Ausdruck des Lebens
17.08.2010 - MAINZ
Von Katrin Kuntz
FLAMENCOSOMMER Abschlusskonzert im Frankfurter Hof
Flamenco ist seit jeher mehr als ein Tanz. Er ist Ausdruck des Lebens: gewaltsam, leidenschaftlich, ergreifend, kraftvoll, melancholisch. Dies war beim Abschlusskonzert des sechsten Flamencosommers Rhein/Main im Frankfurter Hof deutlich zu spüren. Der Flamencosommer wurde erneut von dem Wiesbadener Verein Peña la Buleria organisiert, der sich die Förderung der Flamenco-Kunst im Rhein-Main-Gebiet zum Ziel gesetzt hat. Wie jedes Jahr konnten sich die Liebhaber des spanischen Tanzes in einer mehrtägigen Kursphase in Workshops zu Tanztechnik, Gesang, Gitarre und Percussion üben und nun das Können der Dozenten erleben.
Die Bühne bebt, als Bella „La Paloma“, gebürtige Berlinerin, zu schnellen Rhythmen über die Bühne wirbelt. Sie klatscht, trippelt, stampft, schnalzt, wirft den Kopf nach hinten, schwenkt ihren Rocksaum, lässt sich von den sie umgebenden Musikern und Tänzern anfeuern. Sie wirkt leicht und doch präzise. Die Stimme des in Jerez geborenen Flamenco-Sängers Manuel Soto, der sie begleitet, klingt rau und sanft zugleich, nach Sehnsucht, nach Gegenwart und nach Vergangenheit. Flamenco-Gitarrist Frank Ihle, der mit dem Flamenco seine musikalische Laufbahn begann, bildet mit seiner einfühlsamen Spielweise eine sichere Basis für Tanz und Gesang. Begleitet wird er von dem Perkussionisten David Huertas Bravo auf seiner Cajón, einer aus Lateinamerika stammenden Kistentrommel.
Der Flamenco kann sich in einer Vielfalt an musikalischen Stilen äußern, gezeigt wurde im Frankfurter Hof die schnelle, rhythmusbetonte Buleria, die im andalusischen Jerez de la Frontera heimisch ist.
Fernando Galán, echter Jerezano, tanzt schließlich zu einem gesungenen Gedicht des spanischen Dichters Frederico García Lorca, angefeuert durch die Rufe seiner Kollegen: „¡Carramba, carramba!“. Spielerisch elegant und kraftvoll hat danach der charismatische Tänzer Antonio „El Portugues“ seinen Auftritt. Schließlich tanzen die Meister des Flamencos auch zu dritt.
Die Fingerhaltung variiert scheinbar im Millimeterbereich, Blicke werden getauscht oder scheinbar zurückgewiesen, das Stakkato der Absätze und die „Olé“-Rufe der Musiker und Zuschauer bringen den Saal zum Vibrieren. Mal aggressiv, mal erotisch, raumgreifend oder reduziert, es scheint ein Spiel oder auch mehr.

