Von Jörg Hofmann
SENIOREN Die Lebensabendbewegung (LAB) Wiesbaden will "Leben Aktiv Bereichern"
"Lebensabend" - das Wort schmeckt nicht jedem. Es klingt ein wenig nach Müdigkeit, hochgelegten Beinen, ja schlimmstenfalls nach Warten auf die "Lebensnacht", den Tod. Um zu betonen, dass das Seniorenleben keinesfalls zwangsläufig eine passive und abwartende Grundhaltung haben muss, hat sich die Wiesbadener Gemeinschaft der Lebensabendbewegung vor einiger Zeit eine ganz andere Übersetzung der Abkürzung LAB gegeben: "Leben Aktiv Bereichern".
Der Verein wurde 1961 gegründet und verstand sich schon damals als "Selbsthilfeorganisation" älterer Menschen. Im Prinzip hat sich das auch nicht geändert, allerdings haben sich Schwerpunkte verlagert, es kamen neue Akzente und Angebote hinzu. Dies war auch ein Grund, warum sich die LAB vor 20 Jahren entschloss, die rein ehrenamtliche Struktur aufzubrechen und eine hauptamtliche Kraft einzustellen. Nur so konnte das angewachsene Arbeits- und Angebotspensum gestemmt werden. Seit 1989 zeichnet für diese organisatorischen Bereich die diplomierte Sozialpädagogin Maria Honrath verantwortlich - zunächst als ABM-Kraft, seit 1992 fest angestellt, nachdem eine entsprechende Planstelle eingerichtet werden konnte.
Wie der Jahresbericht für 2008 ausweist, ist die ehrenamtliche Grundstruktur des Vereines aber nicht auf der Strecke geblieben. So arbeiten für die LAB Wiesbaden neben einem Dutzend Honorarkräften auch über 60 Ehrenamtliche Seite an Seite, um das Leben zahlreicher Senioren in der Landeshauptstadt "aktiv zu bereichern". Insgesamt verzeichnet der Verein aktuell fast 160 Mitglieder - die Zahl der Besuche lag 2008 allerdings deutlich höher, als man daraus ableiten würde, nämlich beinahe bei 8800.
Von großer Bedeutung für die Vereinsarbeit sind die Honorarkräfte, die insbesondere die Angebote im Kreativbereich schultern. Dazu zählen Kurse in Sachen Malen, Englisch und Französisch, Gymnastik und Gedächtnistraining, Kraft- und Balancetraining, Tanzen, ein Literatur-Gesprächskreis und eine Begleitgruppe für die ehrenamtlich Tätigen.
Diese sind für die LAB Wiesbaden unverzichtbar - angefangen von der Vorstandsarbeit, über die Programmplanung und Organisation von Tagesfahrten, bis hin zum Besuchs-Service bei Kranken und Gehbehinderten. Der Vorstand, bestehend aus Rosemarie Bormann, Manfred Hermann, Ursula Kickbusch, Hannelore Richen und Renate Weil wird tatkräftig unterstützt durch den Geschäftsführer Jürgen Welzel.
Mit ihrem Sitz im Lydia-Tröscher-Haus in der Karlstraße 27 befindet sich die LAB im Bereich der sogenannten "Südlichen Innenstadt". Zum einen aus diesem Grund, mehr noch aber wegen seiner langjährigen Kompetenz ist der Verein in 1992 neu konzeptionierte "offenen Altenarbeit" in Wiesbaden eingebunden. Im Bezirk der südlichen Innenstadt hat die LAB in der Person von Maria Honrath hier die Moderation übernommen. In dem entsprechenden Arbeitskreis wird regelmäßig die konkrete Situation älterer Menschen vor Ort beleuchtet. Es werden entsprechende Konzepte für Projekte aufgestellt und für Vernetzungen gesorgt.
Hierbei kommt dem LAB-Besuchsdienst eine wichtige Rolle zu. Denn hier sind die Ehrenamtlichen direkt mit dem konkreten Alltag ihrer Klienten konfrontiert und können diesen quasi "ungefiltert" an die Verantwortlichen weiterleiten. Nur so ist es möglich, dass die LAB - alleine oder in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen - Angebote sozusagen auf Maß schneidern kann, um mit diesen "Seniorinnen und Senioren zu einem aktiven und selbstbestimmten Leben anzuregen und sie dabei zu unterstützen", wie Maria Honrath es im Jahresbericht abschließend formuliert.

