Lorcher zahlen mit Schollar
21.02.2012 - LORCH
Von Thorsten Stötzer
RATHAUSSTURM Lorcher Narren geben am Rosenmontag Anstöße für kreative Kommunalpolitik
Der Euro wird abgeschafft - zumindest in Lorch. An seine Stelle tritt der Schollar, der seinen Namen den heimischen Schoppen und dem amerikanischen Dollar verdankt. So zeigt sich wieder einmal: Wenn die Fastnachter die Macht im Lorcher Rathaus übernehmen, dann erlebt die Kommunalpolitik in der Wisperstadt eine überaus kreative Phase.
Die Aktiven des Karnevalsvereins „Lorcher Raupen“ haben sich nämlich vorab Gedanken gemacht, deren Überzeugungskraft sich auch Bürgermeister Jürgen Helbing nicht entziehen kann. So stimmt er nach dem Rathaussturm beim Rosenmontagsbasar fast allen Forderungen zu. Der Schollar zum Beispiel findet Anklang bei ihm, schließlich hatte die Stadt zu Zeiten des Freistaats Flaschenhals bereits eine eigene Währung.
Bürgermeister für Viagra-Automat am Bahnhof
Damit der Schollar unter die Leute kommt, soll es künftig Begrüßungsgeld für Weiseler und Sauerthaler geben. Investiert wird zudem am Bahnhof, und zwar in eine Pinkelrinne für die Unterführung. Helbing denkt schon an die Details: „die linke Seite für Männlein und die rechte Seite für Weiblein“.
Nur den Kaugummi-Automaten an Gleis 2 lehnt er ab beim Bahnprojekt Lorch 21. Vielmehr plädiert er für einen Viagra-Automaten, um dem Einwohnerschwund zu begegnen. „Wir appellieren an die Standfestigkeit der Lorcher Männer, damit wieder mehr Kinder auf die Welt kommen“, ruft der Bürgermeister.
Um Barrierefreiheit am Bahnhof zu erreichen, hätte der Elferrat um Sitzungspräsident Eberhard Klein gerne die Seilbahn dorthin verfrachtet, die bei der Bundesgartenschau in Koblenz über den Rhein führte. Helbing hat allerdings anderes vor. Die Seilbahn soll stattdessen den Nollig mit Niederheimbach verbinden. Den örtlichen Rentnern, die als „Bauaufsicht“ täglich die Bauarbeiten begleiten, soll künftig für ihre Bemühungen der ASB warme Mahlzeiten servieren.
Geht es nach den Lorcher Raupen, wird an der Ortsdurchfahrt bis 2025 gewerkelt, denn solange bleibe der LKW-Verkehr aus und es bleibe schön ruhig in Lorch. Damit sind genug Visionen unters närrische Volk gebracht. Zwischen den Ständen auf dem Markt und unter der bunten Fahne der Raupen, die an einem Mast neben dem Rathaus weht, feiern die Menschen. Ob die ehrenamtlichen Verkäufer schon den Schollar akzeptieren, ist nicht bekannt.

