Bad Schwalbach: Nach ihrer Drogensucht kämpft Sabrina in der Villa Lilly um Normalität
10.08.2012 - BAD SCHWALBACH
Von Nadja Baran
„Am schrecklichsten war der Tag, als wir Leon in die Pflegefamilie gebracht haben“, erinnert sich Sabrina. Das war im Dezember 2011. „Mein Mann und ich haben uns zusammengerissen und ihm erzählt, dass er jetzt einen Urlaub bei der Familie macht. Damit es für Leon nicht noch schwieriger wird.“ Seitdem lebt die 32-Jährige in der „Villa Lilly“ in Bad Schwalbach, einer stationären Einrichtung zur Rehabilitation für Drogen- und Mehrfachabhängige.
Leon ist erst seit vier Wochen wieder bei ihr. Vorher war das nicht möglich: Das Jugendamt drohte Sabrina mit dem Entzug der Sorge. Das wollte sie um jeden Preis verhindern. „Schlimm genug, dass es bereits so weit gekommen ist, aber ein Sorgerechtsentzug war für mich immer ein Tabuthema.“
Doch durch ihre Sucht nach Drogen hätte sie fast ihren Sohn verloren. Seit ihrem 15. Lebensjahr konsumiert sie, machte sich dicht, wie sie sagt, „wenn Druck aufkam und um klarzukommen“. Angefangen hat es mit Marihuana. „Zusammen mit meinem Ex-Freund hab’ ich exzessiv konsumiert. Das ging direkt morgens mit einem Joint los. Bis ich mich getrennt habe.“
Ehemann über das Internet kennengelernt
Danach nahm sie mal mehr, mal weniger Drogen. Je nachdem, wie stark ihr Selbstbewusstsein gerade war. Über das Internet lernte sie 2003 ihren Mann kennen. Doch auch er konsumierte Drogen, brachte sie mit Kokain und Amphetamin in Kontakt. „Vor Heroin hatte ich aber immer zu viel Respekt“, sagt Sabrina, „obwohl es mir oft angeboten wurde.“ Dafür stieg ihr Verbrauch von Amphetamin und THC in der Zeit rasant an.
Nach außen führten sie ein normales Leben. 2005 heiratete sie den Mann, den sie im Netz kennengelernt hatte, ein Jahr später wurde Sohn Leon geboren. Ein Wunschkind. Trotzdem fühlte Sabrina sich überfordert: „Ab dem Tag, als Leon zur Welt kam, ging es mit meinem Leben und meiner Ehe bergab“, räumt Sabrina ein. Die junge Mutter hatte starke Depressionen, nahm Antidepressiva und Drogen.
Um die Sucht zu finanzieren, begann das Paar, mit Drogen zu dealen. Während sich die Eltern in einer Art dauerhaftem Dämmerzustand befanden, zwischen „aufgeputscht“ und „zugedröhnt“ hin- und herschwankten, schlief das Baby, wurde zu den Großeltern gebracht oder von Bekannten versorgt.
In klaren Momenten eine gute Mutter
Als Leon älter wurde, verschlimmerte sich die Sucht seiner Eltern, es kam immer häufiger zu Streitigkeiten. „Um Ruhe zu haben und nichts mehr zu spüren, hab ich mich in eine Ecke gesetzt, mich dichtgemacht, zu allem ja gesagt“, erzählt die Mutter. „Leon durfte dann fernsehen. Oft den ganzen Tag lang.“
Aber sie hatte auch klare Momente. Dann kümmerte sie sich um ihren Sohn, erzählte ihm Geschichten, die Familie unternahm Ausflüge. Dann war sie eine gute Mutter, sagt Sabrina heute. Trotzdem erkannte sie die Defizite in Leons Entwicklung. „Er entglitt uns, wurde aggressiv und spielte uns gegeneinander aus.“ Immer häufiger stritten die Eltern, schließlich trennte sich das Paar, Sabrina verliebte sich in eine Frau – die auch Drogen nahm, sogar Heroin rauchte. 2010 dann der Tiefpunkt.




