalb des Helios-Konzerns", betont Christina Krekel, Geschäftsführerin der beiden Häuser. In Idstein seien die 19 Qualitätsziele, die man sich für 2009 gesetzt habe, zu 100 Prozent erreicht worden. In Bad Schwalbach habe man von 20 Zielen eines verfehlt, was immer noch eine Erfolgsquote von 95 Prozent bedeutet. Das Maß der Dinge bei der Initiative Qualitätsmedizin ist dabei die Sterberate der Patienten. Verglichen werden die Daten mit den Werten in anderen Kliniken sowie mit den Zahlen des Statistischen Bundesamtes. "Wenn es in einem Bereich eine hohe Sterblichkeit gibt, dann muss irgendwo ein Fehler sein", verdeutlicht Christina Krekel das Prinzip.
Anhand der Patientendaten, die ohnehin für die Krankenkassen erfasst werden, begibt man sich dann auf Fehlersuche. "Diese Daten werden noch mal von den Kassen gegengeprüft, so dass es sich um eine zuverlässige Datenbasis handelt", betont der Chefarzt der Chirurgie in Bad Schwalbach, Guido Tolksdorff. Sämtliche Fälle würden in der monatlichen Mortalitäts- und Morbiditäts-Sitzung analysiert, an der die Chef- und Oberärzte sämtlicher Abteilungen sowie die Geschäftsführung verpflichtend teil nehmen. Darüber hinaus seien alle ärztlichen Mitarbeiter und das Pflegepersonal eingeladen. Komme man intern nicht weiter, werde das Datenmaterial noch einmal mit externen Fachärzten besprochen. Im Zuge einer größtmöglichen Transparenz sind die Ergebnisse des IQM auch im Internet veröffentlicht.
Nicht immer allerdings gebe es die Möglichkeit, etwas zu verbessern. So sei die Zahl der Todesfälle bei Schenkelhalsfrakturen in Bad Schwalbach zwar um 0,9 Prozent höher als der angestrebte Zielwert gewesen. Allerdings sei das in diesem Fall ausschließlich dem Gesundheitszustand der Patienten geschuldet. Aktiv gehandelt habe man jedoch bei Fällen mit der Hauptdiagnose Lungenentzündung, bei denen die Sterberate von 9,4 auf 3,9 Prozent gesenkt werden konnte. Außerdem dienten die monatlichen Konferenzen auch dazu, die Beinahe-Fehler zu diskutieren, hebt Markus Brauckmann hervor. Dazu müsse man allerdings ehrlich mit sich und seiner Abteilung umgehen. "Wir wollen überall immer besser werden. Es gibt nichts, wo wir sagen, da sind wir schon gut genug", betont Geschäftsführerin Christina Krekel.
Dazu gehöre auch, in Zukunft noch mehr auf die Ergebnisse der Patientenumfragen in Bereichen wie Wartezeiten, Entlassungsmanagement und Zufriedenheit zu achten, betont Stefan Pummer, der derzeit kommissarisch auch in Idstein die Innere Medizin leitet. Guido Tolksdorff setzt darauf, dass die monatlichen Konferenzen, bei denen schwierige Verläufe detailliert mit den jüngeren Kollegen diskutiert werden, auch zur Weiterbildung dienen. "Denn gute Ergebnisse führen dazu, dass auch der Zuspruch einer Klinik steigt, was die Anzahl an Komplikationen im Zweifel erhöht", vermutet er. Das wäre dann der Preis, den die Krankenhäuser in Bad Schwalbach und Idstein für ihre erfolgreiche Arbeit zu zahlen hätten.

