Fürstentochter mit sozialer Ader
11.05.2010 - ERBACH
Von Kerstin Prosch
FEST Vorträge und Kindermusical in Schloss Reinhartshausen erinnern an Marianne von Preußen
Das Mädchen ist ungeduldig. Es kann kaum erwarten, in den Planwagen zu klettern, um von Schloss Reinhartshausen zur Johanneskirche zu fahren. Die Kutsche pendelt zwischen zwei Stätten, die im Leben der Marianne von Preussen eine große Rolle spielten. Am 9. Mai wäre das jüngste Kind des Fürsten Wilhelm von Nassau-Oranien und seiner Gattin Wilhelmine von Preußen 200 Jahre alt geworden. Für Schloss Reinhartshausen und die evangelische Kirchengemeinde Erbach ein Grund, groß zu feiern - allerdings nicht im elitären Rahmen.
Stattdessen wurde ein großes Bürgerfest mit Musik, Lesungen, Inselrundfahrten und vielem mehr organisiert.Marianne von Preußen hätte die Veranstaltung sicherlich gefallen, meinte Petra Müller-Klepper (CDU). „Auch gefallen hätte ihr, dass der Erlös der Tombola dieses Geburtstagsfestes dem Kinderhospiz Bärenherz zugute kommt“, bemerkt die Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit.
Sie legte Wert darauf, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben
Denn Marianne sei eine bürgernahe und sozial engagierte Frau gewesen. Sie habe Wert darauf gelegt, Not zu lindern und Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, in dem sie in die Infrastruktur investierte. Immer wieder habe sie zudem für soziale Einrichtungen auch im Rheingau gespendet.
Wie Marianne von Preussen überhaupt nach Erbach kam, skizzierte Hartmut Heinemann vom Hessischen Hauptstaatsarchiv. Seinen Recherchen zufolge kam sie zu einem Zeitpunkt auf die Welt, der in der sonst so ruhmreichen Geschichte der Familie einen Tiefpunkt markierte. Doch schon bald wendete sich das Blatt. „Indem Mariannes Vater als König Wilhelm I. den niederländischen Thron bestieg, gehörte sie als Königstochter zu den begehrtesten Heiratspartien im hochadeligen Europa“, berichtet Heinemann. Den Bund der Ehe schloss sie 1830 mit Prinz Albrecht von Preußen. Die beiden passten nicht gut zusammen. 1845 zerbrach die Ehe.
Der preußische und niederländische Hof stimmten einer Scheidung aber nicht zu. Erst als Marianne mit dem Holländer Johann van Rossum ein Verhältnis begann und von ihm ein Kind erwartete, willigten die Höfe ein. Mit der Scheidung 1849 ging die Verbannung einher.
Ihre letzten 28 Lebensjahre verbrachte sie in Erbach
An alle diese Ereignisse erinnert die evangelische Gemeinde mit Auszügen aus ihrem Kindermusical „Marianne - Glaube, Liebe, Hoffnung“. Warum die „Frau zwischen Tradition und Emanzipation“ (Heinemann) die letzten 28 Jahre ihres Lebens in Erbach verbrachte, kann Robertus de Leeuw, Generalkonsul des Königreichs der Niederlande gut nachvollziehen. „Es ist eine herrliche Gegend“, schwärmt er. Marianne kaufte Schloss Reinhartshausen vom Grafen Clemens August von Westphalen, dessen Familie es 1801 erbaut hatte. Die Prinzessin ließ das Schloss ausbauen und erweitern. Es wurde ein Galeriebau errichtet, in dem Marianne ihre Kunstsammlung unterbrachte. Bilder der Sammlung zieren das Hotel, das einige Räume zur Besichtigung freigab..

