Wir in Wiesbaden
28.01.2012 - WIESBADEN
Von Heinz-Jürgen Hauzel
REITER + HARTEMAN Funktionierendes Zusammenleben als Standortvorteil
„Das ist ein Superslogan. Der bleibt“, sind sich Gabi Reiter (Kinder- und Jugendzentrum Biebrich) und Hendrik Harteman (Jugendinitiative Spiegelbild) einig. „Wir in Wiesbaden“ - das sei überall prima angekommen. Die beiden haben gemeinsam mit Christoph Rath (KiJuz Biebrich) und Michael Weinand (Stadtjugendring) die Veranstaltungsreihe des „Trägerkreises Erinnerungskultur und Integration in Wiesbaden“ im vorigen Herbst koordiniert.
Zusammen für ein friedvolles und vorurteilsfreies Zusammenleben einzutreten, das sei das Ziel des Trägerkreises auch künftig. Noch sind 50 000 Euro aus dem Bundesprogramm „Toleranz fördern - Kompetenz stärken“ übrig, mit denen man dieses und nächstes Jahr arbeiten könne. „Wichtig wäre nun, diese Zeit zu nutzen, um für Nachhaltigkeit darüber hinaus zu sorgen und ein echtes Stadtprojekt daraus zu machen“, sagt Gabi Reiter, die im lokalen Begleitausschuss des Bundesprogramms sitzt. „Es wäre ein tolles Ergebnis, wenn solch ein Projekt weiter umgesetzt würde.“
Sich für die Vielfalt und das konfliktarme Miteinander in Wiesbaden einzusetzen, müsste im Interesse aller liegen. Gabi Reiter zeigt sich überzeugt, dass daraus ein anerkannter Standortvorteil zu entwickeln ist. „Genauso wie mit den Prädikaten Fair-Trade-Stadt, Universitätsstadt oder Sportstadt könnte Wiesbaden auch als Stadt der Vielfalt punkten.“
Dabei, so betont Gabi Reiter, gelte es, im Zusammenleben der Kulturen mehr zu sehen als die Vielfalt von Fahnen, Speisekarten und Musikangeboten. „Wir müssen wegkommen vom Folklore-Niveau.“ Hier gehe es um Jugendarbeit, Präventionsarbeit - und vor allem um politische Bildung.
Bei „Wir in Wiesbaden“ sowie den vorausgegangenen Projekten Anne Frank und „1, 2, 3 - heimisch“ habe sich gezeigt, dass Interesse besteht. „Es gibt einen Wunsch nach Verständigung und den Wunsch darüber zu diskutieren, wie Zusammenleben funktionieren kann.“ Der Trägerkreis sieht seine Aufgabe darin, initiativ zu werden, „Impulse zu setzen und die Räume zu schaffen zum Streiten“.
Hendrik Harteman findet den Gedanken, dass sich „Wir in Wiesbaden“ über das Ende des Bundesprogramms hinaus langfristig etabliert, „spannend“: „Mal sehen, ob das der Stadt so wichtig ist, dass sie zum Beispiel für die Koordinierungsaufgaben eine halbe Stelle schafft.“ Und ist skeptisch. Die Mitglieder des Trägerkreises und alle anderen Beteiligten der Projekte hätten ja viel Lob erhalten, „aber bei der nächsten Antinazi-Demo sieht es vielleicht schon wieder anders aus. Dann sind wir die, die mit den Schmuddelkindern zusammenstehen“.
Trotzdem überwiegt auch bei dem Jugendbildungsreferenten des Aktiven Museums Spiegelgasse die Zuversicht, nachdem die Zusammenarbeit innerhalb des Trägerkreises immer besser geworden sei: „Ich glaube, jetzt haben alle kapiert, dass in diesem Netzwerk jeder von jedem profitiert.“
Gabi Reiter ist stolz, „dass wir auch unterschiedliche Auffassungen zusammengebracht haben“. Gerade der Umgang mit der Forderung des Bundes-Familienministeriums, die (umstrittene) Demokratieerklärung müsse von allen am Projekt beteiligten Initiativen unterschrieben werden, habe zu einem weiteren Zusammenrücken geführt. „Wir müssen uns auch intern demokratisch aufstellen. Die mannigfache Verschiedenheit der Beteiligten kann zu Problemen führen. Sie ist eine Herausforderung, eröffnet aber zugleich ganz viele Chancen. Die gilt es herauszuarbeiten“, sagt Gabi Reiter. Auch dass das Projekt „aus Biebrich rausgeschwappt ist“ und nun in die Stadt übergreife, habe neue Möglichkeiten aufgezeigt.

