Norbert Ferdinand seit 50 Jahren bei DJK Schwarz-Weiß
23.12.2011 - WIESBADEN
Von Heinz-Jürgen Hauzel
Der „Ferdi“ ist siebzig. Und es ist ein wenig ruhiger um ihn geworden. Kaum zu glauben, denn Norbert Ferdinand war über Jahrzehnte hinweg Kopf, Herz und Seele, aber hauptsächlich Herz und Seele der Schwarz-Weiß-Fußballer. Als Jugendleiter, als Abteilungsleiter, in erster Linie als „Ferdi“.
Er hat die zweitgrößte Nachwuchsabteilung eines Wiesbadener Fußballvereins aufgebaut. Immer wieder wollte er auf der Rheinhöhe den Nachbarn vom Dyckerhoff-Sportfeld von der Spitzenposition verdrängen. Mit Horst Klee, dem Vorsitzenden von Biebrich 02, hat Norbert Ferdinand einst bei den legendären Rot-Weißen gemeinsam gekickt. Doch zumindest dieses Ziel, Klees 02ern mit der Zahl der betreuten Jugendlichen den Rang abzulaufen, hat er mit Schwarz-Weiß nie erreicht.
Der Ferdi ist ein Stück Vereinsgeschichte
Das war freilich auch nicht nötig, um die Sonderrolle sichtbar zu machen, die Ferdis Schwarz-Weiße in Sachen Nachwuchsarbeit unter Wiesbadens Fußballklubs unzweifelhaft seit Jahrzehnten und bis zum heutigen Tag einnehmen. Der DJK-Verein hatte sich stets die Breitenarbeit auf die Fahnen geschrieben, und Norbert Ferdinand stritt ein halbes Leben lang dafür, dass diese Leistung auch von den Politikern genauso gewürdigt wird, wie das, was die Großen als erfolgreich bezeichnen. Er hat sich so lange mit den Schuttsteinen der zerbombten Wiesbadener Häuser fotografieren lassen, auf denen die Sportanlage Rheinhöhe einst entstanden ist und die nun aus dem Fußballplatz herauswuchsen, bis er, beziehungsweise sein Verein, den ersehnten Kunstrasen bekam.
Die Geschichte von Schwarz-Weiß, sie ist ohne Norbert Ferdinand nicht denkbar. 1961 trat er dem Verein bei, schon drei Jahre später war er Jugendleiter. 1978 wurde er Fußballabteilungsleiter. Unter seiner Federführung wurde auch die Beleuchtungsanlage gekauft und das Klubheim eingerichtet.
Breitensport und Jugendarbeit
Man hätte es dem Fußballer vielleicht nicht zugetraut, aber er war auch maßgeblich an der Gründung der Handball- und Volleyballabteilung beteiligt. Und es waren dann auch seine schwersten Stunden, als das Finanzdesaster der Handballerinnen ums Haar zum Ableben des Vereins geführt hätte. Da war genau das passiert, was der Ferdi sonst strikt ablehnte: Schwarz-Weiß hatte viel Geld bezahlt für Sportler. Die Handballerinnen erreichten zwar die Bundesliga - aber unzuverlässige Sponsoren sorgten für das jähe Ende des Traums und einen Berg voller Schulden.
Dass der Gesamtverein das überlebte und so seinen viel wichtigeren sozialen Aufgaben in der Jugendarbeit bis heute nachkommen kann, war auch ein Verdienst von Norbert Ferdinand, der sich in diesem Fall wie stets mit hundertprozentigem persönlichen Einsatz einbrachte. Der Norbert Ferdinand ist einer, der jede Auszeichnung verdient hat.

