Von Thorsten Glesmer
Amateurfunker tummeln sich in weltweitem Netzwerk/130 Mitglieder
RHEINGAU. Wem die Welt der Amateurfunker in Zeiten von Internet und Handy interessant erscheint, ist bei Klaus Jänsch an der richtigen Adresse. Anhand des jungen Vereinsmitglieds Steffen macht der Ausbilder des Deutschen Amateur-Radio Clubs, Ortsverband Wiesbaden, die Faszination für die Funk-Kommunikation deutlich, damit sich nicht nur dieser junge Funkanfänger für das spannende Hobby begeistert.
"CQ, CQ, CQ, allgemeiner Anruf. Hier ist Delta November-1 Papa Hotel", spricht Steffen in das Mikrofon, um die Funkamateure in aller Welt zu rufen. Zwar ist der angegebene Code noch ein sogenanntes Ausbildungsrufzeichen, doch schon bald kann der Schüler sein eigenes, auf der Welt nur einmal vorhandenes Rufzeichen benutzen - wenn er die hierfür notwenige Prüfung bei der Bundesnetzagentur besteht.
"Dazu muss er natürlich noch fleißig mit den Funkern des Ortsverbands Wiesbaden üben", sagt Jänsch und sichert dem Funkanfänger seine Hilfe und die der anderen Mitglieder des Vereins zu. Betriebstechnik, Vorschriften und weitere Techniken wollen schließlich gut beherrscht werden. "Bis er seine eigene Sende- und Empfangsanlage hat, stellt ihm der Club die benötigten Gerätschaften und Anleitungen zur Verfügung", fügt der Ausbildungsleiter an.
Geschätzte 80000 Amateure sitzen in Deutschland vor Funkgeräten. Rund 45000 von ihnen sind gleichzeitig Mitglieder in den über 1000 Ortsverbänden des Deutschen Amateur-Radio Clubs (DARC), der auch in Wiesbaden vertreten ist. "Unser Ortsverband besteht zurzeit aus 130 Mitgliedern, die nicht nur aus Wiesbaden, sondern auch aus den umliegenden Städten und Gemeinden zu uns finden. Demzufolge führen wir ein reges Vereinsleben und beteiligen uns an Wettbewerben und mehreren jährlichen ,Fielddays´. Außerdem organisieren wir Vorträge zu speziellen Themen rund um den Amateurfunk", berichtet die Wiesbadener Ortsverbandsvorsitzende Tanja Schmidt.
Zurück zu Funkanfänger Steffen. Klaus Jänsch erzählt, dass dessen Lieblingsfächer in der Schule wohl keineswegs zufällig Mathematik und Physik seien. "Die Freude am Basteln mit Elektronik und die digitalen Betriebsarten mittels Computer haben es ihm jedoch am meisten angetan und so fand er schon fast zwangsläufig den Weg zu den Funkamateuren", erzählt Jänsch. Dabei seien keineswegs die Verbindungen über das Handy gefragt, gibt der Ausbilder zu bedenken. Vielmehr stünde das weltweite Kommunizieren mit über zwei Millionen Menschen im Mittelpunkt, die mittels Datenfunk, Satelliten- und Weltraumfunk, Sprechfunk, Morsen und Amateurfunkfernsehen ihrem Hobby nachgehen.
"Die weltweiten Kontakte reichen dabei in alle denkbaren Länder. Auch König Juan Carlos von Spanien ist ein aktiver Funkamateur", erzählt der stellvertretende Vorsitzende Peter Hallier. Allerdings sei es den Wiesbadener Funkern bislang nicht geglückt, tatsächlich Kontakt zu seiner Majestät herzustellen, bedauert Hallier mit einem sichtlichen Schmunzeln.
"In Deutschland gibt es zum Funken zwei Klassen von Prüfungen, um richtig einsteigen zu können", richtet Jänsch erneut das Augenmerk auf die Ausbildung. Eine Einsteiger-Lizenz (Klasse E) soll die Kenntnisse in den Grundlagen der Elektronik vermitteln. Im Rahmen der fortgeschrittenen Version (Klasse A) lernt der Funkinteressierte darüber hinaus den Aufbau von Sende- und Empfangsanlagen. "Im Gegensatz zu den CB-Funkern dürfen Funkamateure ihre Geräte nämlich selber bauen", benennt Jänsch einen deutlichen Vorteil.

