Von Birgit Emnet
KLASSIK David Garrett ist der neue Wundergeiger und präsentiert nach Crossover nun "Classic Romance"
Spätestens seit seinem "Wetten dass. . .?"-Auftritt kennt ihn die Fernseh-Nation. Musikfans war der blonde Violinist schon vorher aufgefallen, und das nicht nur seines blendenden Aussehens wegen. David Garrett, Perlman-Meisterschüler und Juilliard-Absolvent, kann nämlich wirklich Geige spielen - und wie. Den Titel "Pop-Paganini" verdiente er sich als "schnellster Geiger der Welt", Guinnessbuch-zertifiziert, der den "Hummelflug" in sagenhaften 65,26 Sekunden herunterfidelt, 13 Noten pro Sekunde. Und seine Crossover-Werke "Virtuoso" und "Encore", auf denen er sich rockig gibt und AC/DC und Michael Jackson interpretiert, waren veritable Verkaufserfolge. "Encore" ging zwei Millionen mal über den Ladentisch.
Trotz positiver Ausstrahlung und Modelqualitäten hat der seit Nigel Kennedy erste ernsthafte Geiger mit Popstar-Nimbus eine nicht unbedingt gradlinige Karriere aufzuweisen. Zwar lernte der in Aachen geborene Sohn eines deutschen Juristen und einer US-amerikanischen Primaballerina im zarten Alter von vier Jahren Geige spielen, stand bereits mit 13 Jahren bei der Deutschen Grammophon unter Exklusiv-Vertrag und galt zunächst als Wunderkind. Dann aber kam der pubertätsbedingte Bruch, und Garrett, der als Künstlernamen den Mädchennamen seiner Mutter wählte, ging nach New York. Dort besuchte er ab 1999 die Meisterklasse von Itzhak Perlman an der Juilliard School of Music, kam zurück nach Deutschland, nahm besagte Crossover-Alben auf. Die zweite Karriere des nunmehr 28-Jährigen begann.
Nun also Klassik pur. Und mit "Classic Romance" zielt Garrett mit einer feinen Auswahl eingängiger und sehr romantischer Klassikstücke erneut auf ein breiteres Publikum. Das mag gelingen, denn Dvoraks "Humoreske" und Massenets "Meditation" sind hervorragend geeignet, neue, jüngere Hörerschichten zu erschließen, ebenso Pablo de Sarasates "Zigeunerweisen", Schuberts "Serenade" und die "Vokalise" von Rachmaninow. Dazu gibt es als Sahnehäubchen aber auch das komplette Violinkonzert e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy zu hören, wunderschön gespielt auf der Violine des Giovanni Battista Guadagnini von 1772. Die Schmeicheltöne des Beaus kommen an, eine Scheibe jedenfalls nicht nur für Klassikliebhaber.

