Mit geballter Stimmkraft
02.08.2011 - BAD SCHWALBACH
Von Hendrik Jung
KONZERT Nachwuchssänger der Opernakademie bewähren sich bei Mozarts „Zauberflöte“
Auf ihrer Tournee durch einige der schönsten Spielstätten Deutschlands gastierte die Opera Classica Europa auch im Kurhaus von Bad Schwalbach. Am Standort der Internationalen Opern- und Singakademie bekamen auch einige Nachwuchskräfte die Gelegenheit, sich zu bewähren.
Schon der Auftakt des Abends hat es in sich, denn über den neuen Bestuhlungsplan des Kurhauses sind die Veranstalter leider nicht informiert. Aus diesem Grund fehlen auf einmal 60 Sitzplätze für die ohnehin ausverkaufte Vorstellung, zu der unter anderem Gräfin Madeleine Solms-Laubach angereist ist. Denn die Malerin hat einen Teil der Bühnendekoration geschaffen, die bei dieser Inszenierung zum ersten Mal zum Einsatz kommt.
Die fantastische Welt der Zauberflöte
Eilig werden aufgrund des Platzmangels also noch Stühle herbei geschafft und am Ende haben wohl alle noch einen Platz gefunden. Furios geht es dann weiter mit der Ouvertüre zur Zauberflöte, die von den 32 Musikern des Orchesters der Opera Classica Europa dargeboten wird. Sofort wird dabei deutlich, was für eine tolle Akustik der Saal hat.
Spannungs- und gefühlvoll dirigiert von Dr. Caleb Harris entführen die Musiker das Publikum in die fantastische Welt von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Zauberflöte, deren Handlung ohnehin furios mit der Bedrohung Prinz Taminos durch eine riesige Schlange beginnt. Sie wird von Florian Mellentin, Leon Wulf und Maurice Effendy sowohl bewegt als auch geritten, die als Mitglieder des Wiesbadener Knabenchores geradezu prädestiniert sind, die Rolle der drei Knaben in der Aufführung zu übernehmen. Sie sind jedoch nicht die einzigen Nachwuchskräfte, die eine Rolle bei dieser Inszenierung erhalten. „Weil sie in Bad Schwalbach stattfindet, sollten auch ein paar von meinen Schülern die Gelegenheit bekommen, sich in kleineren Rollen zu bewähren“, erläutert Romana Vaccaro, Leiterin der Internationalen Opern- und Singakademie.
Für Tanja Bresan, die als zweite Dame sogar eine recht umfangreiche Partie meistert, Klaus Koloczek und Simon Klug ist es der erste Auftritt auf der großen Opernbühne mit Orchester und Kostümen. „Dafür, dass sie nur zweimal proben konnten, machen die das sehr gut“, zeigt sich die Lehrerin mit ihren Schützlingen zufrieden.
Kein Wunder, fällt doch etwa Tanja Bresan im Terzett mit so renommierten Kolleginnen wie Elizabeth Neiman und Luz Riveros keineswegs ab, sondern hält mit ihrem Stimmvolumen, der Darstellung und dem perfekten Timing durchaus mit.
Auch Klaus Koloczek als Sprecher und Zweiter Priester sowie Simon Klug als Zweiter Geharnischter schlagen sich wacker. Annalena Schmid in der Rolle der Papagena gehört ohnehin schon eher in die Kategorie der Profis denn der Schüler.
Kraftvolle Koloraturen überzeugen das Publikum
Gleiches lässt sich auch von Melissa Sue Dalton sagen. Die Studentin der University of Northern Colorado darf zum Abschluss ihres sechswöchigen Studienaufenthalts bei dieser Inszenierung die Rolle der Königin der Nacht interpretieren. Zu Recht, denn schon die Ausstrahlung, mit der sie bei ihrem ersten Auftritt die Treppe herunter steigt, ist absolut professionell. Außerdem überzeugt sie mit sauberer Intonation, einem großen Volumen und vor allem mit ihren kraftvollen Koloraturen, wofür sie zu Recht mit großem Applaus bedacht wird.
Auch ihre Kommilitonen, die bei dieser Inszenierung gemeinsam mit weiteren Sängerinnen und Sängern der Internationalen Opern- und Singakademie den Chor bilden, können sich bei ihren kurzen Auftritten in Szene setzen. Geradezu überwältigend ist die geballte Stimmkraft aus fast drei Dutzend Kehlen.
Erst recht gilt das für die Auftritte der Profis wie der Sopranistin Marina Russmann, deren strahlende Stimme ebenso für Gänsehautmomente sorgt, wie der voluminöse Bass von Hans-Arthur Falkenrath. Schnell tritt da der Ärger über die anfangs fehlenden Plätze in den Hintergrund und die Freude, solch große Stimmen in Bad Schwalbach erleben zu können, überwiegt.


