Ein Mann der letzten Minute
09.02.2012 - WIESBADEN
Von Thomas Karschny
PRUNKSITZUNG Thomas März fiebert dem Kampagnenhöhepunkt im Kurhaus entgegen
Wenn im Erbenheimer Bürgerhaus die „schwarz-gelbe Koalition“ regiert, kann das an sich nur bedeuten, dass die örtliche Fastnacht gerade Hochsaison hat. Mit drei gut besuchten Sitzungen sind die Narren der Erbenheimer Brummer hier in den vergangenen zwei Wochen mal wieder voll durchgestartet. Sitzungspräsident Thomas März ist in höchstem Maße zufrieden. „Unsere Sitzungen sind super gelaufen, die Stimmung stets ausgelassen, die Resonanz unter den Gästen sehr positiv“, bewertet der Eltviller den bisherigen Verlauf der Brummer-Fastnacht.
Den vereinseigenen Höhepunkt der aktuellen Kampagne begeht der renommierte Karnevalsclub an diesem Wochenende mit seiner großen Prunksitzung im Wiesbadener Kurhaus, zu der etwa 700 Gäste erwartet werden. Damit an diesem Abend auch alles wie am Schnürchen läuft, sind etwa 15 bis 20 fleißige Brummer-Bienen den ganzen Tag lang im Einsatz, dekorieren den Saal, bauen die Bühne auf.
Wochen, in denen kaum einer zur Ruhe kommt
Neben den beiden Vorsitzenden kommt auch Sitzungspräsident März in den Wochen vor dem großen Tag kaum zur Ruhe. Im Moment dichtet er sich gerade die Moderation für den Abend zusammen. Die wollte der Brummer eigentlich schon im Dezember fertig geschrieben haben. „Das hat natürlich mal wieder nicht geklappt. Ich bin halt ein Mann der letzten Minute“, schmunzelt März, meint, dass er den Zeitdruck wohl irgendwie braucht.
Deutlich früher hat sich der Fastnachter um die inhaltliche Gestaltung der Prunksitzung gekümmert. Seit Ostern ist er zusammen mit seinen beiden Vereinskollegen Thomas Germann und Dr. Karl Heinz Ehmig in der Programm-Kommission tätig, schreibt Musik- und Tanzgruppen an, spricht frühzeitig mit Büttenrednern und Comedians. „Wichtig ist uns, auch immer wieder mal neue Akteure mit ins Spiel zu bringen“, erzählt März. Inspirationen holt sich die Brummer-Kommission unter anderem auf den zahlreichen Fassenachtsveranstaltungen in der Region, aber auch im Fernsehen. „Wir schauen uns regelmäßig die großen TV-Sitzungen an, befinden darüber, was gut bei unseren Gästen ankommen könnte und knüpfen anschließend die Kontakte“, erklärt der Sitzungspräsident das Procedere. „Das Wiesbadener Kurhaus ist ja selbst für renommierte Künstler eine sehr noble Adresse. Da zeigen sich die Stars der Fastnacht an einem Auftritt natürlich auch interessiert“, so März.
Dennoch: Nicht jeder springt gleich mit auf den Zug auf. „Es kann schon sein, dass man mal drei Jahre warten muss, bis eine bestimmte Gruppe zusagt“, weiß der Sitzungspräsident aus mittlerweile zehn Jahren Erfahrung. An Bewährtem hält man gerne fest. So hat zum Beispiel das Tanzcorps „Rot-Weiße Funken“ aus Frickhofen seit Jahren einen festen Stammplatz auf den Brummersitzungen inne.
Am Sonntag mit dabei sind unter anderem auch der Sänger Oliver Mager, die Ratsherren aus Unkel, der Begge Peder, Fastnachts-Urgestein Rollie Müller, Jürgen Dietz alias „Der Bote vom Bundestag“ sowie die renommierte Tanzformation Ragazzi aus der Limburger Tanzschule Josat-Dörr. „Gerade die Tanzgruppen sind für unser Publikum sehr wichtig. Mit den Rot-Weißen Funken und Ragazzi haben wir absolute Spitzentänzerinnen ins Programm aufgenommen.
Möglichst viel Abwechslung
Im Übrigen versuchen wir, für möglichst viel Abwechslung zu sorgen“, so März. Entscheidend dabei: der richtige Mix aus Tanzgruppen, Musikern und Büttenrednern. Von den lokalen Fastnachtsgepflogenheiten auferlegte „Verbote“ lassen die Brummer nicht gelten. Gewünscht sind sowohl Kokolores als auch politische Vorträge, begehrt nicht nur Mainzer oder Wiesbadener Musik, sondern eben auch Kölsche Lieder.
„Momentan sind mehr die Comedians auf dem Vormarsch“, meint März, der - einst selbst Büttenredner - eher ein Fan der gereimten Worte ist. „Aber das ist halt der Zeitgeist, und auf die Bühne kommt letztlich, was gefällt“, macht März deutlich. Finanziert wird das kostspielige Kurhausprogramm durch die Einnahmen in den drei Erbenheimer Sitzungen sowie durch Sponsoring aus dem Brummer-Ehrensenat.

