Ein Herz für Narren-Nachwuchs
10.02.2012 - OESTRICH-WINKEL
Von Kerstin Prosch
FASTNACHT Vor 25 Jahren hat Dietmar Schneider in Winkel die Kindersitzungen ins Leben gerufen
Friseur-Besuche sind für die meisten keine Termine, an die sie sich über Jahre, ja sogar Jahrzehnte erinnern. Dietmar Schneider, 57 Jahre alt, weiß dagegen noch ganz genau, was in seinem 14. Lebensjahr beim Friseur geschah. Immerhin sollte der Tag sein Leben verändern. Toni Laquai, Mitglied des Carnevalvereins Lorcher Raupen, sprach ihn an, ob er nicht Lust hätte, in der Fastnacht aufzutreten.
„Meine Eltern sind beide keine Carnevalisten“, erzählt Schneider. Ohne jenen Besuch beim Friseur wäre er also eventuell niemals so eng mit der vierfarbbunten Welt der Narren in Kontakt gekommen. Der 57-Jährige, heute Fastnachter mit Leib und Seele, ist den Raupen daher für alle Zeiten dankbar, dass sie auf ihn zutraten und er auf den Sitzungen des Vereins auftreten konnte.
„Die Erfahrungen, die ich damals machte, will ich auch anderen ermöglichen“, sagt Schneider, der seit 1982 Mitglied im Carneval Verein „Narrhalla“ Winkel ist. Kaum eingetreten, habe er auch schon als Beisitzer im Vorstand gesessen. Mit Bedauern sei ihm damals aufgefallen, dass sich zwar Kinder und Jugendliche im Verein engagieren, es sich hierbei aber in erster Linie um den Nachwuchs von Narrhalla-Mitgliedern handelte. „Niemand förderte gezielt talentierte Kinder, deren Eltern nichts mit Fastnacht zu tun hatten.“ Schneider beschloss, dies zu ändern.
Als Familienvater war er auf genug Veranstaltungen, auf denen er Mädchen und Jungen begegnete, sie sogar teilweise in Aktion erlebte, beispielsweise auf Weihnachtsfeiern. Um dem Nachwuchs eine Plattform zu bieten, organisierte die „Narrhalla“ vor 25 Jahren die erste Kindersitzung. 60 Mädchen und Jungen zeigten damals ihr Können, teils allein, teils in Gruppen. Die Veranstaltung kam so gut an, dass sie fortgeführt wurde. „Bis heute sind insgesamt 2785 Kinder bei uns aufgetreten“, bilanziert Schneider.
Am kommenden Sonntag, 12. Februar, lädt der Verein nun zum 24. Mal zur Kindersitzung ein. 1991 fiel die Veranstaltung wegen des Golfkrieges aus, so dass die 25. Sitzung erst nächstes Jahr abgehalten wird. Um explizit jene Mädchen und Jungen zu fördern, die gerne in die Bütt steigen, bietet der Verein seit 1995 Rethorikseminare an. Hier lernen die Kinder, während ihres Auftrittes Körpersprache einzusetzen. „Man kann viel sagen ohne ein Wort zu sprechen“, weiß Schneider. Dem Nachwuchs wird außerdem vermittelt, wie man Themen für eine Rede findet, eine Rede schreibt und schließlich mit Erfolg - ohne Angst vorm Mikrofon - hält. An den Rhetorikseminaren dürfen auch Kinder und Jugendliche aus anderen Vereinen teilnehmen.
Nach Auskunft des Vorsitzenden der „Narrhalla“ ist das Engagement des Vereins in der Jugendarbeit durchaus nachhaltig. „Unser heutiger Sitzungspräsident der CVW-Kappesitzungen, Markus Stoll, war einst ein Teilnehmer unserer Rhetorikseminare.“ Gleiches gelte für einige Büttenredner. Aus Erfahrung weiß Schneider heute, dass sich viele Nachwuchstalente nach ersten Bühnenerfolgen ab einem gewissen Alter erstmal zurückziehen, um die Pubertät auszuleben, eine Ausbildung zu machen und in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. „Wem es in der Fastnacht gefiel, der kehrt dann jedoch zu uns zurück.“ Der Verein ist für seine Jugendarbeit bereits vom Bund Deutscher Karneval ausgezeichnet worden.
Schneider selbst ist jetzt zum Ehrenmitglied der „Narrhalla“ ernannt worden. Für seinen Einsatz für den Nachwuchs bekommt er aber nicht nur positives Feedback von seinem Verein, sondern auch von vielen Eltern. Denn etliche Mütter und Väter sind der Ansicht, dass ihre Sprösslinge durch die Bühnenauftritte bei der „Narrhalla“ spielerisch auch etwas fürs Leben gelernt haben.

