Donnerstag, 02. September 2010 18:52 Uhr
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Wiesbadener Tagblatt

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Große Mengen Wein unterschlagen?

21.02.2007 - ELTVILLE

Staatsanwalt ermittelt gegen langjährigen Kellermeister der Winzergenossenschaft Erbach

cc. Der Kellermeister der Winzergenossenschaft Erbach steht im Verdacht, deren Weine im größeren Stil privat verkauft zu haben. Sein Arbeitgeber hat ihn deshalb fristlos entlassen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue. Als die "bei weitem beste Winzergenossenschaft im Rheingau" hatte Wein-Kritiker Hugh Johnson die Erbacher gelobt, die auch die Weine der Winzergenossenschaft Wiesbaden-Frauenstein vermarkten. Das Lob hat guten Grund: Rund 30 Prozent der Genossenschafts-Weinberge liegen in klassifizierten "Erstes Gewächs" Lagen. Kein Zweifel: Dies Renommee hat die Genossenschaft auch dem Kellermeister zu verdanken. Ernst C. gilt als einer der besten, als Spezialist für den fruchtbetonten, säurereduzierten Riesling-Typ. Um so unfassbarer deshalb der Verdacht, der nun auf dem 61-Jährigen lastet. Hartmut Ferse, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiesbaden, bestätigte gestern auf Anfrage: "Ernst C. soll im größeren Stil Weine der Winzergenossenschaft privat verkauft haben." Strafrechtlich wird dies als Untreue gewertet. Ein Ermittlungsverfahren ist eingeleitet, Räume wurden schon durchsucht. Mit offenbar greifbaren Ergebnissen: Die Winzergenossenschaft hat sich "nach 31 Jahren mit sofortiger Wirkung von ihm getrennt", so Ronald Müller-Hagen, Geschäftsführer der Genossenschaft. Die rund 40 Genossen hat Müller-Hagen in knappen Sätzen über die möglichen "Unregelmäßigkeiten finanzieller Art" informiert. Auf "richtig gutem Kurs" habe sich die Genossenschaft befunden, so Müller-Hagen. Allein 2006 habe der Betrieb 30 Prozent mehr Flaschen verkaufen können. Der Export expandiert, der Geschäftsführer hat gerade einen Auftrag aus Neuseeland auf den Tisch bekommen: Eine Bestellung über 20 000 Euro. Es sei so gut gelaufen, und dann habe man durch die Ermittlungen feststellen müssen, dass man mit Ernst C. nicht mehr zusammenarbeiten könne. Auch Müller-Hagen konnte gestern noch nicht sagen, um welche Mengen es bei dem Vorwurf geht. Es seien allerdings "keine Peanuts". Man werde nun die Weinkontrolle unterstützen. Nach Informationen dieser Zeitung steht im Raum, dass Ernst C. mehrere tausend Liter der Genossenschaft privat verkauft hat. Offen wird darüber spekuliert, dass die veruntreute Menge größer ist als bei einem möglicherweise vergleichbaren Fall bei den Staatsweingütern. Dort hatte der Leiter einer Domäne vor Jahren gut 13000 Liter Rotwein an den Büchern vorbei abgezweigt, um sie selbst zu verkaufen. Ernst C., so heißt es, habe möglicherweise schon vor längerer Zeit begonnen, kleinere Mengen privat zu verkaufen, um den Umfang der Veruntreuung allmählich erhöht. Der entscheidende Hinweis kam übrigens aus Rheinland-Pfalz: Der Weinkontrolle im Nachbarbundesland war aufgefallen, dass es bei der Lieferung von größeren Mengen Riesling zu Unregelmäßigkeiten gekommen war. Ernst C. wollte sich zu den Vorwürfen gestern nicht äußern und verwies auf seinen Anwalt. Dessen Kanzlei wollte zu dem Fall "grundsätzlich keine Stellungnahme" abgeben. Allerdings sei die gegen den Kellermeister ausgesprochene Kündigung unwirksam.


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