Von Martin Fromme
THEATER Premiere von "Rumpelstilzchen" bei der Taunusbühne in Bad Schwalbach
Das Rumpelstilzchen aus dem Taunus ist kindgerecht, musikalisch und mit vielen phantasievollen Einfällen inszeniert. Vor allem die jungen Zuschauer zeigten sich bei der Premiere am Samstag im Kurhaus begeistert. Sie stellten weit mehr als die Hälfte der Zuschauer im ausverkauften Kurhaus. Unter ihnen auch Kinder der Fledermausschule Laufenselden und des Kindergartens Wackelzahn aus Strinz-Margarethä.
Sie alle ließen sich gerne mit in die Handlung einbeziehen. Gleich zu Anfang brauchten sie dazu viel Puste, denn es galt, die das Bühnenbild krönende Windmühle in Gang zu setzen. Und am Ende waren es die Kinder, die den Schauspielern den Namen "Rumpelstilzchen" lautstark verrieten.
Die Urfassung des Märchens der Gebrüder Grimm ist personell eher spärlich besetzt, neben dem Titel(helden) sind da nur Müllerstochter, Müller und König. "Ich wollte mehr Schauspieler auf der Bühne", sagt Ines Müller, die mit Brigitte Müller Regie führt. So fanden sich eine Hexe mitsamt Raben, ein Kater namens Stanislaus und ein Rudel Mäuse in der Geschichte wieder. Der Handlung tat das gut.
Ein Kater hat erst panische Angst vor Mäusen, bevor er sich mit ihnen anfreundet. Rumpelstilzchen ist gar kein so übler Bursche, nur ein menschenscheuer Eigenbrötler, der nicht - wie in der Grimmschen Fassung - um das Feuer herum tanzt, sondern in Gedanken versunken davor sitzt und mit seinem Schicksal hadert: erfährt jemand seinen Namen und spricht ihn aus, besteht akute Lebensgefahr. Also lässt er nichts und niemanden an sich heran. Nur der mäusegeschädigte Kater schafft es, nach und nach zu ihm durchzudringen.
Rumpelstilzchens Notlage nützt die eigentliche Übeltäterin, die Hexe Kassandra, schamlos aus und schmiedet von einer Nebenbühne aus ihre Ränke. Sie bringt jene fatale Kettenreaktion in Gang, Müllerstochter will Prinz und kriegt ihn nur, wenn sie für den gierigen und offensichtlich klammen König Stroh zu Gold spinnt, was wiederum Rumpelstilzchens Zauberkünste auf den Plan ruft. Der will für seine Dienste dann aber Müllerstöchterleins - mittlerweile Prinzessin - Erstgeborenes. Eine Bosheit, die ihm wiederum die Hexe eingegeben hat. Trotzdem kommt es zum versöhnlichen Happy-End, denn Rumpelstilzchen zerreißt sich nicht, wie von den Grimms vorgesehen, sondern bleibt am Leben. Als die Prinzessin/Müllerstochter seinen Namen nennt, passiert schlicht gar nichts.
Die Inszenierung hat ihre Glanzlichter. Da sind zunächst Kostüme und Masken. Blickt man in Rumpelstilzchens zerfurchtes Gesicht, glaubt man kaum, dass sich dahinter der 15-jährige Dwayne-Gilbert Besier verbirgt, der eine starke schauspielerische Leistung bietet ebenso wie alle anderen. Vor allem Kater und Mäuse sorgen für viel Betrieb auf der Bühne. Mucksmäuschenstill vor lauter Faszination aber wurde es im Publikum als unter Schwarzlichtbeleuchtung Stroh zu Gold gesponnen wurde.
Die Musik komponierte Kate Nelson und das Stück hat ein musikalisches "Nachspiel". Die Besucher können für einen Euro ein Rumpelstilzchen-Plakat mit den Autogrammen aller Schauspieler erwerben. Der Erlös geht als Spende an das Wohnheim der Lebenshilfe in Michelbach, die davon Musikinstrumente für Blinde und Sprachlose anschaffen wird.


