Von Bernd Minges
KUNSTSCHAUFENSTER Geisenheimer Veranstaltungsreihe hat sich einen Namen gemacht
Dass es ihm gelungen ist, die Kabarettistin und Cellistin Rebecca Carrington fürs Geisenheimer „Kunstschaufenster“ zu engagieren, darauf ist Bernhard Richter schon ein bisschen stolz. Hartnäckig hat er immer wieder angefragt. Die Online-Bestellungen für die Veranstaltung am 15. September zeigen ihm, dass die Kenner solche Angebote zu schätzen wissen und dass die Veranstaltungsreihe in Geisenheim schon längst als Geheimtipp gilt.
Der 52-jährige Augenoptikermeister, Inhaber eines Fachgeschäfts in Geisenheim, kennt sich mittlerweile in der Kleinkunstszene bestens aus und hat nach einigen internen Diskussionen im Geisenheimer Gewerbeverein die alleinige Regie für das Kulturfestival übernommen. Er liebt insbesondere Kabarett und besucht oft das Mainzer Unterhaus oder das Pariser Hoftheater in Wiesbaden. „Ich gehe gerne zu Leuten, die ich noch nicht vorher gesehen habe“, sagt er. Das seien auch meistens diejenigen, die nicht im „Mainstream“ mitschwimmen und lieber auch mal in kleineren Sälen auftreten. Vom Stil eines Mario Barth hält der Organisator des Kunstschaufensters nicht viel. Lieber sind ihm Hintergründiges und Sprachakrobatik.
Um Kabarettisten zu engagieren, die schon einen Namen haben, braucht Richter ein Budget zwischen 2500 und 8500 Euro. Sehr gerne würde er Olaf Schubert, den Mann aus Dresden mit dem gestrickten Rauten-Pullover als Markenzeichen, in die Lindenstadt holen. Das könnte aber beim Budget schon eng werden. Schon seit langem versucht der Veranstalter auch den „großartigen bayerischen Kabarettisten“ Günter Gründwald zu verpflichten oder die Gruppe „Annamateur und Außensaiter“, für Kenner absolute Leckerbissen. In erster Linie soll das Kunstschaufenster eine „Imageveranstaltung“ für die Stadt insgesamt sein, betont Bernhard Richter. Es gehe nicht darum, Kunden in die Geisenheimer Geschäfte zu locken, wie es am Anfang der Veranstaltungsreihe von Gewerbetreibenden als Ziel ausgegeben wurde. „Mir liegt daran, nach außen deutlich zu machen, dass es Leue gibt, die sich engagieren, auch wenn es keinen unmittelbaren Nutzen gibt“, sagt Richter. Von einem guten Stadtmarketing könnten freilich auch die Geschäfte profitieren.
Start des Kunstschaufensters war im Jahr 2005, damals von der Geisenheim Aktiv Gruppe organisiert. Mittlerweile ist Richter der Alleinverantwortliche, wobei er von Cassian Fronweiler, Richardo Pérez und dem Vorsitzenden des Rheingauer Kunstvereins, Winfried Rathke, unterstützt wird. Der von Jahr zu Jahr wachsende Erfolg der Veranstaltungsreihe hat auch immer mehr Sponsoren angezogen. Bisher sind es 24 Geisenheimer Betriebe, die sich mit jeweils 500 Euro an der Finanzierung beteiligen und dafür bei den Veranstaltungen auch für sich werben dürfen.
Erstmals ist in diesem Jahr das Domzentrum, das die Stadt zur Verfügung stellt, der zentrale Veranstaltungs- und Ausstellungsort. Bei der Ausstellung von Bildern in Schaufenstern von Geschäften sei „der Kunst oft nicht der angemessene Raum zugewiesen worden“, sagt der Organisator. Diese Art der Präsentation soll aber weiterhin möglich sein. Es werde in diesem Jahr zudem verstärkt auf die Qualität der Kunstwerke geachtet, die im Domzentrum zu sehen sein sollen. Gezeigt wird auch „das größte politische Gemälde der Welt“, das bei einer Aktion des Vereins „Künstler gegen Armut“ entsand und 120 mal ein Meter groß ist.

