Neue Basis für die Jugendarbeit
27.12.2011 - LORCH
Von Thorsten Stötzer
LORCH Stadt stellt zusätzliche Mittel im Haushalt bereit / Kooperation mit Organisation geplant
Zwar gab es um den Lorcher Doppelhaushalt 2012/2013 zuletzt einigen Wirbel, doch eine Entscheidung zum Etat fand im Parlament ungeteilte Akzeptanz: Auf Antrag von CDU und SPD werden 25 000 Euro zusätzlich für die Jugendarbeit bereitgestellt. Um diese Ausgabe zu decken, werden im Gegenzug 20 000 Euro bei der Wirtschafts- und Tourismusförderung und 5 000 Euro bei den Jugendräumen gestrichen.
„Die bisher ehrenamtliche Jugendbetreuung soll professioneller werden“, heißt es in der Begründung des Antrags. Dazu soll mittels einer Ausschreibung eine Organisation gefunden werden, die sich um die Jugendarbeit in Lorch kümmert. Beispielsweise könnte dies die Arbeiterwohlfahrt sein, die schon im benachbarten Rüdesheim auf diesem Feld tätig ist.
Die Antragsteller erklären zudem, dass die Jugendarbeit mit Vereinen, Verbänden, Kirchengemeinden, Präventionsräten und anderen Jugendzentren gemeinsam vorangetrieben und bestehende Angebote sinnvoll ergänzt werden sollten. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Göttert spricht von einer „relativ freien Jugendarbeit“ und hat eine besondere Klientel im Blick: „Nicht alle sind über Vereine zu erreichen.“
Bürgermeister Jürgen Helbing (CDU) nennt das Konzept eine „halbe Variante“ zwischen bisher praktiziertem Ehrenamt und noch wesentlich teurerem Hauptamt. Die Ausschreibung dazu solle im Januar auf den Weg gebracht werden. „Es ist denkbar, dass das Ehrenamt zurückgefahren wird“, so Helbing.
Probleme im Jugendzentrum (Juz) der Lorcher Kernstadt haben die Überlegungen zur Jugendarbeit forciert. Diese Einrichtung ist seit mehreren Wochen geschlossen, wegen „ein paar Leuten, die sich an nichts halten“, wie Helbing sagt. Es sei zu Beleidigungen gegen die beiden Betreuer gekommen: „Der Respekt war einfach nicht da.“ Anfang Januar soll das Juz aber wieder öffnen, der Bürgermeister will das Gespräch mit den Heranwachsenden suchen. Wir wollen die Jugendarbeit nicht plattmachen“, beteuert Helbing.
Angefacht hat die Diskussion außerdem ein öffentlicher Brief an Helbing, den Sebastian Busch, der zugleich als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins amtiert, im Namen der Juso-Arbeitsgemeinschaft Lorch verfasst hat. Er moniert darin, dass die „Jugendarbeit kompromisslos und ohne Aufschub eingestellt“ worden sei. Ein beheizter Raum sei für die Jugendlichen gerade im Winter nötig. Busch schlägt ebenso vor, Unterstützung bei speziell ausgebildeten Kräften zu suchen. Dass nun mehr Geld für Jugendarbeit bereitsteht, begrüßt er, mahnt aber zugleich, das allein schaffe noch kein funktionierendes Juz. „Es sind noch viele Fragen offen“. Nach seiner Meinung hat die Stadt jetzt nur ein Versäumnis nachgeholt und hätte aktiver eine Lösung anstreben müssen. Helbing hat die Kritik schriftlich zurückgewiesen.

