Turnerfastnacht beim TV Waldstraße
20.02.2012 - WIESBADEN
Von Anja Baumgart-Pietsch
TV WALDSTRASSE Stimmungsbarometer steigt bei der Turnerfastnacht auf Rekordwerte
Vereinsfastnacht vom Feinsten gab es beim TV Waldstraße in der festlich geschmückten vereinseigenen Turnhalle an der Buchenstraße. Und der Turnverein ließ sich besonders bei den sportlichen Nummern nicht lumpen: „Alles was sich bewegt, kommt von uns“, sagte scherzhaft Vereinsvorsitzender Ulrich Klein, der sich selbst ebenfalls als schwungvoller Trampolinturner auf der Bühne betätigte - gemeinsam mit einer ganzen Brigade Turner, die in leuchtendem Müllabfuhr-Orange bei ihrer originellen Shownummer jede Menge große Sprünge wagten.
Die vereinseigene Tanzgruppe „Pandas“ war dreimal zu sehen, darunter mit einer wunderschönen „Cats“-Interpretation. Schön auch, dass die Mädels immerhin einen Jungen überreden konnten, bei ihnen mitzutanzen. Solotänzerin Katharina Schreiner zeigte eine gymnastische Höchstleistung, die zweite Solistin Katharina Werth dagegen einen gefühlvollen Ausdruckstanz. Und auch ein vereinseigenes Männerballett, die „Lost Sixpacks“ - der Name war selbst erklärend - trat zum Ende des Abends auf. Sie begeisterten als Indianer die vielen Zuschauer bei der sehr familiären Fastnachtssitzung, die sich durch hervorragende Stimmung auszeichnete.
„Für acht Euro vier Stunden Superprogramm - ich glaub’, wir sind die Günstigsten in ganz Wiesbaden“, rief Sitzungspräsident Harald Ott, der die Veranstaltung im Alleingang moderierte. Wohlgemerkt war es keineswegs eine „Sparversion“, die man hier zu sehen und zu hören bekam. Neben den vielen „bewegten Eigengewächsen“ des Turnvereins, auf dessen vielseitiges Programm auch die „Drums-Alive“-Gruppe von Birgit Klein aufmerksam machte, hatte man noch viele närrische Kollegen anderer Vereine aufs Podium gebeten.
Ehrensache war natürlich der Auftritt des Tänzerinnen-Trios von der „Narrenlust Waldstraße“, die sich später noch den ganzen Abend lang tanzenderweise im Publikum amüsierten und auch dem „Mann vom Altpapier“, Guntram Eisenmann, sein obligatorisches Bierchen in die Bütt brachten. Der hatte sich natürlich wieder brandaktuell auf die Geschehnisse des Tages eingestellt und setzte nicht nur zum Thema Bundespräsident so manchen Seitenhieb - auch in Richtung Mainz wurde scharf geschossen. Gleich im Anschluss an seine Rede durften seine Nordenstadter „Räubers“ den wohl lautesten Programmpunkt zum Besten geben: Die einzige Wiesbadener Guggemusik enterte mit Getöse die Turnhalle und ließ es eine Viertelstunde lang richtig krachen.
In die Bütt stieg auch Wolfgang Weimann von der Fidelen Elf, der in grüner Chirurgenuniform seine ganz eigene Sicht auf das Gesundheitswesen vortragen durfte und einige scharfzüngige Diagnosen stellte. Als „Vereinsmeier“ kam Kai Wiersdörfer aus Erbenheim und berichtete von den vielen Tätigkeiten, die man als Vorstandsmitglied so auszufüllen hat: „Das Engagement is schnell verschwunde, wenn es mit Arbeit is verbunde“ - dieses Liedchen kann sicher so mancher Vereinsvorstand mitsingen.
Etwas Besonderes beim TV Waldstraße ist die eigene Variante der „Rakete“: Hier lässt man stattdessen Sterne aufgehen, und das sogar in fünf Stufen, was - bei einem Turnverein erwartungsgemäß - mit Bewegung verbunden ist, auch fürs Publikum. Auch geschunkelt wurde zwischendurch natürlich aufs Eifrigste, unter anderem zu den Gesangsvorträgen von Peter Steudter oder immer mal wieder zwischendurch zu den Klängen der Musikerin, die den Abend aufmerksam mit Tusch und Narrhallamarsch unterstützte.
Ein schöner Beweis, wozu ein kleiner Verein imstande ist: Elferrat und Orden suchte man vergebens, stattdessen gab es für alle Mitwirkenden ein Bärchen von Bärenherz sowie „Weck, Worscht un Woi“ als Honorar. Das Stimmungsbarometer stieg hingegen höher als in so mancher „großen“ Sitzung - was bestimmt auch daran lag, dass man sich hier gut kennt und zu Hause fühlt.

