Evangelische Kirche kalkuliert Mitgliederschwund ein
06.10.2011 - BAD SCHWALBACH/HEIDENROD
Von Hendrik Jung
DEKANATSSYNODE Finanzen sind in Ordnung / Teil der Rücklage kommt Gemeinden zugute / Neue Bemessungsgrundlage für Pfarrstellen
Die vierte Tagung der elften Dekanatssynode des Evangelischen Dekanats Bad Schwalbach fand in der Zorner Morsbachhalle statt. Im Mittelpunkt standen zunächst die Finanzen des Dekanates und die sehen recht ordentlich aus. Neben der Vorstellung der Jahresrechnung 2010 interessierte dann vor allem der Bericht aus dem Dekanat. Die Berufung der neu gebildeten Ausschüsse wurde aus Zeitgründen auf die nächste Sitzung verschoben.
„Das sieht ganz beruhigend aus“, kommentierte Gabriele Wilhelm, stellvertretende Präses des Dekanats, die Grafik mit der Entwicklung der Rücklagen, die die Leiterin der Dekanatsverwaltung, Sabine Körte, an die Wand projizierte. Schließlich hat sich die Summe der zweckgebundenen Rücklagen des Dekanats seit 2008 um mehr als 20 000 Euro auf 187 606 Euro erhöht. Gleichzeitig hat sich der Wert der Ausgleichsrücklagen fast verdoppelt und beträgt jetzt 90 364 Euro.
Auch im Jahr 2010 hat das Dekanat Bad Schwalbach einen Überschuss von 16 548,25 Euro erwirtschaftet. „Das Dekanat macht keinen Gewinn oder Verlust sondern schiebt Geld in die Rücklagen oder holt welches heraus“, erläuterte Andreas Gerhard, Finanzhaushaltsexperte der Regionalverwaltung Wiesbaden/Rheingau-Taunus den Synodalen.
„Wir wollen bis zur nächsten Synode Vorschläge machen, wie man ein System schaffen kann, das alle Gemeinden unterstützen kann“, beteuerte Präses Rainer Löll, dass ein Teil dieser Rücklagen den Gemeinden zur Verfügung gestellt werden soll. Man müsse aber auch die Möglichkeit haben einzelnen Gemeinden in einer eventuellen Notsituation zu helfen , erläuterte er auf die Nachfrage hin, warum der Dekanatssonderfonds weiterhin eingefroren bleiben soll.
„Die Erträge aus dem Sonderfonds werden an Antragssteller ausgeschüttet. Es gibt Gemeinden, die regen Gebrauch von den Fördermöglichkeiten machen“, fügte Pfarrer Dr. Jürgen Noack hinzu. In Vertretung von Dekan Klaus Schmid, der sich bis Ende November auf Studienurlaub befindet, übernahm er nach der Entlastung des Dekanatssynodalvorstands durch die 48 anwesenden der insgesamt 67 stimmberechtigten Synodalen den Bericht aus dem Dekanat.
Derzeit seien hier alle Pfarrstellen besetzt. In den Gemeinden Rüdesheim und Neuhof/Orlen werde es in diesem Herbst zu Vertretungen kommen. Im Jahr 2014 werde es eine neue Pfarrstellenbemessung geben, zu der bereits erste Konsultationen stattgefunden haben. Schließlich gehe man davon aus, dass aufgrund des demografischen Wandels die Zahl der Mitglieder in der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau von derzeit rund 1,8 Millionen bis zum Jahr 2025 auf dann 1,45 Millionen sinken werde.
Für die Bemessung der Pfarrstellen solle es zukünftig statt bislang fünf nur noch zwei Kriterien geben: Die Zahl der Gemeindeglieder sowie die räumliche Ausdehnung einer Gemeinde. Aktuell seien zwei Modelle in der Diskussion, bei denen die Zahl der Gemeindeglieder entweder mit 70 oder mit 80 Prozent zum Tragen komme. Während letzterer Ansatz die Stadtgemeinden bevorzuge, würde der andere den Flächengemeinden begünstigen. Denkbar sei, dass man sich bei der Bemessung schließlich auf eine Gewichtung von 25 Prozent für die Größe der Fläche und 75 Prozent für die Zahl der Gemeindeglieder einigen werde.


