Samstag, 11. Februar 2012 15:30 Uhr
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Wiesbadener Tagblatt

Region 

Für Frettchen "Rheini" gibt's Streicheleinheiten

09.07.2008 - WIESBADEN

Von Anja Baumgart-Pietsch

Schüler aus Idstein-Heftrich begleiten eine Tierpflegerin durch die Fasanerie / Mit allen Sinnen lernen

WIESBADEN Einmal im Monat statten wir der Fasanerie einen Besuch ab und berichten, was sich in Wiesbadens traditionsreichem Tier- und Pflanzenpark tut.

Die 2 b der Alteburgschule ist schon ganz aufgeregt. 19 Kinder samt Klassenlehrerin Sybille Giernoth und einem weiteren Begleiter sind "mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zweimal Umsteigen", wie ganz stolz berichtet wird, aus Idstein-Heftrich in der Fasanerie eingetroffen, um eine Führung zu Wölfen und Bären mit Tierpflegerin Jana Pardeß mitzumachen. "Unsere Führungen sind heiß begehrt, vor allem in den Wochen kurz vor den Ferien", sagt Tierparkleiterin Ute Kilian. Es gebe freilich auch im Herbst und im Winter einiges in der Fasanerie zu entdecken. "Da könnte das Interesse größer sein - im Frühjahr und Sommer hingegen können wir uns vor Anfragen kaum retten." Kindergärten, Grundschulen und ältere Schulklassen sind die hauptsächliche Zielgruppe, aber auch Erwachsenen- oder Seniorengruppen sind gerne gesehen. Man möchte hier Wissen, Erfahrungen und Spaß vermitteln - "mit allen Sinnen lernen, einen emotionalen Zugang zur Natur bieten, Neugier wecken und den Alltag der Tierpfleger kennen lernen", formuliert Ute Kilian. Daher möchte sie künftig verstärkt Projektwochen anbieten, in denen die Kinder richtig mitarbeiten können, und nicht nur in knappen zwei Stunden einen kleinen Blick auf Pflanzen und Tiere werfen. Schließlich versteht sich die Fasanerie als naturpädagogisches Zentrum und nicht als Einrichtung ausschließlich zum Betrachten. "Wir haben hier einen idealen Park der Möglichkeiten", freut sich die Tierparkleiterin, die sich mit ihrem Team vieles ausdenkt, um den Besuch zu jeder Jahreszeit lohnend zu machen. Daher gibt es die unterschiedlichsten Angebote, "damit die Kinder nicht jedes Jahr die gleiche Führung mitmachen müssen". Einen reinen Vortragscharakter haben die Tierparkführungen sowieso nicht, "und wir haben auch keine Computer hier, an denen irgendwelche Informationen über Tiere abgerufen werden können - das machen die Kinder sowieso schon oft genug". Viele Gruppen bereiten im Unterricht etwas vor und buchen das Thema der Führung passend dazu. Die 2b aus Heftrich aber nutzt den Tag einfach als schönen Ausflug und erlebt die Fütterung der Bären, Wölfe und Luchse. "Die Kinder wissen manchmal Einzelheiten, da bin ich wirklich beeindruckt", sagt Jana Pardeß, die seit knapp zwölf Jahren als Raubtierpflegerin in der Fasanerie arbeitet. Gemeinsam mit der Auszubildenden Raphaela Bugiel lädt sie im Betriebshof einige Kisten mit Futter auf die Ladefläche des Kleinbusses: tote Hühner, trockene Baguettebrote, Obst und Gemüse. Die Klasse ist derweil schon zum Bärengehege gelaufen. Während sich auf der Beobachtungsbrücke die Gruppen ballen - denn natürlich sind täglich auch zahlreiche Gruppen ohne Führung in der Fasanerie unterwegs - dürfen die Heftricher Kinder mit den Pflegerinnen unten vor den Zaun. Zunächst wirft Jana Pardeß mit Schwung drei Hühner über den Zaun des Geheges der männlichen Wölfe. Nur der Älteste traut sich heran und frisst mit Genuss seinen "Braten". Die Kinder sind beeindruckt und stellen der Pflegerin viele Fragen, während sie Wotan beim gierigen Zerlegen des Huhns beobachten. Dann geht es hinüber unter die Holzbrücke, um 11 Uhr ist hier nämlich die reguläre Fütterung der Bären und Wolfsweibchen angesagt. Die warten schon äußerst ungeduldig auf das Menü, das ihnen ebenfalls mit schwungvollen Würfen über den Zaun serviert wird. Die Bären haben eindeutig Vorrang - die Wölfe haben großen Respekt vor den größeren Tieren. Von der Kirsche bis zur Melone findet das Obst großen Anklang, aber auch Brote und Fleisch werden genüsslich verspeist. Parallel zur Führung der Tierpflegerinnen findet noch eine weitere Führung mit einer Referentin statt. "Die kann man bei uns natürlich auch buchen, viele haben konkretere Wünsche nach Informationen über einzelne Tierarten", betont Ute Kilian. "Renner" dabei seien Bären und Wölfe. Die Tierpfleger haben einen anderen Ansatz, sie berichten den Kindern eher aus ihren täglichen Erfahrungen, verschweigen auch nicht unangenehme Aufgaben, die sie zu erfüllen haben. Das gefällt den neugierigen Schülern aber gut. "Wir möchten unseren Tierpark zum Treffpunkt für alle machen, auch zum Treffpunkt der Generationen und Kulturen", meint Ute Kilian, die die Fasanerie als außerschulische Lernmöglichkeit gerade für Stadtkinder sieht, die kaum je ein Tier in seiner natürlichen Umgebung zu Gesicht bekommen, Es ist zwar eine Binsenweisheit, aber nur was man kennt und liebt, das schützt und bewahrt man auch. Daher werde es immer wichtiger, solche Erlebnismöglichkeiten anzubieten. Das Team der Fasanerie soll deswegen demnächst durch eine naturpädagogische Fachkraft verstärkt werden. Schon jetzt gibt es zahlreiche Honorarkräfte als Referenten, sagt Ute Kilian. Die 2b ist mittlerweile bei den Luchsen angelangt, die ebenfalls mit Hühnern versorgt werden. Zum Schluss gibt es noch etwas zum Anfassen: Jana Pardeß holt drei Frettchen aus dem Gehege und gibt sie den begeisterten Kindern zum Streicheln. "Die stammen vom Iltis ab, daher der etwas strenge Geruch", erklärt die Tierpflegerin und erzählt, dass die Frettchen manchmal auch zur Rattenjagd eingesetzt werden. "Der größte heißt Rheini, weil er auf der Rheinstraße gefunden wurde." Die Kinder fragen vieles, die erfahrene Pflegerin weiß auf alles eine Antwort. "Viele unserer Schüler besuchen die Fasanerie öfter, aber so eine Führung ist doch immer ein ganz besonderes Erlebnis", meint Lehrerin Sybille Giernoth, bevor sich die Klasse wieder auf den Weg zum Bus macht.


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