Von Olaf Neumann
E-GITARREN Dieter Gölsdorf baut Instrumente für Dylan, Kravitz, AC/DC und die Rolling Stones
HANNOVER. Made in Germany ist ein Qualitätsmerkmal, das sogar bei den Rolling Stones etwas gilt. Keith Richards und Ron Wood schwören auf die Instrumente von Dieter Gölsdorf. Unter dem Markennamen Duesenberg vertreibt der Hannoveraner weltweit hochwertige Solid-Body-E-Gitarren und Halbakustische mit außergewöhnlichem Aussehen und Klang. Die Duesenberg verbindet den Sound klassischer Marken wie Fender Stratocaster und Gibson Les Paul mit Art-Deco-Styling und modernster Technik. Die Bedienung der Kontrollknöpfe, die Saitenauffädelung, die Abstimmung der Tonabnehmer zueinander und vor allem der Klang seien bei seinen Gitarren einfach unschlagbar, flötet Dieter Gölsdorf (56).
Freche Anzeige
Das Handwerk brachte sich der Gitarrenbauer selbst bei. Seine Karriere begann vor über 25 Jahren mit einer frechen Anzeige im amerikanischen Guitar Magazine: "Wir sind Dieter und Michael. Wenn wir gerade kein Sauerkraut essen, machen wir die besten Tremolos der Welt!" Tatsächlich landeten die Krauts im Amiland mit ihren Gitarrenaccessoires einen Verkaufschlager. Angespornt von diesem Erfolg entwarf Gölsdorf alsbald futuristische Designs für Heavy-Metal-Hackbretter. 1996 entwickelte der Tüftler das Ur-Modell der Duesenberg. Es kam in einer winzigen Auflage von 15 Stück auf den Markt.
Heute verschicken 16 Mitarbeiter jährlich rund 10 000 Gitarren in die ganze Welt. Kostenpunkt: 800 bis 3 000 Euro pro Stück. Von Wirtschaftskrise keine Spur: Besonders in den USA, Asien und Europa sind die Kreationen aus Hannover heiß begehrt. Zu Gölsdorfs Kunden gehören Stars wie die Rolling Stones, AC/DC, Bon Jovi, die Eagles, Pearl Jam, Aerosmith, ZZ Top, Placebo, Wir sind Helden, Die Ärzte, Lenny Kravitz, Slash, Keith Urban, Elvis Costello, Taj Mahal, Peter Fox und Peter Maffay. Die Liste ließe sich fortsetzen.
Sogar Hollywoodstar Johnny Depp hat sich unlängst ein zweites Spielzeug angeschafft. Und wenn Bob Dylan heute überhaupt noch zur Gitarre greift, dann muss es eine Duesenberg sein. Nur David Gilmore und Neil Young fehlen ihm noch. Aber Gölsdorf ist überzeugt: "Irgendwann werden auch die auf meiner Liste stehen." Würde Gölsdorf für die Stars auch Sonderanfertigungen machen? Nein, davon hält er nichts. Eine Duesenberg ist, wie sie ist. Okay, für Keith Richards würde er wohl eine Ausnahme machen. Immerhin stehen beim personifizierten Rock´n´Roll bereits drei Exemplare im Schrank.
Signiert von Ron Wood
Und das kam so: Eines Tages klingelte der legendäre Riff-Rocker bei Mick Jaggers kleinem Bruder Chris an, der mit Dieter Gölsdorf persönlich bekannt ist. Er solle bitte schnellstens eine von diesen tollen deutschen Gitarren besorgen, von denen Bandkumpel Ron Wood so begeistert ist. Große Aufregung in Hannover! Seitdem ist Richards´ Gitarrensammlung um drei Modelle made in Germany reicher. Zur "40-Licks"-Welttournee 2003 kreierte Gölfsdorf dann seine erste Signatur-Gitarre: die Duesenberg Starplayer TV im Retrodesign mit Perlmuttbelag und als Krönung Ron Woods Schriftzug. Woods Dankesschreiben hütet der Designer wie einen Schatz: "Dieter, the guitar is superb. We will talk very soon!"
Der neueste Coup des Daniel Düsentrieb der Rockgitarrenszene ist die Pomona 6 Lap Steel-Gitarre. Sie ist in der Countrymusik sehr beliebt und Bob Dylan hat sich auch sofort eine besorgt. Trotz alledem träumt der Perfektionist von einer Zukunft: "Gitarren kann man immer noch besser machen."

