Mehr Platz für Bio-Reben
12.01.2011 - RHEINGAU
WEINBAUWOCHE Flächen im Rheingau seit 2008 verdoppelt auf 141 Hektar
(tst). Der ökologische Weinbau macht in Deutschland buchstäblich Boden gut. Bei der Rheingauer Weinbauwoche in Kiedrich belegte Randolf Kauer aus der Forschungsanstalt Geisenheim diese These mit Daten. Demnach gab es in den vergangenen zehn Jahren eine Steigerung um 300 Prozent auf 5000 Hektar bundesweit. Der Rheingau habe seit 2008 eine Verdoppelung auf 141 Hektar erlebt, was einem Anteil von 3,9 Prozent der gesamten Rebfläche entspreche.
Gleichzeitig gehe das Engagement der ökologisch wirtschaftenden Betriebe in den Verbänden zurück, nur noch gut 40 Prozent von ihnen seien entsprechend organisiert. „Diese Entwicklung ist durchaus kritisch“, warnte Kauer, denn die Lobbyarbeit könnte dadurch leiden. Die sei jedoch gerade jetzt sehr wichtig, angesichts maßgebender Entscheidungen in der Gesetzgebung.
Kauer ging auf aktuelle Beispiele ein. So seien im Sommer die Verhandlungen über die „Biowein-Verordnung“ auf EU-Ebene gescheitert an der Frage der Schwefeldioxid-Reduzierung im Wein. „Was vorgeschlagen wurde, war nicht kompromissfähig“, fasste der Experte zusammen. Als eine Folge davon dürfen Öko-Weinbauern nicht ein neues EU-Biosiegel benutzen, wohl aber andere bekannte Labels.
Beim Pflanzenschutz eingesetzte Kupfer-Präparate sind ein weiterer Faktor, mit dem sich die Fachwelt und die Gesetzgeber auseinander setzen. In der EU seien diese Mittel nur bis 2016 zugelassen, erklärte Kauer. Die Öko-Betriebe strebten an, den Einsatz von Kupfer von drei auf 2,5 Kilo pro Jahr und Hektar im Durchschnitt zu senken. Weiterhin wies der Wissenschaftler darauf hin, dass lediglich Biozucker noch zur Anreicherung von Wein verwendet werden dürfe.
Die Regelungen erfassen außerdem das Pflanzgut in den Wingerten. Bio-Reben sind vorgeschrieben. „Es gibt mittlerweile ein breites Angebot“, beruhigte Kauer, wobei vier Reben-Veredler den Markt beherrschten. Der Preis für Bio-Pflanzgut liege um ein Fünftel über dem für konventionelle Reben. Eine langfristige Bestellung - 15 bis 18 Monate vor dem Pflanztermin - sei ratsam.
Wer sich der ökologischen Produktionsweise zuwendet, hat übrigens juristisch eine dreijährige Übergangszeit vor sich. Aus den ersten Ernten geht „Umstellungsware“ hervor. Erst danach dürfen die Winzer ihre Weine als offiziell anerkannte Öko-Produkte vermarkten.

