Warnung vor Windkraft-Wildwuchs
19.04.2012 - AARBERGEN
BÜRGERINITIATIVE IG Wind sieht Übergewicht auf Stromproduktion / Planung kritisch begleiten
(ist). Kritisch aber konstruktiv will die Interessengemeinschaft (IG) Wind - Naturpark statt Windpark in Aarbergen die Diskussion um den Bau von Windkraftanlagen auf Aarbergener Gemeindegebiet begleiten. Auf der Jahreshauptversammlung in der Gaststätte „Zum Holzfäller“ in Hausen bedankte sich der IG-Vorsitzende Bernd Seel bei den zahlreich erschienenen Mitgliedern für das Interesse und die Unterstützung im abgelaufenen Jahr.
Nach Vortrag des Kassenberichts und Entlastung des Vorstandes wurde Norbert Haunschild einstimmig zum neuen Kassierer gewählt. Über die Arbeit des Vorstandes und die Aktivitäten der IG Wind informierte ausführlich Bernd Seel. Viel Zeit wurde investiert, um sich fachlich fundiert und umfassend über die Themen Energiewende und Klimaschutz zu informieren.
Anfragen werden nur schleppend beantwortet
Neben dem Studium von Fachliteratur wurden auch Tagungen und Seminare besucht. Mit den Bürgerinitiativen im Kreisgebiet hält man regelmäßig Kontakt und tauscht sich aus, denn Windparks sind nicht nur in Aarbergen ein kontrovers diskutiertes Thema. Die Entwicklung in Aarbergen verfolgt man in den öffentlichen Sitzungen der Ausschüsse und Gremien der Gemeinde und informiert die Mitbürger mit Informationsbriefen und auf der Internetseite des Vereins.
In der Kommunikation mit der Gemeinde wünscht man sich eine deutliche Verbesserung. Dazu Seel: „Der Bürgermeister ist zwar jederzeit telefonisch für uns zu erreichen, beantwortet unsere Anfragen aber bis heute nur sehr schleppend oder in zentralen Punkten überhaupt nicht.“ Die Hoffnungen der IG ruhen nun auf dem Klimaschutzkonzept, das Aarbergen gemeinsam mit Heidenrod und Hohenstein erarbeiten will. Das Konzept sieht nämlich vor, von Anfang an einen intensiven Dialog mit den Bürgern zu führen. Die Bürger sollen dabei als Akteure aktiv eingebunden werden, damit das Projekt am Ende erfolgreich sein kann. „Auf Seite der IG-Wind sieht man den zum Ausdruck gebrachten Willen der Gemeinde Aarbergen, sich ein umfassendes Klimaschutzkonzept zu erarbeiten, sehr positiv“, stellte der Vorsitzende dazu fest.
Kritisch sieht man bei der IG Wind, dass nach der „vollmundig propagierten Energiewende“ der Schwerpunkt fast nur noch auf die Stromproduktion durch Windkraft gelegt wird, obwohl Strom nur einen Anteil von circa 25 Prozent am Gesamtenergieverbrauch habe. Auch die Formel, zwei Prozent der Landesfläche als Windvorrangfläche einzufordern, sei zu einfach und werde den vielfältigen besonderen Ansprüchen von Umwelt, Naturschutz und den hier lebenden Menschen nicht gerecht.
Übertragen auf Aarbergen bedeute dies, man müsste mindestens zehn große Windkraftanlagen bauen, um damit industriell Strom zu erzeugen. Für Heidenrod und Hohenstein kämen noch einmal mindestens 50 Anlagen hinzu. In einer Hochrechnung für den gesamten Rheingau-Taunus-Kreis liege man bei weit über 200 Anlagen.
„Es droht uns eine ausufernde Anzahl von Windparks. Die Landschaft ist dahin und dem großen Klimaschutzziel ist man nicht wirklich näher gekommen“, stellte Seel dazu fest. Die Entscheidung des Ortsbeirates in Hausen, der Windparkstandorte westlich der B 54 ablehnt, begrüßt man deshalb ausdrücklich. „Hier sind unsere Argumente angekommen“, so der Vorsitzende.


