EBS-Besäufnis hat Folgen
07.09.2010 - RHEINGAU
Von Erdal Aslan
RHEINGAU Private Hochschule verbietet Erstsemester-Ritual / Landrat mahnt Studenten
Das Besäufnis von angehenden Studenten bei einem Aufnahmeritual an die European School Business School (EBS) und der anschließende Polizeigroßeinsatz am Samstag hat Folgen. „Im nächsten Jahr wird es nicht mehr so eine Veranstaltung geben“, kann Angela Kunhold, Pressesprecherin der EBS, jetzt schon auf Anfrage versichern. Am Samstagnachmittag mussten sich Polizeibeamte und Einsatzkräfte um betrunkene Erstsemester in den Oestricher Weinbergen kümmern. Zehn Personen wurden zur Ausnüchterung ins Rüdesheimer Krankenhaus gebracht, wie die Polizei mitteilte. Zeitweise suchten zwei Hubschrauber in den Weinbergen und am Rheinufer nach weiteren Betrunkenen.
Es müsse über die Kosten des Rettungseinsatzes gesprochen werden, teilt Burkhard Albers mit, „denn das ist kein Versehen, sondern eine planvoll herbeigeführte Gesundheitsgefährdung, die hätte verhindert werden müssen.“ Albers zeigt sich erleichtert, dass keiner der Studenten bleibende Schäden davongetragen habe. Doch es ist nach Ansicht des Landrats unverständlich, „weshalb ältere Studenten, die zur Betreuung der Erstsemester bereitstanden, nicht mäßigend eingegriffen haben, und warum das eigens für die Einführungsveranstaltung engagierte Sicherheitspersonal nicht tätig wurde.“ Er zweifle aber nicht an einer angemessenen Reaktion der Universitätsleitung.
Jedes Jahr organisierten ältere Semester eine sogenannte Schnitzeljagd für neue Studenten, damit sie den Rheingau und einander kennenlernten, berichtet Kunhold. „Doch wir hatten eine ganz klare Vereinbarung, dass kein Alkohol ausgeschenkt wird.“ Die wurde nicht eingehalten, schon gegen 13.45 Uhr war die Polizei darüber informiert, dass Betrunkene in Weinbergen und im Ortskern aufgefallen seien.
Das Ordnungsamt musste die Veranstaltung nicht genehmigen, sagt Bürgermeister Paul Weimann, „da die Studenten nur durch die Gemarkungen laufen und Stationen einrichten, aber keine Straßen gesperrt werden müssen“. Außerdem sei versichert worden, dass kein Alkohol im Spiel sei. Er sei natürlich nicht besonders erfreut über den Vorfall. „So etwas schadet dem Image der EBS, des Rheingaus und der Stadt.“ Weimann habe intensiv mit der Schulleitung gesprochen, und ihm sei seitens EBS-Präsident Christopher Jahns versichert worden, dass keine solche Veranstaltung im nächsten Jahr stattfinden werde. „So leid es mir tut.“
Die Universität sei gerade dabei, sich ein klares Bild zu verschaffen, was genau passiert und wer im Einzelnen an der Aktion involviert war,“ sagt Kunhold. „Wenn alles ausgewertet ist, werden wir uns am Mittwochabend mit Studenten treffen und über weitere Konsequenzen sprechen“. So ein Verhalten toleriere die EBS nicht, sagt Kunhold. „Wir haben uns klar auf die Fahnen geschrieben, verantwortungsbewusste Menschen auszubilden, das ist sogar ins Curriculum in Form von sozialem Engagement integriert.“ Kunhold merkt selbstkritisch an, dass man auch die eigene Arbeit überprüfen werde. „Wir müssen das Verantwortungsbewusstsein noch deutlicher - und zwar vom ersten Tag - an erwarten.“

